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„The Walking Dead“ Patriarchat war gestern

„The Walking Dead“ stellt Frauen als starke, ernstzunehmende Wesen dar. Das ist geradezu revolutionär. Achtung, Spoileralarm! Zum Start der neuen Staffel hier der sechste Teil unserer Kolumne „Nächste Folge“.

The Walking Dead
Rick (Andrew Lincoln) gilt als der Anführer der Gruppe in „The Walking Dead“. Aber wenn es drauf ankommt, verlässt man sich besser auf Michonne (Danai Gurira). Foto: Imago

Das Konzept, nach dem Mann und Frau verschieden sind, der Mann ein natürlicher Führer und Beschützer, die Frau, natürlich, in der zweiten Reihe, dominiert in den meisten Serien auch im Jahr 2017 noch. Der Mann ist der Macher, die Frau die emotionale Stütze. Vielleicht auch eine kluge, gewitzte, tiefgründige Stütze, aber die Männer sind die Entscheider. Die Dominanzposition der Männer steht. Und das nervt.

Auch „The Walking Dead“ startete im Jahr 2010 so. Der frisch aus dem Koma erwachte Rick Grimes ist zwar verstört aber gleich voll dabei, schlägt sich Zombie für Zombie bis nach Atlanta durch. Im Camp, in dem er seine Familie wiedertrifft, hat  natürlich ein Mann das Sagen. Die Frauen bleiben bei allen Erkundungs- und Zombietötungstouren im Camp. Dort waschen sie die Wäsche, spülen und kümmern sich um das Essen. Die Zuschauerin reagiert deprimiert: Nicht mal eine Zombieapokalypse konnte das Patriarchat vernichten.

Aber die anfängliche Darstellung der Frauen als das schwache Geschlecht in „The Walking Dead“ war möglicherweise genau so beabsichtigt, um die Entwicklung der Charaktere deutlich zu machen. Carol Peletier zum Beispiel erfüllt zu Beginn der Serie jedes Klischee einer verängstigten Hausfrau, die auch noch regelmäßig von ihrem Ehemann verprügelt wird und es sich demütig gefallen lässt. Aber Carol wird stärker, sie wächst an den Herausforderungen, die so eine Zombieapokalypse eben mit sich bringt. Und rettet in der 5. Staffel spektakulär im Alleingang ihre Freunde aus den Fängen der Kannibalen in Terminus.

Interessanterweise scheinen viele der männlichen Charaktere an den Umständen langsam zu Grunde zu gehen. Rick, am Anfang der Serie der rationale Führer, wirkt inzwischen mal mehr mal weniger geisteskrank. Ohne seine Partnerin Michonne wäre Rick lange tot. Wie wahrscheinlich auch die meisten anderen Charaktere.

Die Ungleichheit verschwindet

Je weiter die Serie voranschreitet, umso mehr verschwindet der Unterschied in der Darstellung von Macht, Stärke und Dominanz. Die Männer sind nicht mehr, wie von einer nicht erklärten, irrationalen Fügung bestimmt, die Stärkeren. Sätze wie „Wir werden kämpfen, die Frauen bleiben hier“, oder „Passt auf die Frauen auf“, die durchaus öfter mal in „The Walking Dead“ fielen, hört man gar nicht mehr. Die Frauen sind Kämpfer. Die Frauen sind Entscheider. Die Frauen sind Anführer.

Für Negan, der sich bis jetzt als unschlagbarer Gegner präsentiert hat, wird es das erste Mal wirklich eng, weil sich ihm eine Frau entgegenstellt. Sasha trifft eine folgenreiche Entscheidung, um ihre Freunde nicht vor eine grauenhafte Wahl zu stellen – und schlägt so auch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn der sich seiner Sache zu sichere Negan rechnet nicht damit. So kommen die Saviors das erste Mal wirklich in Bedrängnis. Zwar gewinnt Negans Truppe im Kampf schnell wieder die Oberhand, wird dann aber durch den Überraschungsangriff der Hilltop-Leute und König Ezekiel in die Flucht geschlagen.

Hilltop wird übrigens angeführt von der schwangeren Maggie, die mit ansehen musste, wie ihre große Liebe Glenn von Negan mit einem Baseballschläger bestialisch hingerichtet wurde. Davor erlebte sie mit, wie ihr Vater enthauptet wurde und ihre Schwester erschossen. Aber sie kämpft, und ist dabei gefestigter, rationaler und stabiler als die meisten anderen.

So deprimierend „The Walking Dead“ ist, so steckt hinter allem doch eine hoffnungsvolle Botschaft: Was dich nicht umbringt macht dich stärker. In der Zombieapokalypse gilt das aber besonders für die Frauen.

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