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Pay-TV Mit U-Booten und Horror gegen Netflix & Co

Deutschlands Fernsehmacher sind bemüht, die Dominanz der US-Anbieter einzuschränken.

Das Boot
August Wittgenstein (links) und Rick Okon spielen in „Das Boot“ mit. Foto: Imago

Serien sind das neue Kino und das vor allem auf Abruf ohne feste Sendezeit. US-Schwergewichte wie der Streamingdienst Netflix exerzieren das seit Jahren vor. Nun hat diese Erkenntnis auch den deutschen Markt auf breiter Front erreicht. Das wurde bei einer Veranstaltung des Arbeitskreises Pay-TV im Medienverband Vaunet deutlich. Von zwei Milliarden Euro Programminvestitionen branchenweit sei 2017 in Deutschland eine dreistellige Millionensumme auf lokale Eigenproduktionen entfallen, sagt Vaunet-Geschäftsführer Frank Giesberg. Er und bei Vaunet organisierte Programmmacher sehen darin erst einen Anfang. „Wir konzentrieren uns auf Serien“, stellt Sky-Manager Marcus Ammon klar. Eigenproduktionen seien zwar teuer, aber strategisch entscheidend.

Wachstumszahlen unterstreichen das. Der Umsatz der 87 deutschen Bezahlsender ist 2017 um 15 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro gestiegen. Schwerpunkt ist mit 2,3 Milliarden Euro zwar immer noch klassisches Pay-TV mit festen Fernsehzeiten. Aber Fernsehen auf Abruf über reine Filmbibiliotheken und Streamingdienste holt mit 800 Millionen Euro Umsatzanteil rasant auf.

Dabei wird das Bild sogar noch zugunsten klassischen Pay-TVs verzerrt. Denn Anbieter wie Marktführer Sky bieten neben ihren festen Programmen auch Fernsehen auf Abruf an. Diese Umsätze werden statistisch aber klassischem Bezahlfernsehen zugeschlagen, das auf dieser Basis 2017 noch um vier bis fünf Prozent gewachsen ist. Bei Fernsehen auf Abruf via Netflix & Co betragen die aktuellen Wachstumsraten dagegen ein Fünftel.

Sky sieht sich als Treiber und Motor

Branchenführer Sky hat die Entwicklung als Erster in Taten umgesetzt. „Wir sehen uns als Treiber und Motor“, sagt Ammon. So habe sich die mit der ARD koproduzierte TV-Serie „Babylon Berlin“, die diesen Herbst auch im freien Fernsehen empfangbar ist, auch international in über 100 Ländern gut verkauft. Eine dritte Staffel ist in Planung. „Europäische Geschichten funktionieren auch international“, ist sich Katharina Behrend sicher. Sie ist Deutschland-Chefin des US-Medienriesen NBC. Auch deutsche Serienproduktionen würden im Ausland nun ernstgenommen. „Der Motor fängt an, sich zu drehen“, assistiert der Europa-Manager des US-Medienkonzerns Turner, Hannes Heyelmann. Das schaffe einen Kreativwettbewerb, von dem alle Beteiligten inklusive Zuschauern profitieren.

Auch mit Blick auf internationale Kundschaft hat Sky deshalb mit der dem Kinoschlager nachempfundenen Serie „Das Boot“ ein zweites Eisen ins Feuer geworfen. Mit 26 Millionen Euro haben die Produktionskosten für die erste Staffel ein für Deutschland bisher nicht gekanntes Niveau erreicht. Von der Qualität her müsse sich die Boot-Serie nicht hinter großen US-Produktionen verstecken, meint Ammon. Finanziell sind US-Erfolgsserien wie „Game of Thrones“ noch zwei- bis dreimal teurer, was vor allem an der Bezahlung von Schauspielern und Drehbuchautoren liegt.

Was das Genre angeht, sinken die Berührungsängste hier zu Lande indessen. So plant Sky mit „Hausen“ auch eine Horrorserie. Sie spielt in einem ostdeutschen Plattenbau, der ein Eigenleben entwickelt und seine Bewohner maximal fordert, umreißt Ammon die Handlung.

Eine andere Stoßrichtung ist der geplante Aufbau eines deutschen Netflix, zu dem ProSiebenSat1 und der US-Medienkonzern Discovery jüngst aufgerufen haben. Das Bundeskartellamt hat für die Idee soeben grünes Licht gegeben. Nun suchen die Initiatoren nach weiteren Mitstreitern wie RTL oder öffentlich-rechtlichen Sendern. Die neue und für alle Anbieter offene Plattform soll ein Dach für alles, von freiem und Bezahlfernsehen bis Live-Shows und Sport sein, erklärt Discovery-Managerin Susanne Aigner-Drews. „Wir wollen ein Gegengewicht zu Amazon Prime und Netflix und das Feld nicht den US-Konzernen überlassen“, sagt sie selbstbewusst.

Dazu bedarf es noch mehr als ProSiebenSat1 und Discovery. „Lokale Anbieter haben nur eine Chance, wenn viele mitmachen“, stellt Heyelmann klar. Ob sich die in ausreichendem Ausmaß finden, werden die nächsten Monate zeigen.

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