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Larry Kings Abschied Und er weinte doch!

Larry King verabschiedet sich nach 25 Jahren vom Bildschirm - nach einer bewegenden Sendung. Leicht fiel es dem langjährigen CNN-Flagschiff nicht, Lebewohl zu sagen.

17.12.2010 23:11
Von Nina Rehfeld
Ein Kuss zum Abschied: Sohn Chance in der letzten Show seines Vaters. Foto: dpa

Schwarzes Hemd, rote Hosenträger, rotweiß gepunktete Krawatte – in einer Mischung aus Trauerflor und Showgarderobe verabschiedete Larry King seine Zuschauer. „Willkommen zum letzten Mal bei ‚Larry King live‘“, sagte der 77-Jährige. „Ich wusste, dass dieser Tag kommt, aber diese Worte sagen sich nicht leicht.“ 25 Jahre lang moderierte King die Talkshow, langjähriges Flaggschiff von CNN, das längst von den wichtigtuerischen Schreihälsen bei Fox News in den Schatten gestellt wurde. King ist einer der letzten der alten Garde von Journalisten, denen das Zuhören wichtiger ist als das Reden, die das Schlaglicht auf ihr Gegenüber statt auf sich selbst lenkten.

40.000 Interviews, so schätzt CNN, hat Larry King während seiner Laufbahn geführt. Bei „Larry King live“ befragte er Politiker und Popstars, gewöhnliche Menschen in ungewöhnlichen Umständen und Berufskollegen. Marlon Brando drückte ihm zum Abschied einen satten Kuss auf den Mund, Ron Paul und Al Gore machten in einer historischen Debatte in seinem Studio die amerikanische Handelspolitik greifbar. Snoop Dogg entführte ihn in ein Diner, und der Glaukom-kranke Robert Randall zündete sich in Kings Studio 1988 den ersten legalen medizinischen Joint an. Medienscheue Stars wie Frank Sinatra offenbarten sich bei Larry King. Und als O. J. Simpson mit seinem weißen Ford Bronco vor der Polizei über kalifornische Highways flüchtete, schaltete King aus dem Studio kurzerhand zur zweistündigen Live-Berichterstattung von der Jagd um. „Hätten wir Gott gebucht gehabt“, sagte er später, „und O. J. wäre plötzlich verfügbar gewesen, dann hätten wir Gott verschoben.“

King wuchs als Sohn eines Restaurantbesitzers und einer Stoffarbeiterin in Brooklyn auf. Nach dem Schulabschluss fuhr er mit dem Bus nach Florida, weil er gehört hatte, dass man dort einen Einstieg im Radio finden konnte, und nach verschiedenen Jobs sprach er mit 24 in Miami seine erste Radiosendung – der Auftakt zu einer Karriere, die mit dem Abschied von „Larry King live“, wie viele hoffen, noch nicht vorbei ist. „Dies ist ja nicht Larrys Beerdigung“, sagte der Satiriker und Talkmaster Bill Maher, der gemeinsam mit dem Entertainer und „American Idol“-Moderator Ryan Seacrest in Kings letzter Sendung zu Gast war.

Es war ein etwas ungelenker, aber auch erfrischend authentischer Abschied. Auf die Huldigungen von Kollegen wie Diane Saywer, Donald Trump und „Dr. Phil“ McGraw hin blieb King ehrlich sprachlos. Die Glückwünsche und Abschiedsgrüße ertrug er mit New Yorker Stoizismus. Fred Armisen, der bei „Saturday Night Live“ Obama karikiert, erschien als King-Doppelgänger und wollte wissen, welche Frage King in seiner Laufbahn am meisten gestellt habe. „Warum“, antwortete King, „denn das ist die beste Frage überhaupt.“

Dass der Moderator privat ein wenig exzentrisch ist – er war achtmal mit sieben Frauen verheiratet und beabsichtigt, sich nach seinem Tod mit Hilfe der Kryotechnik präservieren zu lassen – zeigte sich in der Abschiedssendung nicht. Stattdessen zeigte sich ein still gerührter Mensch, der sich liebevoll an seine Söhne Chance, 11, und Cannon, 10, schmiegte, als sie gemeinsam mit Kings achter Frau Shawn erschienen. Cannon gab eine hinreißende Parodie seines Vaters zum besten („beeil dich mit dem Make-up, das ist die letzte Show, wir kommen zu spät!“), und Chance spähte immer wieder erwartungsvoll über seine Schulter ins Gesicht seines Vaters. „Du willst, dass ich heule, oder?“, fragte King, und sein Sohn entgegnete: „Ich will es nicht, aber ich glaube, es wird passieren.“ Doch Larry Kings Augen blieben trocken. Erst, nachdem das Licht ausging, ein einzelner Spot auf Larry Kings Mikrofon verweilte, sah man den Moderator im Schatten die Hand über die Augen legen.

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