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MSNBC Quote geht vor Seriosität

Warum der MSNBC-Moderator Keith Olberman seinen Job quittieren musste – und wenig später wieder auf Sendung ist.

08.11.2010 22:11
Sebastian Moll
MSNBC-Nachrichtensprecher Keith Olberman Foto: MSNBC

Es war ein eigenartiges Spektakel, das sich am Wochenende um den Nachrichtensprecher Keith Olberman abgespielt hat, ein bizarres neues Kapitel im immer absurderen Kampf der amerikanischen Fernsehstationen um Quoten sowie um ihren Platz in der Zukunft einer sich rapide verändernden Medienlandschaft.

Mit großer Fanfare kündigte der Kabelsender MSNBC am Freitag an, er werde Olberman, den Moderator seiner Primetime-Nachrichtensendung, ab sofort vom Dienst befreien. Der Grund: Olberman hatte während des Wahlkampfs um die Kongressmehrheit in der vergangenen Woche drei Kandidaten eine Summe von insgesamt 7200 Dollar gespendet. Stolz verkündete Olbermans Kollegin Rachel Maddow am Abend in ihrer Sendung, was MSNBC von der Konkurrenz abhebe: „Wir sind keine politische Organisation wie Fox. Wir sind eine Nachrichtenorganisation.“ Maddow spielte darauf an, dass der rivalisierende Sender Fox, der seit Jahren schamlos von rechtsaußen polemisiert, offen riesige Beträge in den Wahlkampf gepumpt hatte.

Trotz allem wirkte die Suspendierung von Olberman scheinheilig, denn die Sendungen von Olberman und Maddow sind ebenso parteiisch. Abend für Abend heizen sie die linksliberale Basis auf und sind dabei kaum weniger demagogisch als ihre Gegenüber auf Fox. Und dem Sender gefällt das – mit Hilfe von Olberman und Maddow hat MSNBC den traditionelleren Nachrichtensender CNN um Längen überholt und liefert Fox ein hartes Rennen um die Marktführerschaft.

Diese Scheinheiligkeit entging den Fans von MSNBC freilich nicht. Bis zum Sonntag hatten 275.000 Zuschauer eine Petition unterschrieben, Olberman sofort wieder einzusetzen. Der Senderchef Phil Griffin erhörte die Rufe. Am Montag gab er bekannt, dass Olberman am Dienstag wieder auf Sendung gehen darf. Der ohnehin kaum ernst zu nehmenden Versuch, MSNBC als objektive Nachrichtenquelle darzustellen, wurde einmal mehr zugunsten der Quote zurückgezogen. Dabei ist MSNBC ein Ableger des Free-TV-Schwestersenders NBC, der seit Jahrzehnten als Bastion der Ausgewogenheit und Seriosität im US-Fernsehen gilt.

Letztlich scheint dann aber doch die Quote wichtiger gewesen zu sein als das Renommee – zumal mit „seriösem“ Fernsehjournalismus in den USA ohnehin kein Staat mehr zu machen ist. „Die Idee des objektiven Journalismus erlebt gerade ziemlich stürmische Zeiten“, kommentierte die New York Times. „MSNBC hat mit Olbermans Rauswurf Standards angewendet, die einer anderen Ära angehören.“

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