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Öffentlich-rechtlicher Rundfunk „Das ist ein maximales Bedrohungsszenario“

Hans Demmel, Chef des Privatsenders n-tv, über die öffentlich-rechtlichen Reformpläne und die eigenen Interessen.

Mediengruppe RTL
Zu Gruppen gehört es, dass sie Flagge zeigen. Foto: rtr

Herr Demmel, ARD und ZDF haben kürzlich ihre Pläne für eine Strukturreform vorlegt. Wie schätzen Sie diese ein?
Was hier angeboten wird, ist deutlich zu wenig. Wenn man zu wirtschaftlichem Handeln gezwungen ist, muss man sich über diese Fragen ohnehin Gedanken machen. Die IT zusammenzulegen, ist doch selbstverständlich. Jeder Verlag, den ich kenne, hat sehr viel härtere Restrukturierungsprogramme. Sie haben einen Riesenaufwand für das Papier betrieben, aber das Ergebnis ist ungenügend.

Was müsste denn passieren?
Es gibt ja die heilige Kuh des Programms, die nicht angetastet werden darf. Da stellt sich die Frage: warum eigentlich nicht? Ich fände es falsch, wenn wir uns einzelne Formate um die Ohren hauen würden, da gibt es Sünden auf beiden Seiten. Aber ist wirklich alles Kern des Auftrags? Wir machen natürlich alle gerne Fernsehen und machen auch gerne mehr, aber man muss es refinanzieren. Das Motto „Weniger ist mehr“ ist ein gutes. Wenn man wirklich verantwortungsvoll mittelfristig an den Erhalt des Systems glaubt, dann muss man sich die Frage stellen, wo man das Angebot so reduziert, dass es langfristig Sinn macht.

Was wäre eine Auftragsdefinition, mit der Sie leben könnten?
Ich fände es unlauter, da konkrete Vorschläge zu machen. Man muss sich schon klarmachen, dass die ARD ein Rollenverständnis hat, Garant für verlässliche, relevante Information zu sein. Das ist unbestritten. Aber man soll bitte nicht so tun, als gäbe es ein öffentlich-rechtliches Monopol für Qualität im Journalismus.

Es ärgert Sie, dass Information meist als Kernkompetenz der Öffentlich-Rechtlichen bezeichnet wird?
Ja, mich stört dieses vermeintliche Monopol der verlässlichen Information. ARD und ZDF seien ein Bollwerk gegen Fake News. Als würden wir als Geschäftsmodell Fake News verbreiten. Die Kollegen machen gute Nachrichten, ohne jeden Zweifel, aber sie sind nicht die einzigen. So zu tun, als gäbe es 1a-Nachrichten und 1b-Nachrichten, ärgert mich schon.

Die Öffentlich-Rechtlichen verteidigen ihre Stellung auch damit, dass Sie für die Demokratie in unserem Land bedeutend seien.
Von einer Demokratieabgabe zu sprechen – so als würde ohne die Öffentlich-Rechtlichen die Demokratie untergehen – ist ein Schlag für jeden engagierten privaten Nachrichtenmacher und jeden Verleger. Die Politik muss beide Seiten als gleichberechtigte Pfeiler anerkennen und unterstützen.

Zumal die Akzeptanz des Rundfunkbeitrags nicht steigen wird. Gerade im Osten ist eine Erhöhung wohl kaum politisch durchsetzbar. Warum ist diese Entwicklung für Sie wichtig?
Auch als Konkurrenten sind wir interessiert an einem funktionsfähigen dualen System. Das hat uns in diesem Land ein großartiges Fernsehen beschert. Nur kann man auf der einen Seite des Systems nicht immer mehr, mehr und mehr wollen und nicht mal auf etwas verzichten. Und dann verlangen sie von jedem Bürger, dass er das, was sie für notwendig halten, mitbezahlt. Das ist ein Irrweg, der das System möglicherweise stärker aus der Balance bringt, als wir uns das jetzt vorstellen können.

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