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Margret Dünser Die Erfinderin des seriösen TV-Boulevards

Eine Pionierin: Margret Dünser, erste ORF-Programmdirektorin, zwischenzeitlich in Haft, später mit der Sendung „VIP-Schaukel“ im ZDF erfolgreich, wäre am heutigen Mittwoch 90 Jahre alt geworden.

26.07.2016 17:02
Kerstin Rech
Die Journalistin Margret Dünser wäre am 27. Juli 90 Jahre alt geworden. Das Bild wurde 1978 im Wiesbadener Kurpark aufgenommen. Foto: imago stock&people

Dass sie als Kind auf eine Klosterschule geschickt wurde, hat der gebürtigen Vorarlbergerin offensichtlich nicht geschadet. Bei den Dominikanern muss sie zu jener Disziplin erzogen worden sein, ohne die ihre spätere Karriere nicht möglich gewesen wäre. Und nebenbei lernte sie auch noch englisch, französisch und italienisch – fließend.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete die junge ehrgeizige Frau zunächst als Sprecherin und Autorin von Hörfunksendungen des ORF. 1952 kam der erste Karrieresprung. Sie wurde Leiterin der Literaturabteilung des Landesstudios Vorarlberg/Tirol. Zwei Jahre später stieg sie zur ersten Programmdirektorin auf – und das mit 28 Jahren. Doch ihre Erfolgssträhne brach jäh ab. Einer Frau, und dann noch einer so jungen, auf dieser Position brachten die Kollegen offenbar weniger Bewunderung entgegen als vielmehr Misstrauen und Neid. Man warf ihr Veruntreuungen vor, und sie kam sogar für ein paar Wochen ins Gefängnis. Nachdem sie vollständig rehabilitiert worden war, kehrte sie ihrer österreichischen Heimat den Rücken und zog nach Deutschland.

Ihre erste Station war Stuttgart, wo sie beim SDR schon bald Leiterin der Hörfunk-Redaktion Zeitfunk wurde. 1963 veränderte sich die deutsche Medienlandschaft. Das ZDF ging auf Sendung, Margret Dünser zog nach Wiesbaden und war von Anfang an dabei. Ihre ersten erfolgreichen Sendungen hießen „Rom Aktuell“, „London Aktuell“ und „Paris Aktuell“, in denen sie die Modetrends aus den jeweiligen Metropolen vorstellte, nebst Gesangseinlagen und Interviews. 1968 wurde sie dafür mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.

Und dann: Die „VIP-Schaukel“

Das Interesse an der Haut Couture ließ Anfang der siebziger Jahre nach. Sie und ihr Regisseur Edgar von Heeringen konzipierten ein neues Format, das damals einmalig war und heute Vorbild für alle Boulevard-Magazine ist – die VIP-Schaukel. Die erste der insgesamt 37 Folgen, wurde am 9. Mai 1971 ausgestrahlt, die letzte am 9. Mai 1980.

Margret Dünser, die unter Flugangst litt, jettete für ihre VIP-Schaukel rund um die Welt, weswegen man sie auch „Düsen-Dünser“ nannte. Sie schaffte es, Kontakt zu Prominenten aufzubauen und sie in ihrer Sendung zum Reden zu bringen. Und das ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen und ohne ihr Gegenüber bloßzustellen. Gespräche führte sie mit Jane Fonda, Orson Wells, Bette Davis, Salvador Dali, Jean Gabin, Gunter Sachs, Rita Hayworth und vielen mehr.

Am 5. Juni 1980 erlag Margret Dünser, kurz vor ihrem 54. Geburtstag, in einem Basler Krankenhaus ihrem Krebsleiden. Den Text für die letzte Folge der „VIP-Schaukel“ nahm sie vom Krankenbett aus auf. Obwohl die Sendung regelmäßig ein Millionenpublikum begeisterte, entschied der damalige Unterhaltungschef des ZDF, Peter Gerlach, sie nicht in anderer Besetzung fortzuführen. Margret Dünser, die am heutigen Mittwoch ihren 90. Geburtstag gefeiert hätte, war einmalig.

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