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Jamal Khashoggi Zum Schweigen gebracht

Der bekannte saudische Blogger Jamal Khashoggi ist in der Türkei verschwunden.

Saudisches Konsulat in Istanbul
Blick auf das saudische Konsulat in Istanbul. Seit Jamal Khashoggi hinein ging, fehlt jede Spur von ihm. Foto: afp

Die Beamten im saudischen Konsulat von Istanbul wiesen ihren Besucher an, in zehn Tagen wiederzukommen, dann seien die Heiratspapiere fertig. Doch als der saudische Journalist und Dissident Jamal Khashoggi am Dienstagmittag zurückkehrte, schlossen sich hinter ihm die Tore. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Seine türkische Verlobte wartete draußen stundenlang und alarmierte schließlich Freunde und Medienkollegen. Wie sie berichtete, kam bei Einbruch der Dunkelheit ein Mitarbeiter des Konsulats zu ihr und erklärte, sie solle nach Hause gehen und nicht länger warten, Khashoggi habe das Konsulat bereits verlassen.

Der Verschwundene gehört zu den bekanntesten Publizisten Saudi-Arabiens, der immer wieder aneckte, aber nie persönlich bedroht wurde. Das ist seit dem Aufstieg von Kronprinz Mohammed bin Salman an die Macht anders geworden.

Vor einem Jahr ging Khashoggi ins Exil nach Washington – „wegen der erstickenden Atmosphäre daheim“. Zuhause mit Schreib- und Twitterverbot belegt, kritisierte der 59-Jährige fortan aus der Ferne in Interviews und Kolumnen für die „Washington Post“ den innen- und außenpolitischen Kurs des jungen Thronfolgers. „Ich habe mein Haus, meine Familie und meine Arbeit verlassen und erhebe nun meine Stimme“, schrieb er kurz nach seiner Ankunft in den USA. Alles andere sei „ein Verrat an denen, die im Gefängnis sitzen. Ich kann reden, während so viele es nicht können.“

Angehörige befürchten nun, Khashoggi werde in dem Istanbuler Konsulat verhört und misshandelt oder sei bereits nach Saudi-Arabien verschleppt worden. Von türkischer Seite hieß es am Mittwoch, der Gesuchte sei noch in dem Gebäude. Gleichzeitig meldete die saudische Nachrichtenagentur, ein Staatsbürger sei mit Interpol-Haftbefehl festgenommen und zurück in das Königreich deportiert worden, weil er ungedeckte Schecks ausgestellt habe. Sollte sich diese Meldung auf Khashoggi beziehen, wäre das der erste Fall, bei dem Saudi-Arabien einen Kritiker mit Gewalt auf sein Staatsgebiet zurückholt.

Mit einer Serie von Verhaftungen und Einschüchterungen versucht Mohammed bin Salman, einflussreiche Kritiker, Frauen- und Bürgerrechtler sowie populäre Kleriker zum Schweigen zu bringen. Der saudische Außenminister Adel Al-Jubeir rechtfertigte das Vorgehen und sagte, man knüpfe sich Leute vor, die „mit ausländischem Geld eine extremistische Agenda vorantreiben“. So wurde ein Freund Khashoggis, der Unternehmer Essam al-Zamel, kürzlich vor einem Terrorgerichtshof angeklagt. Zamel hatte Tage vor seiner Verhaftung noch eine offizielle Delegation in die USA begleitet, in Interviews jedoch die „Vision 2030“ des Kronprinzen als unrealistisch bezeichnet. Ähnliche Willkürprozesse drohen auch prominenten Frauenrechtlerinnen, die in den Wochen vor dem Ende des Frauenfahrverbots im Juni 2018 verhaftet worden waren. 

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