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ICANN Das Internet wird größer

Mit der Einführung neuer Domains wie .shop oder .football sollen Unternehmen und Behörden mehr Möglichkeiten bekommen. Die Internetverwaltung ICANN hat die Bewerberliste veröffentlicht.

13.06.2012 19:37
Marin Majica
1930 Bewerber stehen auf der Liste der ICANN. Foto: AFP

Berlin gibt es nur einmal, das ist für Johannes Lenz-Hawliczek eine gute Nachricht. Er ist einer der Köpfe hinter der dotberlin GmbH, eine Firma, die sich für den Betrieb der neuen Top Level Domain (TLD) .berlin bewirbt.  Lenz-Hawliczek und seine Kollegen haben in ihr Büro in Berlin-Schöneberg eingeladen. Es gibt Häppchen, und über die großen Leinwände huschen  Listen mit fast 2000 Bewerbern für neue  Adressendungen: neun für .shop, sieben für .mail, sieben für .love, zwei Antragsteller für .sex  –  aber für .berlin  steht nur dotberlin auf der Liste. Johannes Lenz-Hawliczek lächelt erleichtert.

Die Liste, die die Internetverwaltung ICANN am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in London veröffentlicht hat, ist der nächste Schritt in einem  langwierigen Prozess. Seit einigen Jahre schon läuft das Verfahren, um neben den bekannten TLD wie .com oder .de neue einzuführen. Das Internet soll größer werden, Unternehmen und Behörden sollen neue Möglichkeiten bekommen. Doch sich für .shop oder .football zu bewerben, kostet die Antragsteller nicht nur viel Arbeit, sondern auch   Geld. Nur für die Bearbeitung der  Bewerbung verlangt die ICANN eine Gebühr von 185.000 Dollar.

Trotzdem hat die Zahl der Bewerbungen die Erwartungen deutlich überschritten. Genau 1930 stehen nun auf der Liste der ICANN, Beobachter hatten mit 500 gerechnet. Die Mehrheit kommt aus Nord-Amerika, 675 wurden aus Europa eingereicht, 303 aus Asien und immerhin 17  aus Afrika. Viele Firmen bewerben sich um nur eine  Adresse, doch einige Investoren scheinen  das große Geschäft zu wittern: die Branchen-Größe Minds and Machines findet sich immer wieder  auf der Liste, 307 Mal ist der Name Daniel Schindler zu lesen. Dem Wirtschaftssender Bloomberg TV erzählte der Unternehmer, er habe für seine Firma Donuts 100 Millionen Dollar Kapital eingesammelt.

Wegen der Mehrfachbewerbungen und auch wegen sehr ähnlicher Endungen wie .football und .futbol werden viele Bewerber leer ausgehen. Die ICANN will hier aussortieren. Etwas beunruhigt registriert am Mittwoch etwa Nikolaus Futter von der Firma punkt.wien, dass es auch drei Bewerbungen für .wine gibt. Laut ICANN-Richtlinien dürfen die Zeichenfolgen nicht zu ähnlich sein,   Wine und Wien unterscheidet nur ein Buchstabe. „Die werden wohl verlieren“, glaubt Futter.

In den nächsten Wochen entscheidet die ICANN über ein kompliziertes Verfahren, in welcher Reihenfolge die Bewerbungen abgearbeitet werden. Ärgerlich kann das für jene werden, die hinten auf der Liste landen. Die ersten bestätigten Bewerber sollen Mitte 2013 online gehen können.

Aus Köln nach Berlin gekommen ist für diesen Tag Matthias Meyer-Schönherr von der Firma Sedo. „Es ist der Beginn einer ganz neuen Ära“, sagt  er.  Sedo verkauft Internetadressen weiter, durch die  neuen TLDs eröffnen sich den Adresshändlern ganz neue Märkte. Meyer –Schönherr gibt ein Beispiel: Internetseiten für Neuwagenkäufer nach dem Muster www.fahrgestellnummer.bmw. Auf dieser Seite könnte der Kunde sämtliche Informationen zu seinem Auto finden und eine Fernwartung durchführen lassen. „Das geht natürlich heute schon alles, aber mit fünf Klicks. So wäre es einfacher und netter.“

 

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