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Medienaufsicht rügt RTL Pädophilie-Beitrag löste Lynchjustiz aus

RTL bringt einen Magazinbeitrag über Pädophile und verpixelt einen angeblich Verdächtigen nur unzureichend. Die Folge ist ein Lynchangriff. Jetzt rügt die Medienaufsicht.

RTL
RTL ist davon überzeugt, der journalistischen Sorgfaltspflicht nachgekommen zu sein. Foto: Imago

Ein RTL-Magazinbeitrag über Pädophile, der einen Lynchangriff auf einen Unschuldigen ausgelöst hat, ist jetzt von den Medienaufsichtsbehörden beanstandet worden. Der Sender habe einen angeblich Verdächtigen unzureichend verpixelt und damit gegen journalistische Grundsätze des Rundfunkstaatsvertrags und des deutschen Pressekodexes verstoßen, entschied die „Kommission für Zulassung und Aufsicht“ (ZAK) der deutschen Landesmedienanstalten auf einer Sitzung in Bremerhaven. 

Wie bereits berichtet, hatte der Kölner Privatsender in einem Beitrag über Kinderschänder einen angeblich Verdächtigen und seinen mutmaßlichen Wohnsitz gezeigt. Dabei wurden seine obere Körperhälfte sowie die Klingelleiste des Wohnblocks unkenntlich gemacht. Eine Gruppe von Bremer RTL-Zuschauern glaubte dennoch, den Verdächtigen identifiziert zu haben, und überfiel ihn an dessen Wohnungstür. Der 50-Jährige war aber nicht der von RTL gezeigte Mann – und auch dieser hat sich inzwischen nach Polizeiangaben als unschuldig erwiesen. Der zusammengeschlagene 50-Jährige schwebte zeitweise in Lebensgefahr.

Unzureichende Verpixelung ist „einfacher Verstoß“ 

Eine Sprecherin der Bremischen Landesmedienanstalt sagte am Mittwoch auf Nachfrage der FR, unzureichende Verpixelung gelte nur als „einfacher Verstoß“ und werde deshalb nicht mit einem Bußgeld geahndet, zumal der Sender nicht vorsätzlich gehandelt habe. Er müsse lediglich eine Verwaltungsgebühr zahlen, die 250 bis 5000 Euro betragen könne. 

Ob RTL gegen die Beanstandung Rechtsmittel einlegt, wollte ein Sprecher am Mittwoch noch nicht sagen. Der Sender wolle zunächst die genaue Begründung der ZAK abwarten. „Ungeachtet dessen sind wir weiterhin überzeugt, unserer journalistischen Sorgfaltspflicht in vollem Umfang nachgekommen zu sein.“ Außerdem wies der Sprecher auf die „große Bedeutung investigativer Recherche“ hin. Diese Methode habe früher bereits dazu geführt, dass die Polizei einen Pädophilenring habe ausheben können.

Nach Ansicht der Medienaufseher besteht in solchen Fällen zwar durchaus ein „Berichterstattungsinteresse“, doch entbinde dies den Sender nicht davon, „gerade bei diesem sensiblen Thema die Persönlichkeitsrechte von gezeigten Personen zu wahren“.

Gegen die mutmaßlichen Schläger wird wegen versuchten Totschlags ermittelt. Insgesamt sollen sich bis zu zehn Männer an dem Selbstjustiz-Überfall beteiligt haben. Gleich nach der Gewalttat entfernte der Sender den Filmbeitrag aus seinem Online-Auftritt, wies aber schon damals jede Schuld zurück.

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