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„Curb Your Enthusiasm“ Larry David ist zurück, erwarten Sie nicht zu viel

Alles wie immer in „Curb Your Enthusiasm“. Das ist der Witz dabei. Der fünfte Teil unserer Serien-Kolumne „Nächste Folge“.

Curb Your Enthusiasm
„Curb Your Enthusiasm“ im Jahr 2001: Hier stehen Richard Lewis (l.) und Larry David (r.) noch ganz am Anfang der Geschichte. Foto: Imago

Curb“ was? fragen sich die Leser hierzulande nun zuhauf. Denn so gefeiert „Curb Your Enthusiasm“ im englischsprachigen Raum ist, so unbekannt ist die Serie in Deutschland. Eine synchronisierte Fassung floppte wie seinerzeit die deutsche Version von „Seinfeld“, immerhin die erfolgreichste Sitcom aller Zeiten in den USA.

Dabei ist „Curb Your Enthusiasm“ die Mühe wert, anders als der Titel erwarten lässt. Der bedeutet so viel wie „Zügeln Sie Ihre Erwartungen“, wurde für die deutsche Fassung aber mit einem erbärmlichen „Lass es Larry“ übersetzt.

Larry David macht nicht viel mehr, als sich selbst zu spielen. Reich geworden durch „Seinfeld“ und chronisch arbeitsfaul taumelt er durch Los Angeles, die Hauptstadt des Entertainments mit all ihrer oberflächlichen, eitlen Etikette, an der er im Minutentakt scheitert. Mal aus Unwissenheit, mal aus Ignoranz oder Sturheit und mal nur, weil er krampfhaft versucht, den sozialen Regeln Folge zu leisten – ein moderner Schlemihl, wie die jiddische Literatur den Trottel nennt, der sich ständig in missliche Situationen bringt und wie er neben David auch von anderen Vertreter der jüdischen New Yorker Komiker-Szene verkörpert wird. Man denke an Woody Allen, in dessen Film „Whatever works“ (2009) David die Hauptrolle spielte, Mel Brooks oder den ehemaligen Stand Up-Comedian Richard Lewis, die beide wie viele weitere Gaststars in der Serie auftauchen und fiktive Versionen ihrer selbst spielen.

Improvisiert und dadurch großartig

Die Handlung bewegt sich innerhalb eines vom Drehbuch vorgegebenen Rahmens. Die Dialoge sind improvisiert und dadurch spontan, irritierend und großartig zugleich. Peinlich und garniert mit jeder Menge Schimpfwörtern.

Was aber passiert eigentlich? Nicht viel. Zum Finale der letzten Staffel verbannte Bürgermeister Michael Bloomberg den zwischenzeitlich zurückgekehrten Larry nach dessen Streit mit Michael J. Fox aus New York. Fünf Jahre später ist Larry wieder in Los Angeles. Er trifft auf seine Ex-Frau Sheryl und streitet mit Richard Lewis über dessen toten Papagei. Er legt sich mit Mitgliedern der LGBTQIA-Community an und parodiert den Ayatollah in Jimmy Kimmels Late Night Show. 

Larry ist immer noch ein unfähiger Narzisst. Wenn er in der ersten Folge der neuen Staffel seine Sekretärin nicht feuert, weil sie zwar inkompetent ist, aber auch unter einem lahmen Bein leidet, dann tut er dies nicht aus Nächstenliebe, sondern aus Sorge um seinen Ruf. Er versagt bei jedem Aufeinandertreffen mit einer Minderheit, aus Angst, als weißer, heterosexueller Mann nicht das richtige Maß an schlechtem Gewissen zu offenbaren. Larry wirkt rassistisch, homophob und unhöflich, weil er krampfhaft versucht, genau das zu vermeiden.

Man durchlebt den klassischen Larry-David-Moment

Das klingt nicht annähernd so witzig wie es ist – und das ist das Problem. Während eingefleischte „Seinfeld“ und „Curb“ Fans sich nur ein paar Wörter zuwerfen müssen, um die Erinnerung an den genialen Witz ganzer Folgen wachzurufen, ist es weitaus schwieriger, die Serie anderen Menschen nahezubringen. Dann passiert nämlich Folgendes: Man beginnt, Szenen nachzuerzählen, holt immer weiter aus, spürt dabei, dass man den Zuhörer verliert, weil der einen nur noch mit irritiertem Blick höflich anlächelt, versucht deshalb, noch verkrampfter die Pointe zu retten, was selbstverständlich nicht funktionieren kann und die Sache nur verschlimmert. Man durchlebt den klassischen Larry-David-Moment und spürt: Es ist viel lustiger, einem solchen als Zuschauer zu folgen – am besten auf Englisch.

Neue Folgen gibt es derzeit jeden Sonntag auf HBO und online auf HBO Nordic. In Deutschland voraussichtlich auf Sky Atlantic ab Frühjahr 2018.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Serien

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