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Mehmet Göker Porsche, Provisionen und Angstschweiß

Mit 25 Jahren hat der Versicherungsunternehmer Mehmet Göker seine erste Million verdient - mit umstrittenen Methoden. Sieben Jahre später ist seine Firma pleite und Göker mit 21 Millionen Euro verschuldet. Eine Dokumentation schildert die rasante Karriere des großen Blenders Göker.

04.06.2012 14:04
Klaudia Wick
Mehmet Göker (li.) musste sich wegen Bedrohung und Beleidigung vor Gericht verantworten. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Die Vertriebsidee war simpel und ließ sich von Mamas Wohnung aus in die Tat umsetzen: Statt wie andere Versicherungsvertreter wahllos das Telefonbuch abzutelefonieren, schaltete Mehmet Göker einfach Anzeigen bei Google. Wer dort „private Krankenversicherung“ eingab, wurde auf die Möglichkeit eines Versicherungsvergleichs aufmerksam gemacht. Wer das Formular mit seinen persönlichen Daten ausfüllte, wurde direkt in Mehmet Gökers Kinderzimmer weitergeleitet.
Mit 25 Jahren hatte Göker so seine erste Million verdient. Sieben Jahre später war seine Firma pleite. Der Insolvenzverwalter summierte 21 Millionen Euro Schulden. Für rund 1000 Mitarbeiter war es das abrupte Ende eines Lebens auf der Überholspur.
Bereits 2006 interessierte sich der Filmemacher Klaus Stern für „die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker“, so der Untertitel seines Films. Schon damals steckte Gökers „Strukturvertrieb“ in Strukturschwierigkeiten. Der Firmeninhaber verkaufte Stern sein Leben trotzdem als ungebremste Erfolgsstory. Der Ex-Fußballprofi Zoran Zeljko beschreibt die Sogkraft von Gökers System: „Man kommt da rein und denkt: Das kann ja gar nicht sein! Und dann ist man selbst Teil davon.“ Dem Porsche vor der Tür und den Incentivereisen in Luxushotels standen Überwachungskameras in den MEG-Büros und tägliche Erfolgsstatistiken gegenüber. „Alle trugen teure Anzüge“, so Zeljko, „und haben gut gerochen“, aber nicht selten überdeckte das teure Rasierwasser nur den Angstschweiß, mal wieder die hohen Abschlussvorgaben nicht erfüllt zu haben.

MEG lebt auf Pump

Immer neue Abschlüsse mussten her, weil die MEG auf Pump lebte. Es ist mit Händen zu greifen, dass die Vertriebler um der Provisionen willen Abschlüsse um jeden Preis erzielten. Mehr interessiert sich Stern aber für die menschliche Verführung, die dem Blender Göker für ein paar Jahre bei Geschäftspartnern wie Mitarbeitern so grandios gelang. Zum Höhepunkt des Films wird eine Szene, in welcher der Chef seine Getreuen fragt: „Möchtest du ein Leben lang dein Blut, dein Herz, deine Seele für diese Firma teilen?“

Wer Ja sagte, erhielt einen Siegelring und folgte der Firma alsbald in den Ruin. Aber nicht dem Chef. Der verkauft heute an der Ägäisküste wieder Versicherungen – als Angestellter seiner Mutter, die in der Türkei die „Göker Consulting“ aufgemacht hat.


Versicherungsvertreter, 22.45 Uhr, ARD

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