Lade Inhalte...

Medien Auch Israel möchte Al Dschasira zensieren

Israels Premier Netanjahu wirft dem Sender Al Dschasira „Aufwiegelung“ vor. Gerne würde er den Sender in seine Schranken weisen, aber so leicht kann dieser nicht abgeschaltet werden.

Al Dschasira
Im Jerusalemer Büro von Al Dschasira. Foto: afp

Es war ein Affront, den Israels Kommunikationsminister Ayoub Kara am Sonntag in eigens angekündigter Pressekonferenz verkündete. Man wolle es den Saudis und anderen arabischen Staaten nachtun, tönte er, und Al Dschasira, dem Nachrichtensender aus Katar, einen Riegel vorschieben. Von Premier Benjamin Netanjahu, der bei allem, was Medien anbelangt, die Fäden zieht, erhielt Kara prompt großes Lob. „Entsprechend meiner Anweisungen“, twitterte Netanjahu, habe der Minister „einige praktische Schritte eingeleitet, um die von Al Dschasira betriebene Aufwiegelung zu stoppen.“

Nur, ganz so einfach, wie sich die beiden das vorgestellt hatten, funktioniert es nicht. Mal abgesehen davon, dass Einschnitte in der Pressefreiheit dem Image Israels, einem Land, das sich rühmt, die einzige Demokratie im Nahen Osten zu sein, nicht eben bekommen. Die Akkreditierung lasse sich nur entziehen, wenn Journalisten nach Einschätzung der zuständigen Dienste die nationale Sicherheit gefährdeten, teilte Nitzan Chen, Direktor des Government Press Office (GPO) mit. Und selbst dann sähen die Regularien eine Anhörung der Betroffenen vor.

Die israelischen Kabel- und Satellitengesellschaften wiederum müssen erst prüfen, ob sie Al Dschasira aus dem Angebot nehmen. Die meisten Zuschauer hat der Sender allerdings hierzulande unter arabischen Israelis. Und die empfangen ihn wie Dutzende andere arabische Programme über eine private Satellitenschüssel auf dem Dach.

Al Dschasira genießt eine Sonderstellung

Al Dschasira freilich genießt eine Sonderstellung, schon wegen seiner Reichweite und seiner Vielzahl an Korrespondenten, und kann mit den Giganten im Geschäft wie BBC und CNN mithalten. So kritisch der Sender, der sowohl einen arabischen als auch einen englischen Kanal besitzt, etwa über den israelisch-palästinensischen Konflikt berichtet – am Werk sind journalistische Profis. Minister Kara habe bei seinen Anwürfen nicht einen substanziellen Vorwurf machen können, dass das Büro in Jerusalem unprofessionell arbeite oder gar, wie von ihm behauptet, Terror unterstütze, nahm die Sendezentrale in Doha Stellung. „Merkwürdig und einseitig“ sei vielmehr Karas Verweis auf andere arabische Staaten wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Ägypten und Jordanien, die im Juni nach Abbruch ihrer Kontakte zu Katar auch den von dort ausstrahlenden Sender blockiert hatten.

US-amerikanisches Komitee warnt vor Zensur

Jedenfalls will das Netzwerk gegen den israelischen Bann mit allen rechtlichen Schritten vorgehen. Rückendeckung erhielt es von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die von einem „dreisten Angriff auf die Medienfreiheit“ sprach. Ebenso deutlich warnte das US-amerikanische Komitee zum Schutz von Journalisten vor dem Versuch, Al Dschasira zu zensieren. Damit würde Israel sich dem regionalen Lager „der ärgsten Feinde der Pressefreiheit“ zuordnen.

Kara sieht das anders. Angesichts all der arabischen Staaten, die Al Dschasira für ein Werkzeug der Islamisten hielten, sei es doch „aberwitzig“, wenn Israel da nicht mitziehe. Tatsächlich kommen bei Al Dschasira Vertreter von Hamas, Hisbollah oder dem „Islamischen Staat“ zu Wort. Allerdings werden ebenso Interviews mit Israelis aus dem gesamten politischen Spektrum, inklusive Regierungsmitgliedern, geführt.  Lange Zeit wusste es auch Israel zu schätzen, über Al Dschasira seinen Standpunkt ungefiltert der arabischen Welt präsentieren zu können. Doch nun tun sich für Netanjahu neue Allianzen auf, die er über diskrete Gesprächskanäle zu den Saudis einzufädeln versucht. Sein Schuss vor den Al Dschasira-Bug war ein Signal, nicht nur in Bezug auf Iran, sondern auch in der Katar-Frage auf gleicher Seite zu stehen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Israel

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum