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Mörderische Idylle

Rache verjährt nie: Ein düsterer Krimi in der lieblichen Landschaft der Insel Gotland

19.12.2008 00:12
TILMANN P. GANGLOFF

Der Erfolg der zehnteiligen Filmreihe "Kommissarin Lund" im ZDF hat noch mal deutlich vor Augen geführt, wie gut hierzulande skandinavische Krimis ankommen. Mit "Der Kommissar und das Meer" versucht das ZDF, die beiden Stile zu vereinigen: hier die gelassene Erzählweise der Nordeuropäer, die ihre grausamen Morde gern vor ausgesucht idyllischem Hintergrund begehen lassen; dort die deutsche Tradition des Kommissars als emotionales Zentrum der Geschichte.

Walter Sittler passt als eingeheirateter Ermittler perfekt in dieses Ensemble aus Landschaft, Meer und Verbrechen, zumal Hauptkommissar Robert Anders im Gegensatz zu seinen meisten deutschen Kollegen als Refugium eine Familie hat. Dass die Schwedin Mari Jungstedt ihre Romane ausgerechnet auf dem malerischen Gotland angesiedelt hat, ist ähnlich tückisch wie die Idee, die schöne Bodenseeregion zum "Tatort" zu machen; doch kann der SWR bei bei den ZDF-Krimis aus Schweden lernen, wie man den Kontrast zwischen Schauplatz und Verbrechen auf die Spitze treiben kann.

Auch in "Sommerzeit" ereignen sich die Todesfälle aus buchstäblich heiterem Himmel. Die verschiedenen Gewalttaten haben jedoch eine Vorgeschichte: im Prolog tummeln sich zwei Schwestern, beide um die 15 Jahre alt, am Strand. Sie feiern den Geburtstag des älteren Mädchens mit viel Alkohol; am nächsten Tag wird es tot aus dem Meer gefischt. In einer Einstellung von schockierender Brutalität nimmt sich kurz drauf der Vater der beiden das Leben: die entsetzte Tochter muss den Suizid mit ansehen.

Ein skrupelloser Arzt

Viele Jahre später sucht Anders nach dem Mörder eines Sprengmeisters. Der Tote war morphiumsüchtig und hat das Schmerzmittel offenbar auch in großem Stil geschmuggelt. Sein Kompagnon ist ein Arzt, der seine Patienten vorsätzlich in die Abhängigkeit getrieben hat. Kurz drauf ist der Doktor ebenfalls tot, und Anders steht vor einem Rätsel, bis er ein altes Foto mit den beiden Männern findet. Aber wer hat es aufgenommen?

Dank Bildgestaltung (Natalie Wiedemann), Regie (Anno Saul) und einer Romanadaption (Henriette Piper, Peter Petersen), die den Stil der Jungstedt-Vorlagen respektiert, sich aber trotzdem von den Büchern emanzipiert, ist auch "Sommerzeit" ein dicht erzählter, sehenswerter Krimi. Die Zwischenspiele mit Anders' Mutter (Nicole Heesters) dienen zwar nicht der Wahrheitsfindung, sorgen aber für heitere Momente, in denen der Krimi neue Spannung aufbaut.

"Der Kommissar und das Meer: Sommerzeit", ZDF, 20.15 Uhr.

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