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„Meine Schwester“, ARD Großes Familientreffen

Die Hörbiger-Schwestern Christiane und Maresa in einem Film, den der Sohn und Neffe sich ausgedacht und inszeniert hat.

21.02.2013 20:21
Sarah Mühlberger
Schwestern unter sich: Maresa (l.) und Christiane Hörbiger. Foto: ard

Es war unglaublich kalt“, sagt Sascha Bigler, wenn man ihn danach fragt, was ihm von den Dreharbeiten zu „Meine Schwester“ besonders in Erinnerung geblieben ist. So weit nicht ungewöhnlich, der Februar ist auch in Wien oft frostig, und nächtliche Außendrehs bei Minusgraden sind nun einmal unangenehm, da würden ihm wohl viele Regisseure beipflichten. Die wenigsten von ihnen haben es jedoch mit einer Hauptdarstellerin zu tun, deren größte Sorge der Kleidung ihres Regisseurs gilt, ob sie nicht zu leicht ist, ob er nicht vielleicht friere. Allerdings arbeiten auch nur die wenigsten Regisseure mit ihrer eigenen Mutter zusammen.

Dass es Bigler, der auch das Buch zu „Meine Schwester“ geschrieben hat, bei seinem Erstlingswerk als Regisseur um moralische Unterstützung ging, ist unwahrscheinlich. Seine Mutter ist keine Geringere als die heute 74-jährige Christiane Hörbiger, verständlich also, dass er gern mit ihr arbeiten wollte – „aber weil sie eine gute Schauspielerin ist und nicht, weil es Mutti ist“. Dann schiebt er noch einen sehr ehrlichen Satz hinterher: „Und, let’s face it: Sie bringt Quote.“ Tatsächlich schalteten viele Zuschauer ein, als der ORF den Film – übrigens schon im Oktober 2011 – ausstrahlte.

Die Österreicher haben natürlich auch ein ganz besonders inniges Verhältnis zur großen Hörbiger-Familie, und die ist im Film nicht nur durch das Mutter-Sohn-Duo vertreten. Die zweite Hauptrolle spielt Biglers Tante Maresa, Christiane Hörbigers sechs Jahre jüngere Schwester, die in der Vergangenheit vor allem als Theaterschauspielerin von sich reden machte.

So war es auch das erste Mal, dass die beiden Schwestern zusammen vor der Kamera standen. Im Film spielt Maresa Hörbiger die mondäne, unterkühlte Hannah, während Christiane Hörbiger ihre verhuschte, großherzige Schwester Katharina gibt. Katharina führt ein Geschäft für Filmdevotionalien in der Wiener Altstadt, ist umgeben von Plakaten, Autogrammkarten und Requisiten, lebt und liebt die Vergangenheit. Umso brutaler erscheint ihr Vermieter, der sie aus dem Laden ekeln will. Die Lage erscheint zunehmend aussichtslos, als plötzlich ihre totgeglaubte Schwester Hannah in der Tür steht. Im Unterschied zu ihr zwar nicht gerade euphorisch ob des Wiedersehens, aber Hauptsache wiedervereint, denkt sich Katharina.

Plötzlich gibt es eine Leiche und auch eine Verdächtige; ein trinkender Kommissar (August Zirner) ermittelt und weckt zugleich Begehrlichkeiten, aber wer jetzt wann die Wahrheit spricht, wird immer unklarer, vor allem für den Zuschauer. „Meine Schwester“ ist ein untypischer ARD-Degeto-Film geworden, der mehrmals das Tempo und den Ton wechselt, heiter und gemächlich beginnt, einen spannenden Mittelteil hat, bevor er düster und fast beklemmend wird. Vor allem aber hat „Meine Schwester“ einen sehr schönen Clou, der hier unmöglich verraten werden kann.

Man kann sich jedenfalls gut vorstellen, was Sascha Bigler meint, wenn er über die Entstehungsgeschichte des Film erzählt: „Die Degeto hat uns jetzt nicht gerade die Tür eingerannt, dafür ist die Geschichte wohl zu sperrig.“ Fraglich ist, ob der Film ohne die beiden Hörbiger-Stars überhaupt eine Chance gehabt hätte.

Ihr Zusammenspiel ist natürlich besonders interessant anzusehen, gerade die Szenen, in denen sie sich leidenschaftlich anschreien und beschimpfen. Im echten Leben sei ihre Schwestern-Beziehung weitaus harmonischer, versichern beide, vermutlich merkt man gerade deswegen, wie viel Spaß ihnen das Familientreffen gemacht hat. „Wir haben’s extrem lustig gehabt miteinander“, erinnert sich Bigler.

Auch die ältere Hörbiger-Schwester, Elisabeth Orth, ist mit von der Partie, wenn auch nur als Foto im Devotionaliengeschäft. Überhaupt wimmelt es im Film nur so von Mitgliedern der Familie Hörbiger: Sie sind auf Autogrammkarten abgebildet, laufen als Statisten durchs Bild, andere waren an der Nachvertonung beteiligt. Seinen Cousin Cornelius Obonya besetzte Sascha Bigler in einer Nebenrolle als Polizisten. In jeder anderen Familie würde man systematische Gefälligkeiten vermuten. Nur sind die meisten Familien auch nicht ganz so talentiert wie diese.

Meine Schwester, 20.15 Uhr, ARD.

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