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Minister will klagen

"Polnisches KZ": Welt entschuldigt sich

27.11.2008 00:11

Berlin. Der Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt, Thomas Schmid, hat sich für die Bezeichnung des ehemaligen Konzentrationslagers Majdanek als "polnisches Konzentrationslager" in der Welt vom Montag entschuldigt. "Es ist mir und der Redaktion sehr wohl bekannt und bewusst, dass das Konzentrationslager Majdanek kein polnisches, sondern ein deutsches Konzentrationslager war", schreibt Schmid in der Welt vom Mittwoch. Der polnische Vize-Außenminister Ryszard Sznepf kündigte am Mittwoch in der polnischen Zeitung Dziennik an, trotz der Entschuldigung gegen das Blatt klagen zu wollen.

Seine halbe Familie sei in Konzentrationslagern durch die Hand der Nationalsozialisten gestorben, sagte Sznepf. Die Entschuldigung nehme er zur Kenntnis, rücke aber von einem Prozess nicht ab: "Es geht darum, dass die Deutschen ihre Geschichte kennen." Ebenfalls in der Dziennik erschien ein Interview mit der Journalistin Miriam Hollstein, die den Artikel geschrieben hatte. Sie bedaure den Fehler sehr und habe den Lesern lediglich vermitteln wollen, wo sich Majdanek befinde, sagte sie. Sie verwies darauf, dass die ältere, mittlere und jüngere Generation in Deutschland wisse, dass die Konzentrationslager von den Nationalsozialisten geführt worden seien. In dem Text war von dem "ehemaligen polnischen KZ Majdanek" die Rede gewesen. Die Dziennik gehört wie die Welt zum Axel-Springer-Verlag.

Schmid schreibt in der Welt, Majdanek sei eines der zahlreichen deutschen Konzentrationslager auf polnischem Boden gewesen. "Die ungeheuren Verbrechen, die dort begangen wurden, sind deutsche Verbrechen, die Verantwortung dafür trägt einzig und allein Deutschland." Er bedaure es, dass die Zeitung mit der zitierten Wendung zu beträchtlicher Unruhe und Sorge in Polen beigetragen habe. Zudem verstehe er gut, dass die Formulierung Verbitterung auslöse und nicht geeignet sei, das in mancher Hinsicht noch immer angespannte Verhältnis zwischen den Ländern zu verbessern. epd

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