Lade Inhalte...

Netflix-Serie „Dark“ Ein Hoch auf den Zehn-Sekunden-Zurück-Knopf

Die erste deutsche Netflix-Serie „Dark“ kann was. Man muss allerdings konzentriert dranbleiben. Der neunte Teil unserer Kolumne „Nächste Folge“.

Neflix-Serie «Dark»
Vom 1. Dezember an bringt Netflix die erste deutsche Serie. "Dark" ist zehn einstündige Episoden lang. Foto: dpa

Die erste deutsche Netflix-Serie „Dark“ hält gleich zu Beginn, was der Name verspricht: Sie zeigt sich düster. Ein Mann erhängt sich. Schnitt. Ein Wohnhaus. Eine triste Familienszene. Die Story beginnt. Schritt für Schritt lernt man das Dorf Winden und seine Bewohner kennen. Alles ist deprimierend und dunkel. Ein Junge, Erik, ist verschwunden, aber trotz vieler immer wieder zu sehender Flugblätter scheint das niemanden so richtig nervös zu machen. Aber dann verschwinden noch mehr Kinder.

Die Serie ist auf verschiedenen Ebenen eine Herausforderung. Durch die ersten beiden Folgen muss man sich ein wenig quälen. Es ist nicht klar, womit man es hier eigentlich zu tun hat: ein aufgepimpter Netflix-Tatort? Geht es hier jetzt nur um verschwundene Kinder und schmutzige Affären? Ein Atomkraftwerk, dessen Betreiber etwas zu verbergen hat, scheint eine Rolle zu spielen. Und einen Bezug zu einem Vermisstenfall aus den Achtzigern gibt es wohl auch. Oft fällt der Satz: „Es ist genau wie damals.“ Aber das Ganze wirkt doch auch irgendwie mysteriös und übersinnlich. Schließlich fallen hier tote Vögel vom Himmel. Und was hat es mit dieser dunklen Höhle auf sich?

„Dark“ aus der Perspektive des Fragenstellers

Will das hier ein Abklatsch der britischen Serie „Broadchurch“ sein oder doch eher einer der amerikanischen Erfolgsserie „Stranger Things“? Man bleibt erst einmal ratlos zurück.

Leichter wird es auch dadurch nicht, dass doch sehr viele verschiedene Charaktere vorkommen. Und alle haben irgendein ganz wichtiges und mysteriöses Ding laufen. Den Durchblick zu behalten, ist schwer. Besonders dann, wenn man „Dark“ als ein ganz besonderes Exemplar des Serienzuschauers verfolgt: als Fragensteller.

Für ihn ergeben sich solche Fragen wie „Wer ist das?“, „Wo sind die jetzt?“, „Was ist das?“. Und natürlich die beste aller Fragen: „Warum passiert das jetzt?“ Da hilft es nur, die Nerven zu behalten.

Die Fragerei führt neben einer leichten Gereiztheit natürlich auch dazu, dass man den Rest der Szene nicht mitbekommt, was dann dazu führt, dass man bei einer so komplexen Serie gar nichts mehr versteht. Lieber Fragensteller, ich sehe diese Serie genau so lange wie du. Ich weiß das also auch alles nicht. Lass es doch einfach mal auf dich wirken. Die Dinge werden sich schon noch aufklären.

Daran, dass ich den Faden dauernd und damit den Überblick verliere, ist aber nicht alleine mein Fragensteller schuld. Einmal kurz nicht hingeschaut und nach der Wasserflasche gesucht – schon hat man die entscheidenden drei Sekunden nicht gesehen. Und versteht einen Bezug in der nächsten Folge nicht mehr. Oder man weiß nicht, wer eine bestimmte Figur eigentlich ist. Manche kommen nur sehr kurz. Es lebe der Zehn-Sekunden-Zurück-Knopf.

Gegen Ende der zweiten Folge wird klar, in welches Genre man die Serie stecken muss. Sie nimmt die, wie ich finde, interessantestmögliche Abzweigung. Nämlich – ohne zu viel verraten zu wollen – die in die Achtziger. Aber hier gilt erst recht die bereits vielfach angesprochene Regel: Es muss ununterbrochen hingeschaut werden. Wer die Charaktere und ihre Geschichten zuordnen will, sollte Wasser und Snacks vielleicht besser in die Hand nehmen. Und den Fragensteller knebeln.

„Dark“ ist keine leichte Kost, keine seichte Abendunterhaltung, für Fans von verworrener Mystery ist die Serie aber auf jeden Fall etwas. Die Handlung ist spannend und wer will nicht definitiv wissen, wie es weitergeht, also auch der Fragensteller, was hinter dem Ganzen steckt, was es mit den verschiedenen Handlungssträngen auf sich hat und wie sie wohl zusammengehören?

Ich schaue „Dark“ jetzt übrigens alleine. Und mein Fragensteller macht sich erst mal ein Übersichtsdiagramm.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Serien

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum