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Manfred Krug Bezeichnet man Tykwer als westdeutschen Regisseur?

Für manchen ist Manfred Krug ein DDR-Schauspieler geblieben – Einspruch gegen eine seltsame Ignoranz.

Manfred Krug als Sänger bei einem Auftritt im Rahmen der X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten im August 1973 in Ost-Berlin. Foto: Wilfried Glienke/dpa

Eine Zeitung im Westen dieser Republik setzte am Donnerstag um 13.58 Uhr einen Tweet ab. Der Tweet verlinkte auf einen Artikel, der die Homepage des Blattes schmückte. Die Überschrift zu dem Artikel lautete: „DDR-Schauspieler: Manfred Krug ist tot“. Manche hat das amüsiert, andere verärgert. Die Überschrift zeigt so oder so anschaulich, wie der Westen auch im 26. Jahr der Einheit auf den Osten schaut. Nicht immer. Aber immer mal wieder.

Nun ist das nämliche Blatt nur selten desorientiert. Und Rhein und Ruhr liegen nun einmal näher an Amsterdam, Brüssel und Paris als an Berlin. Das prägt. Denen in Goslar ist die einstige DDR auch vertrauter als denen in Offenburg. Umgekehrt orientieren sich jene in Frankfurt/Oder eher an Posen als an Aachen.

Allerdings ist der Fall Krug kein Einzelfall. Achim Mentzel wurde noch im Januar von der Deutschen Presse-Agentur als „ostdeutscher Unterhaltungskünstler“ tituliert. Dabei hatte er auch nach 1989, wenngleich nicht stets ruhmreich, auf sich aufmerksam gemacht. Andreas Dresen wiederum hat mal gesagt, er habe nichts gegen die Zuschreibung, ein ostdeutscher Regisseur zu sein.

Doch finde er es seltsam, dass ich immer der ostdeutsche Filmemacher bin, es aber offenbar gar keine westdeutschen gibt. Niemand würde auf die Idee kommen, zu sagen: der westdeutsche Regisseur Tom Tykwer oder der westdeutsche Regisseur Christian Petzold. Das sagt man nur über die Ostdeutschen.“

Zufall ist das nicht. Denn für den Westen hat 1989 eben keinen Einschnitt bedeutet. Das Staatsgebiet ist ein Jahr nach dem Mauerfall zwar größer geworden. Trotzdem fühlt sich Westdeutschland mit Gesamtdeutschland identisch, während der Osten oft entweder nicht vorkommt oder etikettiert wird. Die DDR – das ist wie lebenslanger Knast.

Überdies fallen bei dem Raster Tatsachen gern unter den Tisch – im Fall Manfred Krugs auf groteske Weise. Der hat seinen Ruhm zwar in der „Ostzone“ mit Filmen wie „Spur der Steine“ begründet. Er hat die DDR aber schon 1977 im Zuge der Proteste gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns verlassen. Und dann hat er im Westen nicht allein mit „Liebling Kreuzberg“ und dem „Tatort“ eine zweite, nicht minder große Karriere hingelegt. Ja, Krug hat bloß 28 seiner 79 Jahre überhaupt im Osten verbracht.

Geboren wurde er 1937, zwölf Jahre vor der Teilung – in Duisburg. Unweit davon, tief im Westen, hat man den Landsmann nun als DDR-Schauspieler sterben lassen.

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