Lade Inhalte...

Köln-Tatort Mit unruhiger Hand

Ein Fall rund um einen trinkenden Star-Chirurg, da sollte die Story schön kompliziert sein. Doch in "Mit ruhiger Hand" guckt die Routine um die Ecke. Dieser Tatort ist gut, könnte aber viel besser sein. Von Judith von Sternburg

Eine tiefe Stichverletzung hat ihre inneren Organe verletzt. Das kann Dr. Joseph Roth (Jo Bausch) bereits am Tatort sicher sagen. Frau Dr. Gann ist verblutet. Foto: WDR/Uwe Stratmann

Max Ballauf, der alte Filou, wird mit den Jahren immer müder und interessanter. Diesmal hat er im Auto übernachtet, jetzt sieht er schlecht aus, zankt mit einem Streifenpolizisten und muss mit einer Psychologin über seine Alkoholproblematik und seine Einsamkeit sprechen. In seinem Spiegeltrinken spiegelt sich das Thema des Tatorts: Auch Ehemann und Sohn des Mordopfers laborieren an Alkoholmissbrauch.

Da der Mann als Chirurg arbeitet, trifft der Titel "Mit ruhiger Hand" den Kern der Sache. Der Laie nimmt staunend zur Kenntnis - bzw., wie Sie an dieser Formulierung schon erkennen können: glaubt absolut nicht -, dass ein Arzt, der "am offenen Herzen" operiert, sich das über einen so langen Zeitraum leisten kann. Immerhin gab es in der Klinik, deren Aushängeschild er ist, schon einen Todesfall.

So entwickelt sich die Kölner Geschichte von Jürgen Werner, inszeniert von Maris Pfeiffer, als klassischer Kriminalfall rund um ein ernstes Problem. Das pädagogische Element - und wann haben Sie zum letzten Mal einen ganzen Tag lang keinen Alkohol getrunken - kommt nicht zu kurz. Eifersucht, Rache und Gier fordern Beachtung als mögliche Tatmotive. Auf den Deckel bekommen diesmal die Ärzte, sofern sie an ihre Allmacht glauben. Ein solcher Typ ist abscheulich überzeugend Roeland Wiesnekker als trinkender Star-Chirurg.

Um ihn herum soll der Fall nun schön kompliziert sein, aber dadurch bleibt einiges vielmehr einfach unscharf: Wenn der Sohn glasigen Blickes durch die Bilder irrt, der Kollege finstere Geschäftspläne verfolgt und die inzwischen ermordete Gattin noch flugs einen Liebhaber hatte, dann guckt die Routine um die Ecke. Sie ist tödlich für Krimis wie für Berufstätige.

Gerade weil dieser Tatort gut ist, merkt man, wie viel ausgetüftelter er sein könnte. Dringend braucht man jetzt Ballaufs verlegenes Lächeln, um das wettzumachen, das Lächeln eines Mannes, der gerade zu begreifen scheint, dass er ein wenig die Übersicht verloren hat. Und dazu ein Sprüchlein von Freddy Schenk (Dietmar Bär). Und da lächelt Ballauf schon. Und da macht Schenk schon einen Witz. Wenngleich er den witzigsten Auftritt in diesem Fall dem Staatsanwalt überlässt.Übrigens bestätigt der WDR-Beitrag ein bestimmtes Vorurteil hinsichtlich eines Vorurteils der Tatort-Autoren. In einer Samstagsausgabe darf man darüber aber nicht sprechen. Sehen und hören Sie selbst. Wir sagen längst: Das ist doch kein Zufall mehr!"Tatort: Mit ruhiger Hand", ARD, So., 20.15 Uhr.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen