„Outlander“ Die Dürre zwischen den „Outlander“-Staffeln

Die dritte Staffel von Diana Gabaldons sagenhafter „Outlander“-Serie geht zu Ende – jetzt heißt es tapfer sein.

Outlander
Auf Augenhöhe: Jamie und Claire in „Outlander“. Fotograf: Starz Entertainment

Jetzt geht auch für die Erwachsenen das Warten wieder los. Und zwar länger als nur bis Weihnachten. In den USA und im deutschen Pay-TV (RTL Passion) ist diese Woche die letzte Folge der dritten Staffel von „Outlander“ gelaufen, bei Vox wird sie am kommenden Mittwoch ausgestrahlt. Dann gibt es erst mal nichts mehr, worauf man sich jede Woche freuen kann. Man hat mehr Zeit, aber wozu? Für dieses Gefühl zu genau diesem Anlass gibt es im Internet schon einen Begriff: Droughtlander – die Dürre zwischen den „Outlander“-Staffeln.

Die TV-Verfilmung der Zeitreise-Liebesgeschichte von Claire und Jamie, sie eine Krankenschwester (später Ärztin) aus dem 20. Jahrhundert, er ein Highland-Schotte aus dem 18. Jahrhundert, war 2014 ein sofortiger Erfolg. Dafür sorgten die Liebe zum Detail, mit der der Produzent Ronald D. Moore für den Sender Starz schon den ersten Band in 16 Teilen in Schottland drehen ließ, die bis in die Nebenrollen prägnante Besetzung und die Mitwirkung der Autorin Diana Gabaldon. Geld spielt hier keine Rolle.

Dreharbeiten für vierte „Outlander“-Staffel

Derzeit laufen die Dreharbeiten für die vierte Staffel und im Internet kursieren erste, meist von Fans gemachte, Trailer, aber vor Herbst 2018 ist mit der Ausstrahlung neuer Folgen nicht zu rechnen. Wobei mit etwas Glück im kommenden Sommer vielleicht das neue, neunte Buch herauskommen könnte. Darauf hätte man dann vier Jahre gewartet.

Aber selbst wenn es mit „Go Tell the Bees That I’m Gone“ (Sag den Bienen, dass ich weg bin – mit Bezug auf ein keltisches Sprichwort) erst 2019 etwas wird – Outlander-Fans haben einen langen Atem. Eine Reihe, die in der deutschen Ausgabe seit 1995 erscheint („Feuer und Stein“, „Die geliehene Zeit“ etc.) und bis jetzt fast 10.000 Seiten umfasst, ist ja keine Geschichte, die man nur liest. Es ist eine, mit der man lebt. Allein in Deutschland sind acht Millionen Bücher verkauft worden, weltweit waren es im Juli 28 Millionen Exemplare in 40 Sprachen.

Diana Gabaldon ist eine Meeresbiologin aus Arizona. Sie war Anfang dreißig, als sie Mitte der 80er einem Literaturchat von Compuserve beitrat und anfing, ihre Ideen zu einen Historienroman zu entwickeln. 1987 (Jubiläum!), veröffentlichte sie Teile des ersten „Outlander“-Romans online – und obwohl sie seit 1991 auch verlegt wird, ist sie eine netzöffentliche Schreiberin geblieben, die Auszüge ihrer aktuellen Produktion auf ihre Website stellt und unkomplizierten Kontakt zu ihren Lesern pflegt.

Muss man die Handlung eines Millionensellers erzählen? Vielleicht in Stichworten den Anfang: Gerade dem Zweiten Weltkrieg entkommen, gerät Claire in ihren Flitterwochen in einen Steinkreis, findet in der Vergangenheit die Liebe ihres Lebens und versucht, die Schlacht von Culloden 1746, in der fast alle Highlander dahingemetzelt werden, zu verhindern. Als dies nicht gelingt, geht sie, schwanger, zurück ins 20. Jahrhundert. Und kehrt 20 Jahre später abermals zurück.

Liebesbeziehung auf Augenhöhe

Der moderne, leicht ironische Humor, mit dem die Protagonistin die Verhältnisse betrachtet, ermöglicht, dass selbst die romantischen und (jawohl) Sexszenen als Text so funktionieren, dass man sich dabei im 21. Jahrhundert noch in die Augen gucken kann. Ins Fernsehen lässt sich dieser lockere Beobachtungston naturgemäß nicht so leicht übertragen, aber da die Schauspielerin Catriona Balfe ein Talent in Sachen subtiler Süffisanz ist, hält das Gewebe seiner Verfilmung durchaus stand. Zumindest im Original. Die deutsche Synchronisation klingt – ebenfalls naturgemäß – leider nach studioproduziertem Vorabendfernsehen. Die Unter- und Zwischentöne fehlen.

Trotzdem würde ich die Sache auch im Deutschen gegenüber jenen, die kurz reinschauen, eine der vielen Liebesszenen in malerischer Kulisse sowie den bestürzenden Brustkorb des rot gelockten Jamie-Darstellers Sam Heughan entdecken und auf „Rosamunde Pilcher“ tippen, entschieden verteidigen. Denn auch wenn Jamies moralische Integrität und Rundumqualifikation manchmal schwer zu ertragen sind, beide jeder halsbrecherischen Situation zuverlässig entkommen, Claire auch im Morgenlicht noch gut aussieht und das Zeitreisen einfach mal so behauptet wird – es ist Fantasy! Und verifizierbare Kulturgeschichte ist noch genug dabei.

Was die Story weit über andere Produkte hinaushebt, ist, dass die Liebesbeziehung eine auf Augenhöhe ist: Claire kommt mit dem Wissen des 20. Jahrhunderts an, rettet Jamie mindestens so oft vor dem Tod wie er sie und bringt ihn mit ihrer selbstbewussten Sexualität durchaus in Bedrängnis. Zudem punktet „Outlander“ mit einem Reichtum eigenständiger Nebenfiguren, von dem man im deutschen Fernsehen nur träumen kann. Die Autorin hat das große, geradezu bruegelhafte Ganze so lebhaft vor Augen, dass der Serie zahlreiche Nebenpublikationen entwachsen und gar eine eigene Serie um die Figur des homosexuellen Lord John entstanden ist.

Auch gesellschaftlich ist die „Outlander“-Saga erzählte Quantenphilosophie für die Sehnsüchte der Post-Post-Moderne: Immer im Widerstand gegen die englischen Besatzer, ist Jamie ein Outcast, der mit Mitteln des zivilen Ungehorsams Verantwortung für seinen Clan übernimmt. Und anders als im globalen Kontext tribal lässt sich politisches Handeln ja tatsächlich nicht mehr träumen! Nicht um Macht geht es hier, sondern ums Machen, nicht um Besitz, sondern um Eigenständigkeit – und im Zweifel immer um den besseren Witz. Jemand im Raum, der zum ersten Mal von alledem hört? Beneidenswert! Er oder sie ist von der Dürre noch 42 Stunden Fernsehen und circa 1000 Stunden Lektüre entfernt.