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Öko-Test Strategie-Streit bei Öko-Test

Der langjährige Öko-Test-Chefredakteur Jürgen Stellpflug muss das Verbrauchermagazin verlassen. Die Verlagsgesellschaft DDVG begründet die Entlassung mit unterschiedlichen Vorstellungen zur Digitalstrategie.

Jürgen Stellpflug
Der langjährige Geschäftsführer und Chefredakteur von Öko-Test, Jürgen Stellpflug. Foto: imago

„Im Streit um die zukünftige Strategie des Verbrauchermagazins „Öko-Test“ hat der Aufsichtsrat der Öko-Test AG den langjährigen Chefredakteur, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzenden Jürgen Stellpflug entlassen. In einer am Montag veröffentlichten Erklärung rechtfertigte der Aufsichtsratsvorsitzende Jens Berendsen, diesen Schritt mit unterschiedlichen Vorstellungen zur zukünftigen Digitalstrategie; ein „konstruktiver, vertrauensvoller“ Dialog mit Jürgen Stellpflug sei „nicht mehr möglich“ gewesen. Der Öko-Test Verlag müsse sich der Digitalisierung und einem veränderten Verbraucherverhalten stellen. Jens Berendsen ist zugleich Geschäftsführer der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft, einer Beteiligungsgesellschaft der SPD, die indirekt Hauptanteilseignerin der Öko-Test AG ist.“

Jürgen Stellpflug erklärte dagegen auf Anfrage, er sei im Wesentlichen nicht fürs Digitale, sondern für die Printausgabe zuständig gewesen. Mit der Weiterentwicklung der Digitalstrategie habe sich sein Co-Geschäftsführer Patrick Junker beschäftigt.

Mehrere Dokumente, die in den vergangenen Wochen zur Information der Mitarbeiter verschickt worden waren und der FR vorliegen, legen nahe, dass es bei dem Streit zwischen Stellpflug und dem Aufsichtsrat um die zukünftige inhaltliche Ausrichtung von „Öko-Test“ ging. In einer E-Mail an Jens Berendsen vom 5. April hatte Jürgen Stellpflug, der zu diesem Zeitpunkt schon von seiner Entlassung wusste, seine Befürchtung formuliert, „Öko-Test“ sei davor, eine „Kehrtwende“ zu vollziehen, in deren Folge es seine Unabhängigkeit verlieren könnte.

Konkret bezog sich Stellpflug auf ein Papier, das von dem Unternehmen Fast Company im Auftrag der DDVG erstellt wurde. Darin werden mögliche neue (digitale) Geschäftsmodelle und Strategien zur Monetarisierung für „Öko-Test“ ausgelotet. Das Konzeptpapier schlägt neben einem „radikalen Wandel“ zum Digitalen und einer Erweiterung der Prüfkriterien um Nachhaltigkeit und soziale Aspekte auch einen so benannten „Öko-Check“ vor. Demnach solle „Öko-Test“ im Auftrag von Unternehmen und gegen Gebühr Siegel für deren Produkte vergeben, die jedoch nur mit Zustimmung des Auftraggebers veröffentlicht werden.

Dies wäre ein Bruch mit der aktuellen Praxis, Produkte eigenständig und ohne Kommunikation mit den Herstellern zu testen. Auch andere Vorschläge in dem Papier zielten darauf ab, stärker mit anderen Unternehmen zusammenzuarbeiten - und beispielsweise Regale mit „Öko-Test Top Produkten“ gegen eine Nutzungsgebühr in Supermärkten aufzustellen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Jens Berendsen sagte auf Anfrage der FR, das von Stellpflug zitierte Papier sei lediglich ein Konzeptvorschlag von einer externen Firma und bilde nicht die zukünftige Ausrichtung von „Öko-Test“ ab. Zu Stellpflugs Befürchtung, das Magazin stehe vor dem „Wandel zu einem Unternehmen, das nicht testet, sondern Produkte zertifiziert“, sagte er: „Das ist nicht unsere Strategie. Und das ist hier auch allen klar.“ Dennoch müsse die Digitalstrategie verbessert werden: „Das setzen wir jetzt Stück für Stück um.“ Zu konkreten Änderungen wollte er sich nicht äußern. Neuer Interimsgeschäftsführer des Öko-Test Verlags ist Christopher Koeppler, der zusammen mit Jens Berendsen die Green Lifestyle Group führt, zu der auch die Plattform Utopia.de gehört.

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