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Kulturmagazin Eine Perle weniger

Das Online-Portal Perlentaucher verliert einen Auftrag der Bundeszentrale für Politische Bildung. Auch der Intimfeind des Angebots, die FAZ, hat die Finger im Spiel.

Perlenfabrik in Thailand Foto: rtr

In diesem Fall sind wir Partei. Erstens weil wir das Online-Portal Perlentaucher nützlich finden (es verweist auf die aktuellen Tagesproduktionen der Feuilletons in den deutschen Tageszeitungen und liefert Hinweise auf und Zusammenfassungen von Buch-Rezensionen), und zweitens auch, weil ein Kollege da mitarbeitet.

Das vorausgeschickt, ist von einem für den Perlentaucher misslichen Umstand zu berichten: Er verliert den Auftrag der Bundeszentrale für Politische Bildung, den Newsletter auf "Eurotopics" zu erstellen. Das ist eine europäische Presseschau auf Deutsch, Englisch und Französisch.

Das allein wäre nur eine Meldung wert, aber die neuerliche Vergabe des Auftrags hat, wie der Alemanne sagt, ein "G'schmäckle". Den Zuschlag erhielt nun die Journalistengruppe "n-ost", die ein Korrespondentennetz in Osteuropa unterhält und die Presse damit bedient.

Pikantes erhält dieser Wechsel durch zweierlei: Der Journalist Olaf Sundermeyer ist Autor bei n-ost; er hat aber am 29. Juni '07 einen langen Artikel in der FAZ veröffentlicht, in dem er den Perlentaucher indirekt angreift und ihm das Abgreifen von "Staatsknete" unterstellt. Ein Zitat: "Wenn das hier nicht Berlin wäre, wo die Subvention eine Art Alltagskultur ist, man käme unweigerlich auf den Bund der Steuerzahler."

Und im Beirat von n-ost sitzt auch Werner d'Inka, einer der Herausgeber jener Zeitung, in der der Sundermeyer-Text erschienen ist: der FAZ. Doch D'Inka hat von der Bewerbung "beiläufig in meiner Funktion als Beirat" erfahren und versichert, dass er mit Autor Sundermeyer erst jetzt, aus Anlass der Eurotopics-Entscheidung, einen Mail-Kontakt gehabt habe.

Die FAZ aber führt zudem, gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung, einen juristischen Streit mit dem Perlentaucher. Sie ist der Auffassung, dessen Zusammenfassungen von FAZ- und SZ-Rezensionen behielten den Status des "geistigen Eigentums" der jeweiligen Autoren und dürften deshalb nicht weiter veräußert werden (das tut der Perlentaucher, indem er seine Texte an das online-Portal buecher.de verkauft). Das bislang letzte Verfahren vor dem Frankfurter Landgericht ging zugunsten des Perlentauchers aus.

Ein Schelm also, wer Böses bei der Eurotopics-Vergabe denkt? Ja, meint Uwe Jetzelsperger. Er ist der zuständige "Beschaffer" bei der Bundeszentrale. Er begründet die neue Ausschreibung (der Vertrag des Perlentauchers wäre um ein Jahr verlängerbar gewesen) mit dem Hinweis auf das Interesse der Steuerzahler.

Jetzelsperger geht soweit zu sagen, dass er Sundermeyers Artikel "polemisch" fand. Doch er beteuert, die Angebote zu Eurotopics seien "nach wirtschaftlichen und fachlichen Kriterien bewertet" worden. "Und mir ist hier keine Einflussnahme deutlich geworden."

Widerspruch ist möglich

Man habe einen Auftragnehmer mit Korrespondentennetz in allen EU-Staaten haben wollen, sagt Jetzelsperger, das habe aber keiner der vier Bewerber erfüllt. Warum ein Netzwerk, das sich auf den Osten Europas spezialisiert hat, einen Newsletter erarbeiten soll, der bislang in westeuropäischen Sprachen erscheint, bleibt dabei unklar; immerhin ist in der neuen Ausschreibung auch von Polnisch (und Spanisch) die Rede.

Während der Perlentaucher den Vorgang auf seiner Web-Site kommentarlos, doch "absolut korrekt" (Jetzelsperger) darstellt, will Matthias Echterhagen, Geschäftsführer von n-ost, sich nicht äußern: Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen.

Tatsächlich gibt es eine Widerspruchsfrist. Anja Seeliger vom Perlentaucher weiß aber noch nicht, ob sie Rechtsmittel gegen den Beschluss einlegen will: "Wir wissen ja nicht, nach welchen genauen Kriterien entschieden worden ist." Doch allem Anschein nach ist es nicht das Kriterium der Begünstigung oder Protektion gewesen. Schade für den Perlentaucher ist es trotzdem.

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