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„Mord mit Aussicht“ „Man kriegt’s gebacken oder nicht“

Die Schauspielerin Caroline Peters, die Sophie Haas in der ARD-Serie „Mord mit Aussicht“, spricht im FR-Interview über ein Leben zwischen Burgtheater und Fernsehkrimi.

Caroline Peters (r.) als Regan in Luc Bondys „Lear“ an der Wiener Burg, 2007. Mit Andrea Clausen, Adina Vetter und Gert Voss. Foto: REUTERS

Frau Peters, im neuen Fernsehfilm „Ein Mord mit Aussicht“ steht Sophie Haas unter Mordverdacht. Hat die Polizistin eine dunkle Seite, die wir noch nicht kennen?

Viele wahrscheinlich. Allein in diesem Fall fällt der Verdacht aufgrund einer Verkettung misslicher Umstände auf sie. Das hat weniger mit ihrem Charakter zu tun als mit der – wie heißt das im Krimi? – Indizienlage. Man kann gar nichts anderes vermuten angesichts der Situation, in der sie aufgefunden wird: Der Tote neben ihr ist ihr Widersacher aus der Kölner Kripo, der dafür gesorgt hat, dass sie ihren Job nicht wiederbekommen hat.

Sie würden Sophie Haas keinen Mord zutrauen?

Sophia Haas hat ja eine blühende Fantasie, und im Traum würde sie sicher jederzeit einen Mord begehen und denjenigen auch noch ausgiebig foltern. In der Realität halte ich sie dann aber doch für weniger gewaltbereit.

Haben sich eigentlich mal Bürgermeister über das Bild beschwert, das in der Reihe „Mord mit Aussicht“ von der Eifel gezeichnet wird?

Nein, im Gegenteil. Das wurde dort eher positiv aufgenommen. Es gibt ja auch verschiedene Orte, wo die Serie Public-Viewing-mäßig geschaut wird. Und wir selbst fanden ohnehin von Anfang an, dass wir die Eifeler sehr positiv porträtieren: Als sehr eigenwillige, charakterstarke und gemütvolle Menschen.

Ihr Vater Uwe Henrik Peters hat die Kölner Psychiatrie geleitet. Half Ihnen dieser familiäre Hintergrund, sich in den alltäglichen Wahnsinn einer deutschen Amtsstube einzufühlen?

Reinfühlen kann man sich da gar nicht. Aber man kann es gut beobachten. Ich habe gelernt, das zu beobachten und zu beschreiben, vielleicht es auch nachzuahmen.

Welche Figur aus „Mord mit Aussicht“ würde denn Sie persönlich am ehesten in den Wahnsinn treiben?

Ganz sicher Heike Schäffer, die würde mich wahnsinnig machen, wenn die jeden Tag mit ihrem Schnittchenkorb ankäme.

Sie gehören zum Ensemble des Wiener Burgtheaters. Welche Welt ist Ihnen fremder: Die Fernseh-Eifel oder die von Anton Tschechow?

Da ist mir die Eifel tatsächlich fremder. Tschechow ist zwar über einhundert Jahre her, aber die Probleme der Figuren verstehe ich besser. Das sind irgendwelche Ärzte und Halbintellektuellen, die über das Leben nachdenken, während in der Eifel das neue Gyros-Suppenrezept und die Frage, ob das Wurstbrot mit einer oder zwei Scheiben belegt werden soll, die Themen sind.

Worin besteht der größte Unterschied zwischen Fernseh- und Theaterarbeit?

Der größte Unterschied besteht darin, dass man beim Theater seinem Publikum wirklich live ausgesetzt ist. Da gibt es keine Quote und keine Redakteure, die diese Quote so oder so interpretieren oder haben wollen und trotzdem dies oder das entscheiden. Sondern da steht man als Schauspielerin mit seinen Zuschauern, mit seinen Juroren, in einem Raum und kriegt’s oder kriegt’s nicht gebacken.

Fühlen Sie sich im deutschen Fernsehen heimisch?

Ja, ich bin gut reingekommen. Wir hatten bei „Mord mit Aussicht“ ein tolles Team, das waren alles Superleute, und wir hatten das große Glück, die ganzen sieben Jahre dasselbe Team um uns zu haben. Das war sehr familiär.

Sie sprechen in der Vergangenheitsform. Geht’s nicht mehr weiter mit der Serie?

Das wissen wir noch nicht. Der WDR will da in eine kreative Pause gehen, und man kann ja tatsächlich mal darüber nachdenken, wie man so ein Format weiterentwickelt. Auf dem Seriensektor hat sich in den letzten fünf Jahren so viel getan, und dafür, das einfach weiter durchzuziehen, sind wir zu ehrgeizig und unsere Zuschauer, glaube ich, auch. Ich habe das Gefühl, wir haben sehr anspruchsvolle Zuschauer. Dem will man gerecht werden. Ich halte so eine Pause deshalb für sehr gerechtfertigt und hoffe, dass ein paar gute Ideen bei herauskommen – vielleicht ein Spin-off oder es geht weiter mit solchen 90-Minütern oder was auch immer. Da muss man jetzt ganz offen sein.

Hatte der Erfolg der Serie auch etwas Erschreckendes – Sie werden ja nun häufig auf der Straße erkannt?

Das passiert recht oft, hat aber nichts Erschreckendes, weil mich bisher nur ausgesucht freundliche und interessierte Menschen angesprochen haben.

Sie leben hauptsächlich in Wien. Ist die Serie dort ebenfalls bekannt?

Ja, die lief im ORF und wurde in Österreich sehr goutiert und überrascht aufgenommen, weil es hier ja einen gewissen Vorbehalt gegen die Deutschen gibt und vor allem gegen deutschen Humor. Deutsch und Humor, das geht in der Vorstellung der Österreicher gar nicht zusammen, und ich bin sehr stolz darauf, dass wir dieses Vorurteil mal durchbrechen konnten.

Wie erklären Sie sich denn den großen Erfolg der Reihe insgesamt?

Einerseits denke ich, dass der Humor von „Mord mit Aussicht“ etwas Besonderes ist. Da gibt es nicht viel Konkurrenz in der deutschen Fernsehlandschaft, weil er sich mehr auf Charaktere und Situationen bezieht und weniger auf „Comedy“. Das andere ist sicherlich, dass es so ein weites Spektrum an Figuren gibt, bei denen man sich zu Hause fühlt. Was mir oft erzählt wird: Die ganze Familie schaut zu. Die Kinder mögen es gerne, die Teenager, die Eltern, und die Großeltern mögen es auch. So was gibt es nicht mehr häufig in einer Zeit, in der im Fernsehen alles immer auf Alters- und Zielgruppen zugeschustert wird.

Interview: Michael Kohler

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