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Interview mit Horst Janson Einmal Bastian, immer Bastian

Der Schauspieler über die Rolle seines Lebens und das Geheimnis der ewigen Jugend.

24.02.2009 00:02
"Für Old Firehand reicht’s gerade noch": Horst Janson. Foto: dpa

Herr Janson, Mitte der siebziger Jahre wurden Sie durch Ihre Rolle als "Der Bastian" quasi über Nacht zum Star. Spricht man Sie immer noch auf den ewigen Studenten an?

Ja, jeden Tag.

Und das geht Ihnen nicht auf die Nerven?

Nein, überhaupt nicht. Auf Erfolge angesprochen zu werden, ist doch nie unangenehm, selbst wenn sie lange zurückliegen. Man darf ja auch nicht vergessen, dass wir mit dem "Bastian" damals unheimliche Einschaltquoten hatten. Bis zu 25 Millionen Zuschauer: Davon können Fernsehsender heute nur träumen.

Haben Sie eine Erklärung für diesen phänomenalen Erfolg?

Die Bücher waren gut, die Regie ebenfalls, und die Besetzung war offenbar auch nicht schlecht. Davon abgesehen haben wir Geschichten erzählt, die sehr alltäglich und gerade deshalb etwas Besonderes waren. Bemerkenswerterweise ging der Erfolg übrigens quer durch alle Schichten: vom Studenten bis zum Arbeiter, von den Jugendlichen bis zu den Großeltern. So was gibt's im Zeitalter der Zielgruppe ja gar nicht mehr.

Man glaubt es kaum, aber Bastian war damals die erste TV-Figur mit langen Haaren.

Das stimmt. Anfang der Siebziger waren die einzigen Langhaarigen im Fernsehen die Fußballer. Ich erinnere mich noch gut an die wehende Mähne von Günter Netzer.

... der Sie ja auch beide treu geblieben sind. War Bastian eigentlich ein Hippie, der womöglich auch mal gekifft hat?

Bastian war ein sehr individueller Mensch mit eigenem Stil, aber als Hippie würde ich ihn nicht bezeichnen. Und ein Joint wäre garantiert der Zensur zum Opfer gefallen.

Bastian war damals Ende zwanzig, Sie als Schauspieler aber schon 37. Selbst mit 73 haben Sie sich noch eine gewisse jugendliche Ausstrahlung bewahrt. Wie schafft man das?

Als meine erste Tochter zur Welt kam, war ich bereits im hohen Alter von 48. Die Kinder haben mich nicht nur jung gehalten, ich konnte ihnen auch viel mehr Zeit widmen als jüngere Väter, die sich auf ihre Karriere konzentrieren wollen. Außerdem treibe ich nach wie vor regelmäßig Sport; Segeln ist meine große Leidenschaft.

Das würde erklären, warum Sie die Hauptrolle in der ARD-Filmreihe "Unter weißen Segeln" angenommen haben, denn an den herausragenden Drehbüchern kann es kaum gelegen haben.

Kapitän auf einem Großsegler: Diese Rolle wollte ich mir als alter Segler nicht entgehen lassen. Mit den Vorlagen haben in der Tat sämtliche Mitwirkenden gehadert, die Reihe ist unübersehbar ein Abklatsch vom "Traumschiff".

Und welche Ausrede haben Sie für Ihr Mitwirken in den Telenovelas "Wege zum Glück" und "Sturm der Liebe"?

Beim ersten Mal war ich einfach neugierig, wie so was funktioniert. Heute habe ich einen Riesenrespekt vor der Leistung aller Beteiligten, die über Jahre hinweg eine Folge pro Tag produzieren. Dass die Kunst dabei ins Hintertreffen gerät, ist unvermeidlich. "Sturm der Liebe" wurde quasi bei mir um die Ecke gedreht, da hatte ich eine fünfwöchige Gastrolle. Beide Ausflüge haben Spaß gemacht, das ist die Hauptsache.

Kann man sich denn mit 73 seine Rollen noch aussuchen?

Das kann man sowieso nicht. Natürlich gab's immer wieder mal parallele Angebote, aber genauso auch Zeiten des Leerlaufs.

Dabei weist Ihre Filmografie auch diverse britische und amerikanische Produktionen auf. Irgendwann war das vorbei. Woran lag's?

Das hat einen ganz einfachen Grund: Ich hatte einen tollen Agenten in London, der mir viele Rollen verschafft hat, aber vor zwanzig Jahren leider verstorben ist. Vielleicht gibt's ja ein Comeback für mich: Kürzlich war ich in London zu Gast bei einer Wiederaufführung des Films "Captain Kronos", eine Produktion der legendären Hammer Film aus dem Jahr 1974. Ich spiele die Titelrolle, einen professionellen Vampirjäger. Das Kino war rappelvoll, ich musste noch nie in meinem Leben so viele Autogramme geben.

Sie sind jetzt fünfzig Jahre im Geschäft. Was hat sich in der Zeit am gravierendsten geändert?

Die Arbeitszeiten. Früher hatte man viel mehr Zeit. Die Menge an Produktionen, die heutzutage hergestellt wird, hat der allgemeinen Qualität ebenfalls nicht gut getan. Wenn man freitags um 20.15 Uhr durch die Kanäle schaltet, findet man nur Käse...

... wie zum Beispiel "Unter weißen Segeln". Und die Karl-May-Festspiele, bei denen Sie mitwirken, sind doch auch nicht gerade große Kunst.

Nein, aber ein Riesenspaß. Man muss da schon richtig gut im Sattel sein. Für Old Shatterhand bin ich mittlerweile zu alt, aber für Old Firehand, den alten Trapper, reicht's gerade noch. Aber Sie haben Recht, der künstlerische Anspruch hält sich in Grenzen, da ist auch viel Schaustellerei dabei.

Im vorigen Jahr waren Sie im Fernsehen in eigener Sache unterwegs und haben bei "Beckmann" offen über Ihre finanziellen Probleme und die Magersucht Ihrer Tochter gesprochen. War das eine Flucht nach vorn?

Exakt. Als sich die Fragen häuften, wollten wir verhindern, dass wild spekuliert wird, und haben uns entschlossen, in einer möglichst populären Sendung ein Statement abzugeben. Außerdem konnten wir bei der Gelegenheit ganz allgemein auf diese Krankheit aufmerksam machen.

Interview: Tilmann P. Gangloff

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