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#miomiogate „Bild“ stolpert über „Titanic“-Fake

Seit Wochen fährt die „Bild“-Zeitung eine Kampagne gegen die SPD-Mitgliederabstimmung zur Großen Koalition. Dabei ist sie einem Fake des Satire-Magazins „Titanic“ aufgesessen.

Titanic vs. Bild
Das Satire-Magazin Titanic feiert sich für einen gelungenen Coup. Foto: Thomas Hintner/TITANIC

Seit Wochen fährt die „Bild“-Zeitung eine einzigartige Kampagne gegen die SPD-Mitgliederabstimmung zur Großen Koalition. „Ausländer dürfen über deutsche Regierung abstimmen“ titelte das Blatt Anfang Februar und zitierte einen Staatsrechtler, der das Verfahren für „höchst fragwürdig“ hält. Der Aufreger: Abstimmen darf, wer SPD-Mitglied ist, das heißt, im Zweifel treiben minderjährige Syrer Deutschland in die Neuwahlen.  

Da hat die „Bild“ also schon einmal den Sündenbock ausgemacht, auf den dreschen kann, wem das Abstimmungsergebnis am 4. März nicht genehm ist. Doch dabei belässt es die Zeitung nicht. Nicht nur der Ausländer darf bei der SPD wählen, sondern auch ein Hund: „Geht bei der Mitgliederabstimmung der SPD alles mit rechten Dingen zu? Oder ist Manipulation möglich? BILD enthüllt: Sogar ein Hund wurde ganz offiziell SPD-Mitglied, darf jetzt mit über die GroKo abstimmen!“, echauffierte sich das Blatt, das hier ganz investigativ eine Möglichkeit zur Abstimmungsmanipulation ausgedeutet haben will. Dass Springer die Leute erst auf diese Idee gebracht haben könnte – geschenkt.  Und dass das bei anderen Parteien wie beispielsweise der Union und den Grünen nicht anders ist - ebenfalls geschenkt.

„Neue Schmutzkampagne bei der SPD!“

Der Kampagnencharakter gegen dieses basisdemokratische Instrument der SPD wurde noch verstärkt durch die Enthüllung einer „Neuen Schmutzkampagne bei der SPD!“ Hier ging es um „brisante Mails“  zwischen „Juso“-Chef Kevin Kühnert und einem gewissen Juri. Kühnert soll für seine „No-Groko“-Initiative Hilfe aus Russland bekommen haben. Juri  habe seine Dienste in puncto Social Media angeboten und eine ordentliche Meinungsmache versprochen.

„As long as it looks like the Jusos paid for the ads, I’m not worried. Kev“, heißt es an einer Stelle, der  Mail-Verkehr von @jusos.de liege der Zeitung vor. Die Jusos reagierten sofort und wiesen die Vorwürfe zurück.  Mit dieser Adresse könne man gar keine Nachrichten versenden, so ein Juso-Sprecher.

Damit hätte die Geschichte eigentlich erledigt sein müssen, doch „Bild“-Autor Filipp Piatov ließ sich von solcherlei Nebensächlichkeiten nicht beirren: „Wer steckt hinter Mail-Kampagne gegen Juso-Chef?“ Der „Cyber-Security-Professor“ Timo Kob bestätigte dem Blatt tatsächlich, dass der Verfasser der @jusos.de-Mails wahrscheinlich jemand mit Zugang zum SPD-System sei. Und Piatov konstruierte sich eine weitere „Spur“ zurecht. Ist ihm der Logik-Bruch tatsächlich nicht aufgefallen, oder geht halt einfach nichts über eine gute Story?

Am 21. Februar jedoch meldete das Satire-Magazin „Titanic“ Vollzug. Die „Bild“ sei einem Fake aufgesessen und der Schriftverkehr   von „Titanic“-Internetredakteur Moritz Hürtgen lanciert worden. Mindestens „drei Stunden Arbeit“ hätten im Verfassen der Mails gesteckt. Chefredakteur Tim Wolff äußerte sich der FR gegenüber zur Causa wie folgt: „Wir hatten das als Versuch angelegt, in diesen schwierigen Zeiten für Print, eine strategische Partnerschaft mit "Bild" einzugehen. Und man muss sagen: Satire-Sauhund Julian Reichelt und seine Leute haben es drauf!“

Auch die „Bild“-Zeitung war auf FR-Nachfrage zu folgender Stellungnahme bereit: „Die Echtheit der uns anonym zugestellten E-Mails haben wir immer deutlich in Frage gestellt und journalistisch eingeordnet: ‚Für die Echtheit gibt es keinen Beweis‘ (BILD, 16.2.2018). Auslöser unserer Berichterstattung war die Ankündigung der SPD, Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Wir sind gespannt, ob die SPD diese nun gegen Titanic richten wird.“ 

 

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