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Mordanschläge Bangladesch Vorwurf: Blasphemie

Religiöse Extremisten begehen in Bangladesch Anschläge auf liberale Verleger, sie kündigen weitere Morde an Intellektuellen an.

Anti-westlicher Protest in Dhaka, hier gegen einen amerikanischen Film und einen französischen Cartoon. Foto: REUTERS

Schon wieder wurde in Bangladesch ein Intellektueller das Opfer religiöser Fanatiker. Der Verleger Faisal Arefin Dipan starb, nachdem Unbekannte ihn mit Macheten und Messern attackiert hatten. Sein Verbrechen: Er veröffentlichte Werke des Bloggers Avijit Roy, kritische Schriften über religiösen Extremismus. Im Februar wurde Roy in Dhaka ermordet. Am Samstag musste außerdem der Verleger Ahmed Rahim Tutul mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden, nachdem er und zwei Autoren angegriffen worden waren.

Für beide Attentate übernahm am Wochenende die Terrorgruppe „Al Kaida auf dem indischen Subkontinent“ die Verantwortung und drohte: „Unsere nächsten Ziele werden andere Schriftsteller, Dichter, Intellektuelle, Journalisten und Schauspieler sein“. Al Kaida behauptet, sie würden sich der Blasphemie schuldig machen. Zuvor hatte die Terrortruppe „Islamischer Staat“ (IS) die Verantwortung für Morde an Ausländern übernommen.

Der IS, Al Kaida, lokale Gruppen?

Aber Staatsoberhaupt Sheikh Hassina wehrt sich vehement gegen die Behauptung, internationale Terrornetzwerke wie IS und Al Kaida hätten in dem Land mit der boomenden Textilindustrie Fuß gefasst. Die Regierung macht vielmehr radikale lokale Gruppen verantwortlich und behauptet, den Verantwortlichen auf der Spur zu sein. Doch in Bangladesch geht in liberalen und intellektuellen Zirkeln längst Angst um.

Das Ergebnis einer ähnlichen Einschüchterung lässt sich gegenwärtig in Pakistan besonders gut studieren. Nach Jahren des Terrors wagt in dem Land kaum noch jemand öffentlich Kritik an Extremisten und ihren Unterstützern. Die Medien des Landes sind nach massiven Drohungen nicht einmal mehr bereit, die radikalislamischen Talibanmilizen mit Namen zu nennen.

In Bangladesch fürchten angesichts der nicht enden wollenden Mordserie die Intellektuellen des Landes eine ähnliche Entwicklung. Denn nicht nur Extremisten beschuldigen Blogger und Schriftsteller der Blasphemie. 2013 verhaftete die Polizei des Landes drei Blogger wegen „Verletzung religiöser Gefühle“. Verstöße gegen das Informationsgesetz hätten Anarchie verursacht.

Bangladesch führt zur Zeit eine Debatte über die Frage, ob das Land eine säkulare Nation oder ein islamischer Staat sei. Sie wurde von einem Kriegsverbrecherprozess angestoßen, mit der die dank Wahlbetrug amtierende Regierung von Sheikh Hasina gegen Mitglieder der Jamiat-e Islam-Partei vorgeht. Mehrere führende Mitglieder der islamischen Partei werden beschuldigt, an der Seite Pakistans am schmutzigen Krieg gegen Unabhängigkeitskämpfer wie Sheikh Mujibur Rahman, den Vater von Hasina, beteiligt gewesen zu sein.

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