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„House of Cards“ Kevin Spacey darf das - nicht

Sollte „House of Cards“ nach den Vorwürfen an Kevin Spacey tatsächlich abgesetzt werden, wird dem mutmaßlichen Täter Recht gegeben. Der siebte Teil unserer Kolumne „Nächste Folge“.

Kevin Spacey
Ist „House of Cards“ ohne Kevin Spacey überhaupt vorstellbar? Foto: rtr

Kevin Spacey ist raus. Netflix trennt sich von dem 58-jährigen Schauspieler, nachdem immer weitere Vorwürfe wegen sexuellem Missbrauchs gegen ihn erhoben wurden. Unklar bleibt, wie und ob die Erfolgsserie „House of Cards“, in der Spacey die Hauptrolle des US-Präsidenten Frank Underwood spielt, ohne ihn auskommen wird.

Kevin Spacey hat ein Problem

Begonnen hatte alles damit, dass der Schauspieler Anthony Rapp Kevin Spacey vorwarf, ihn als 14-Jährigen sexuell belästigt zu haben. Vergangene Woche wurden dann immer mehr Vorwürfe gegen den Schauspieler laut. Es soll seit Jahren Übergriffe am Set von „House of Cards“ gegeben haben. Von einem „toxischen Arbeitsumfeld“ ist die Rede, und dass Spacey seine Machtposition am Set ausgenutzt habe. Spacey selbst versuchte souverän auf die Vorwürfe zu reagieren: Er könne sich an derartige Vorfälle nicht erinnern, aber, falls es tatsächlich passiert sei, tue ihm das leid. 

Noch ist nichts bewiesen, Spacey nicht verurteilt. Doch die Anschuldigungen klingen glaubwürdig, denn Spacey bestreitet die Übergriffe nicht, sondern kündigte an, eine Therapie machen zu wollen. 

Netflix stoppt Spacey

Es drängt sich ein gewisses Bild des Schauspielers auf. Das eines Mannes, der sich an anderen Menschen vergreift, weil er keine Konsequenzen fürchten muss. Ein Mann, der gestoppt werden muss. Schrittweise hat das Netflix schon jetzt getan, zuerst mit der Ankündigung, „House of Cards“ mit der sechsten Staffel enden zu lassen. Dann mit dem Aussetzen der Dreharbeiten und anschließend mit dem Rauswurf Spaceys. Das Ende von „House of Cards“ habe allerdings keinen direkten Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen den Schauspieler und sei bereits im Sommer beschlossen worden, heißt es in der Branche. 

Trump überbieten ist nicht möglich

Klar, es wurde seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten auch wirklich schwer für „House of Cards“. Wie will man eine so abstruse Realität, in der der amtierende US-Präsident jeden Tag einen neuen Tiefpunkt erreicht, Rechtsradikale verteidigt, „fire and fury“ Richtung Nordkorea schicken will, in der Fiktion überbieten? 

Nun scheint die Realität hinter der Serie die Realität im Weißen Haus zumindest eingeholt zu haben. Der echte US-Präsident Donald Trump, der zu „Grab them by the pussy“ aufruft, der Schauspieler hinter dem fiktiven US-Präsidenten Frank Underwood, der beschuldigt wird, seinen Mitarbeitern wiederholt in den Schritt gegriffen zu haben.

Aber was fängt man als Fan der Serie nun mit diesen Entwicklungen an? Wäre es moralisch geboten, nie wieder „House of Cards“ anzusehen? Sollte die Serie sofort abgesetzt werden? Oder muss man die Figur und den Darsteller, nicht zuletzt Künstler und Kunstwerk trennen?

Kevin Spacey verkörpert nicht alleine „House of Cards“. Andere Schauspieler, wie Robin Wright oder Michael Kelly, und all die anderen Menschen, die an der Serie mitgewirkt haben, haben dort auch große Leistungen erbracht. Und das Ganze jetzt mit einem unwürdigen Ende zu versehen und auf eine schwarze Liste zu setzen, würde bestätigen, was die Mitarbeiter, die Spacey die sexuellen Übergriffe vorwerfen, als Grund für die anhaltende Belästigung sehen: Das lüsterne Verhalten sei für ihn Routine gewesen, weil er als Star der Serie und Executive Producer keine Konsequenzen habe fürchten müssen. Er alleine hielt den Laden am laufen.

Der größte Fehler wäre es jetzt, die Serie einfach abzusetzen. Natürlich ist das eine Herausforderung für die Autoren, denn Kevin Spaceys Frank Underwood ist eine charismatische Figur, die die Serie trägt, die den Zuschauer in ihren Bann zieht und zu Recht von Publikum und Kritikern gelobt wurde. 

Dennoch geht es darum, übergriffiges Verhalten, angefangen das von Menschen wie Trump, zu widerlegen, also auch deren unzulässigen Überlegungen, wie immer sie aussehen mögen: Ich darf das. Mir kann keiner was. Ich bin zu wichtig, zu mächtig, zu stark. Das sind sie nicht. Und es wird Zeit, das deutlich zu machen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Serien

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