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Polen Berichten, was verbindet

Zuzanna Ziomecka arbeitet für die größte Tageszeitung in Polen und hat 2017 die Plattform „NewsMavens“ gegründet. Dort präsentieren sie und ihre Mitarbeiterinnen ausgewählte Nachrichten von und für Frauen aus ganz Europa.

NewsMavens
NewsMavens präsentieren Nachrichten von und für Frauen aus ganz Europa. Foto: Pauline Tillmann

Das Verlagsgebäude von „Agora“ im Süden von Warschau ist mit schicken Holzpaneelen verkleidet. Geht man hinein, eröffnet sich dem Besucher ein facettenreiches Universum – hier ein Rock-Radio, da ein Musiklabel samt Goldener Schallplatten. Am Drehkreuz wartet Zuzanna Ziomecka, die das Projekt „NewsMavens“ – zu Deutsch „News-Experten“ – ins Leben gerufen hat.

Dabei handelt es sich um eine englischsprachige Plattform, bei der europaweit Journalistinnen die ihrer Meinung nach relevantesten Artikel des Tages auswählen und die wichtigsten Aussagen auf Englisch übersetzen. Sie stellen das Kurzexposé selbst online und Muttersprachlerin Lea Berriault gibt dem Ganzen den letzten Schliff. Dabei müssen es keine originären Artikel der jeweiligen Journalistinnen sein, sondern der Zeitung, für die sie arbeiten.

Zuzanna Ziomecka sagt: „Ich bin davon überzeugt, dass es Themen, Nuancen und Geschichten gibt, die näher an den Erfahrungen von Frauen dran sind als an den Erfahrungen von Männern.“ Mit ihrem Projekt wolle sie demnach ein Tabu brechen und einen virtuellen Newsroom schaffen, der nur aus Frauen bestehe und andere Geschichten erzähle als die meisten Massenmedien, in denen Frauen noch immer unterrepräsentiert seien.

Dabei handelt es sich dezidiert nicht um Frauenthemen, das Spektrum ist bunt gemischt. Mit der Idee einer solchen Plattform konnte sie 2017 auch Google überzeugen und bekam aus dem Topf der „Digital News Initiative“ (DNI) eine Förderung in Höhe von 500 000 Euro für das erste Jahr. Damit will Zuzanna Ziomecka vor allem die Marke aufbauen, um im Herbst dazu überzugehen, die Leser für die Inhalte bezahlen zu lassen.

Derzeit sind Journalistinnen aus 17 Medienhäusern an Bord, darunter „The Irish Times“ aus Irland, „Der Standard“ aus Österreich und „Deine Korrespondentin“ aus Deutschland. Zuvor hat Ziomecka für die Wochenendbeilage „Wysokie Obcasy“ – zu Deutsch „Hohe Absätze“ – gearbeitet, die es seit 19 Jahren auf dem polnischen Markt gibt. Dafür hat sie die Online-Präsenz samt aktiver Community aufgebaut. Sie erklärt, dass „NewsMavens“ eine viel größere Herausforderung sei, weil die meisten noch nie davon gehört hätten und sich auch nicht an den Namen erinnern könnten. Deshalb plant sie, den Namen bis Ende des Jahres zu ändern – und zwar in „NEWSWOMEN“.

Was wohl auch Google von dem Projekt überzeugt hat, ist die Tatsache, dass nur Redakteurinnen europäischer Medien dabei sind. Damit soll nicht zuletzt gezeigt werden, wie facettenreich der europäische Kontinent ist. Es sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgestellt und vor allem unterstrichen werden, wie wichtig dieser gemeinsame Wirtschaftsraum für die weitere Entwicklung der einzelnen Länder ist. Nach dem Motto: Nur gemeinsam sind wir stark. Weiter meint Zuzanna Ziomecka: „Europa ist so einzigartig, weil es vielfältig ist. Aber es mangelt fundamental an Neugierde füreinander, was mich überrascht und was mich in meiner täglichen Arbeit auch traurig stimmt.“

Trotzdem lässt sich die 41-Jährige nicht entmutigen. Die Themen, die bei „NewsMavens“ von den Redakteurinnen ausgewählt werden, sind zwar nicht selten abseitig, zeigen aber oft überraschende Seiten von Europa auf. So werden neben den Rechten von Minderheiten immer wieder Dinge thematisiert, die die „normalen Leute beschäftigen“. Ziomecka sagt: „Große Medienhäuser folgen Macht und Geld, aber dadurch verliert man den Kontakt zur Leserschaft. Der Fokus unserer Journalistinnen ist näher an der Straße.“ Außerdem experimentiere sie stark, welche Inhalte bei ihrer Leserschaft überhaupt ankommen. Inzwischen hat „NewsMavens“ mehr als 35 000 Fans auf Facebook und gut 100 000 Besucher im Monat.

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