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Letzter "Polizeiruf 110" Jürgen und seine Armprothese

Das haben wir inzwischen begriffen, dass die Zeit nicht stehen bleibt. Aber der Abschied am Sonntagabend wird bitter. Denn der beste Tatort ist der Münchner Polizeiruf. War der Münchner Polizeiruf. Von Judith von Sternburg

Tauber als Gevatter Tod im Winter-Polizeiruf "Endspiel". Foto: Kerstin Stelter/BR

Das haben wir inzwischen auch voll und ganz begriffen, dass die Zeit nicht stehen bleibt. Aber der Abschied am Sonntagabend wird dennoch zu den bitteren gehören. Denn der beste Tatort ist der Münchner Polizeiruf. War der Münchner Polizeiruf. Das lag an Edgar Selge, der elf Jahre dabeiblieb, bevor er nicht mehr wollte, aber es lag auch an der genialen Figur des einarmigen Ermittlers Tauber. Seine Erfinderin Cornelia Ackers, liest man, kam darauf, weil ihrem eigenen Vater ein Arm fehlte. Taubers Versehrtheit war immer hundertprozentig präsent, die Alltagsprobleme, die Glotzenden und Fragenden. Ach, Sie können Auto fahren? Oje, wie ist denn das passiert? Aber selten wurde Taubers Arm ausgespielt. Interessanterweise waren das oft schwächeren Folgen.

Vor acht Jahren kam - als Nachfolgerin von Gaby Dohm als Polizeipsychologin - Michaela May dazu und mit ihr Taubers ideale Kollegin Obermaier. Obermaier ist weniger der psychologische Typ, obwohl sie sicher willens wäre. Ihre Ehe, auch sie selten in den Vordergrund gespielt, ist die interessanteste aller Serien-Ehen. War die interessanteste aller Serien-Ehen.

Nicht froh an der Wurstbude

Es blieb auch ein krasses Verhältnis zwischen den Ermittlern, die sich über all die Jahre hinweg siezten und am Ende durchaus nicht wiedervereint an der Wurstbude standen. Vielleicht hat das doch sehr viel mehr mit dem wahren Arbeitsleben zu tun als das Gros der netten Tatort-Kommissare. Ein typisches Beispiel für Realität und Fiktion. Wir suchen sie uns nicht aus, unsere Arbeitskollegen, aber Tauber und Obermaier haben wir immer eingeschaltet.

Und was bietet der letzte Teil unter dem verheißungsvollen Namen "Endspiel"? Es ist kurz vor Weihnachten. Schon wird ein wenig vorgefeiert, aber in Taubers Glückskeks ist kein Zettel. "Wennde keinen Zettel hast, nachher bist tot", sagt die Chefin zum Tauber. Denn Bayerisch besteht ja nicht nur aus einer Verlagerung der Stimme in einen anderen Teil des Rachenbereichs.

Die Chefin ist zum Abschied noch mal Adele Neuhauser als Irmi Wiedemann. Andreas Kleinert (Regie) und Alexander Adolph (Buch) haben sich an ihr offenbar einen kleinen Hass abgearbeitet, der sich im Verlauf der Handlung auf Obermaier übertragen wird. Einer feschen Handlung, die Tauber selbst als zunächst als Gevatter Tod zeigt und dann als guten Freund. Das ist eine unglaubliche Überraschung. Der Tote ist ein ehemaliger Drogenfahnder, dessen Partner sich jetzt an Tauber hält - und Tauber, der Obermaier-Siezer und Einzelgänger, mag die schräge Type (Wanja Mues), nennt sie bald Matthias, schraubt sich die lange nicht benutzte Prothese an. Wie Selge einen Mann spielt, dem ein anderer sympathisch ist, so dass er um ihn wirbt und normaler aussehen und sein will, ist eine schauspielerische Leistung, wie es sie im Fernsehen selten zu sehen gibt. Abschiede sollen schwerfallen. Aber es ist noch schlimmer als erwartet.

"Polizeiruf 110: Endspiel", ARD, So., 20.15 Uhr.

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