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Mediathek Der Tatort ist noch immer nicht drin

Fast vollzählig bieten ARD und ZDF ihre Nachrichten, Talkshows und Ratgeber- wie Magazinsendungen auf Mausklick an. Doch einige Sender stellen bis heute nicht alles ins Netz. Von Daniel Bouhs

11.05.2009 00:05
DANIEL BOUHS
Standbild aus dem Maus-Erklärstück zur Mediathek mit Armin Maiwald von der Sendung mit der Maus als "Fremdenführer" durch die ARD Mediathek (Archivbild). Foto: SWR

Na, gestern den "Tatort" mit Lena Odenthal verpasst? Fans der ARD-Reihe, über die der Philosoph Norbert Bolz neulich sagte "Wer lange genug den Tatort sieht, wird ein guter Deutscher - ohne jeden Ethik-Unterricht", gehen leer aus, wenn sie den Krimi nicht im Fernsehen eingeschaltet oder aufgezeichnet haben. Denn die ARD und ihr Erstes Programm halten sich zwar seit genau einem Jahr im Internet eine Mediathek, in der jeder Sendungen nachschauen kann. Doch der "Tatort" fehlt dort noch immer.

Die Chefin von DasErste.de, Ingrid Günther, würde die Krimi-Reihe gerne in ihre Mediathek einspeisen. Sie darf das aber nicht. Günther sagt, die Krimi-Reihe sei "ein besonders komplexes Thema", weil da jede der neun ARD-Sender mitmische. Heißt konkret: Je nachdem, wo der Krimi spielt, gibt ihn eine andere Landesrundfunkanstalt in Auftrag - und ist damit auch für die Rechte im Netz zuständig.

Was Günther nicht sagt, ist dennoch bekannt: Einige ARD-Sender wollen bisher nicht, dass der "Tatort" für jedermann abrufbar in der Mediathek steht. Die Befürchtung: Dann würden weniger Menschen die Wiederholungen des "Tatorts" in den Dritten einschalten. Die aber sind eine Garantie für hohe Quoten. Außerdem ist eine DVD-Reihe des "Tatorts" im Gespräch. Das ist bisweilen grotesk: Ein Format, das bei den Gebührenzahlern mit den größten Zuspruch erhält, wird ihnen auf den Portalen vorenthalten, für die die Allgemeinheit ebenso zahlt.

Der "Tatort" ist aber auch eine Sache für sich, quasi ein internes Problem der ARD, bei dem gerade Bewegung in die Sache kommt, wie zu hören ist. Viele andere Sendungen speisen die Sender inzwischen in ihre Mediatheken, ob in der des Ersten, der von ARD.de oder den eigenen Seiten von NDR & Co. Auch die übrigen Sender ziehen mit, allen voran das ZDF, Arte und RTL. Das Abruf-Fernsehen funktioniert damit immer besser.

Fast vollzählig bieten ARD und ZDF etwa ihre Nachrichten, Talkshows und Ratgeber- wie Magazinsendungen auf Mausklick an, auf dem Portal "RTL now" warten wiederum fast alle Serien des größten deutschen Privatsenders auf Zuschauer - manches kostet ein paar Euro, vieles aber ist kostenfrei.

Bei Serien und Spielfilmen hinken Öffentlich-Rechtliche den Privaten jedoch hinterher, vor allem Spielfilme bleiben Mangelware. Das mag den Zuschauer ärgern, hat aber nachvollziehbare Gründe. "Wir verhandeln noch immer sehr grundsätzliche Dinge", sagt etwa der Digital-Stratege des ZDF, Robert Amlung. Konkret fehlen häufig Online-Rechte für die in Filmen und Serien hinterlegte Musik oder eingesetzte historische Filmsequenzen. ARD und ZDF streiten zudem noch mit Produzenten darüber, wie viel Geld die dafür bekommen, dass Sendungen auch im Netz laufen.

Günther spricht von einem "Zeitfaktor, den wir aussitzen müssen". Amlung sagt, er wage "keine Prognose darüber, wie lange es dauern wird, bis wir Lösungen gefunden haben, die zu den verschiedenen Urheberrechten passen". Die ARD teilt mit, es zeichne sich zwar eine Lösung für Hintergrundmusiken ab. Anders sehe das aber mit Hits aus: Eines der vier Majors, Warner Music, sperre sich nach wie vor. In den Sendern lösen sie das mitunter, indem sie Musik, die sie im TV verwenden, für das Netz austauschen.

Und dann tut sich noch ein anderes Problem auf, wenn auch nur bei den privaten Sendern: RTL sagt, mit der eingespielten Werbung und den Abrufgebühren der Videos im Netz "eher mittelfristig" Gewinne erzielen zu können. RTL müht sich dennoch: 85 Prozent der ausgestrahlten Erstproduktionen stellen die Kölner inzwischen auf "RTL now" ein, nur einige US-Produktionen fehlen noch. Und auch wenn der finanzielle Erfolg auf sich warten lässt, hat das Geschäft mit dem Abruffernsehen Relevanz. Immerhin wurden zuletzt monatlich 12,1 Millionen Videos auf der RTL-Plattform abgerufen.

Das läuft bei ARD und ZDF ähnlich gut - heißt es zumindest. Genaues wollen die Gebührenfinanzierten nicht sagen.

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