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Nachruf auf Karsten Plog Rundschauler von der Waterkant

Karsten Plog ist tot – 25 Jahre lang berichtete er aus Hamburg und dem Norden für die Frankfurter Rundschau.

Karsten Plog
Karsten Plog. Foto: Kirsten Haarmann

Karsten Plogs Berichterstattung hat 25 Jahre lang die FR geprägt. Politisch abwägend, aber klar im Urteil waren seine Texte, menschlich und sozial entschieden, engagiert und oft auch kompromisslos. Hätte die FR einen Landeskorrespondenten für Hamburg und Norddeutschland erfinden müssen, er wäre ein Ebenbild Plogs geworden, hätte Karsten Plog eine Zeitung erfinden dürfen, sie wäre der FR zumindest sehr ähnlich gewesen.

In dem Vierteljahrhundert Arbeit für die FR bis zu seiner Pensionierung am 31. Juli 2003 hat Plog über praktisch jedes vorstellbare Thema aus dem Norden geschrieben, die meisten Texte vermutlich über Heide Simonis, den unangefochtenen Politstar aus seinem Berichtsgebiet. Plog und ich hatten, berufsbedingt, über lange Jahre eine Telefonbeziehung. Eine intensive Telefonbeziehung mit, über Jahre hinweg, fast täglichen Gesprächen. Hier der „Macher“ der Politik- und Nachrichtenseiten, derjenige, der den Reporter vor Ort anruft, Texte zu Themen bestellt, die sich aus der fernen Frankfurter Perspektive aufdrängen. Dort der Reporter, der manches Mal seufzte, wenn die schmale Frankfurter „Süd“-Sicht der Dinge immer und immer wieder bei Simonis oder ersatzweise Ole von Beust landet. „Schon wieder“, sagte Plog dann, machte sich aber (fast) jedes Mal pflichtbewusst an die Arbeit. Das waren die Gespräche, in denen man den zurückhaltenden, den ruhigen und abwägenden Plog am Hörer hatte.

Aber es ging auch anders, ganz anders: Wenn es um Themen ging, wie den rechten Hetzer Ronald Schill, der es in den letzten Jahren von Plogs Berufsleben noch zum Hamburger Innensenator gebracht hatte. Da packte den ansonsten so gelassenen Reporter schon mal der heilige Zorn, denn Ungerechtigkeit und Niedertracht konnte Plog nicht ertragen. Schikanen gegen afrikanische Asylbewerber, gegen kranke Osteuropäer, gegen Menschen, die in sozial prekären Umständen leben mussten – gegen die Schikanierer und für die Menschen trat Plog nachdrücklich und kompromisslos ein. In seinen Texten selbstverständlich, aber auch in den Telefonaten, in denen besprochen wurde, ob und wie lang die Stücke in der FR werden sollten. Manche Zeile, manchen Absatz hat er da herausgeschunden, die der bürokratische Planer am Frankfurter Ende der Strippe angesichts der vielen, ach so wichtigen Angebote aus dem Rest der Republik nur ungern herausrücken wollte.

Er kämpfte nicht nur journalistisch gegen menschliches Leid und für bürgerschaftliches Engagement. Gerade nach seiner Pensionierung setzte er persönlich in der Hamburger Bürgerstiftung in die Praxis um, wofür er als Journalist immer eingetreten war.

Ein Thema gab es für den gebürtigen Hannoveraner noch, den Mann von der Waterkant, das sich auch in Texten niederschlug, vor allem aber in Gesprächen: die See. Die Fische, die in ihr lebten, die Vögel, die von ihr lebten, die Schiffe, die auf ihr fuhren. Hatte irgendjemand eine Frage zu diesem Gebiet: Welcher Vogel könnte dies sein, wie lang braucht ein Tanker zum Bremsen, welchen Tiefgang hat ein Fischkutter, lebt in der Elbe der Aland? Die Antwort war immer: Ruf den Plog an, der weiß es sicher! Bei dieser Erinnerung fragt man sich, wie wir es so lange ohne ihn geschafft haben.

Am vergangenen Mittwoch ist Karsten Plog völlig überraschend gestorben.

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