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Pulitzer-Preis Explosiver Journalismus

Pulitzer-Preis für die Berichterstattung über den Fall Weinstein.

18.04.2018 08:30

Große Anerkennung für die Weinstein-Enthüllungen: Die Zeitung „New York Times“ und das Magazin „New Yorker“ sind für ihre Berichterstattung über die Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein mit dem prestigeträchtigen Pulitzer-Preis geehrt worden. Den Preis bekamen beide Publikationen in der Kategorie „Dienst an der Öffentlichkeit“ verliehen.

In der Kategorie Musik wurde mit Kendrick Lamar erstmals ein Hip-Hop-Musiker ausgezeichnet. Der Preis für die Weinstein-Enthüllungen ging an ein von Jodi Kantor und Megan Twohey geleitetes Rechercheteam der „New York Times“ sowie an den „New Yorker“-Autor Ronan Farrow.

Die Journalisten hatten mit ihren Artikeln über die mutmaßlich von Weinstein über Jahrzehnte hinweg begangenen Übergriffe und Missbräuche nicht nur den Absturz des Filmproduzenten bewirkt, sondern auch die breite „MeToo“-Kampagne gegen die sexuelle Drangsalierung und Ausbeutung von Frauen ausgelöst.Die Journalisten hätten mit „explosivem, wirkungsvollem Journalismus Sexualtäter enthüllt, darunter auch Vorwürfe gegen einen der einflussreichsten Produzenten Hollywoods“, heißt es zur Begründung.

Mia Farrows Sohn nennt es eine Abrechnung

Ronan Farrow ist der Sohn der Schauspielerin Mia Farrow und des Filmemachers Woody Allen. Der Regisseur selbst wird von seiner Adoptivtochter Dylan Farrow beschuldigt, sie als Siebenjährige missbraucht zu haben. Ronan Farrow unterstützt seine Schwester in ihren Anschuldigungen gegen den Vater.

In einer Reaktion auf seine Auszeichnung erklärte der 30-jährige Autor, dieser Moment werde „als Abrechnung bezeichnet“. „Aber wir haben gerade erst angefangen, die Wahrheit über ältere Fälle von Machtmissbrauch zu sagen“, schrieb er auf Twitter. „Danke an alle, die weitermachen.“ Seiner Mutter Mia Farrow twitterte, sie sei „so, so, so stolz“.

Der Pulitzer-Preis für investigative Berichterstattung ging an die Zeitung „Washington Post“. Gewürdigt wurde sie für ihre Berichte über den gescheiterten republikanischen US-Senatskandidaten Roy Moore aus dem Bundesstaat Alabama, dem vorgeworfen wird, vormals Mädchen im Teenager-Alter nachgestellt zu haben.

Den Preis für die beste „Nationale Berichterstattung“ teilt sich die „Washington Post“ mit der „New York Times“. Ausgezeichnet wurden die Blätter für ihre Recherchen zu den mutmaßlichen russischen Einmischungen in den US-Wahlkampf 2016. Bei der Preisverleihung in der New Yorker Columbia-Universität appellierte die Pulitzer-Vorsitzende Dana Canedy an die Medien, in Zeiten von „Fake News“ mehr zu tun, um das Vertrauen der skeptischen Öffentlichkeit zu gewinnen. Zudem forderte Canedy, stärker die Perspektiven von Minderheiten zu berücksichtigen.

Der nach einem 1911 verstorbenen New Yorker Verleger benannte Pulitzer-Preis ist einer der renommiertesten Journalistenpreise der Welt. Er wird seit 1917 verliehen und zählt inzwischen 21 Kategorien. In der 1943 eingeführten Kategorie Musik wurde zum ersten Mal ein Hip-Hop-Künstler ausgezeichnet. Der Rapper Kendrick Lamar erhielt den Preis für sein Album „DAMN“.
Jahrzehntelang wurde der Pulitzer-Preis ausschließlich an Werke der klassischen Musik vergeben, bis 1997 der Jazz-Musiker und -Komponist Wynton Marsalis geehrt wurde. Zur Begründung für den Preis an Lamar erklärte die Jury, das neueste Album des Rappers sei eine „Sammlung von Songs voller Virtuosität, welche die Komplexität des modernen afroamerikanischen Lebens einfangen“. (afp/dpa)

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