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Grimme-Preis Den Zuschauer fordern

Der Dreiteiler über die NSU-Verbrechen zählt zu den Gewinnern des diesjährigen Grimme-Preises.

Pressekonferenz Grimme-Preis
Grimme-Preise 2017: Anna Maria Mühe wurde für ihre Darstellung der Beate Zschäpe geehrt. Foto: Caroline Seidel (dpa)

Die Trilogie „Mitten in Deutschland“, in der sich drei Filmemacher auf erzählerisch und ästhetisch höchst unterschiedliche Weise mit den Verbrechen der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) beschäftigen, gehörte zu den prägenden Fernsehereignissen der jüngsten Zeit und ist nun auch der große Gewinner bei den diesjährigen Grimme-Preisen.

In der Kategorie Fiktion zeichnete die Jury den Dreiteiler gleich zweifach aus. Zum einen wurde die Produzentin Gabriela Sperl für das Konzept der gesamten NSU-Trilogie geehrt, zum anderen erhielt der Auftaktfilm „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ den wichtigsten deutschen Fernsehpreis, der in diesem Jahr an insgesamt 14 Künstler und Produktionen vergeben wurde.

In ihrem Spielfilm über die drei Haupttäter des NSU blenden Drehbuchautor Thomas Wendrich und Regisseur Christian Schwochow bis in die Jahre unmittelbar nach der Wende in der DDR zurück.

Ohne didaktische Fingerzeige

Ihr Interesse gilt dabei insbesondere Beate Zschäpe (Anna Maria Mühe), die in Jena bei ihrer alkoholkranken Mutter aufwächst und in der Punkszene eine Heimat findet, bevor sie sich über ihre Beziehung zu Uwe Mundlos (Albrecht Schuch) und Uwe Bönhardt (Sebastian Urzendowsky) nach und nach den rechtsextremen Parolen öffnet. Den Filmemachern gelingt es dabei, die drei Protagonisten nicht mit dem heutigen Wissen um ihre Mordtaten zu charakterisieren, sondern ihre verhängnisvolle Sozialistin aus den Zeitumständen heraus begreifbar zu machen. Die Frage, ob man Empathie mit den Tätern empfinden darf, wird von diesem Film nicht beantwortet, der Zuschauer muss mit seinen ambivalenten Empfindungen selber fertig werden. Allein wegen dieses Verzichtes auf didaktische Zuweisungen ist der herausgehobene Preis hochverdient, obgleich die Beiträge über die „Opfer“ und die „Ermittler“ ihn ebenso verdient hätten.

Mit elf von fünfzehn Auszeichnungen ist die ARD mit ihren diversen regionalen Anstalten in diesem Jahr der große Gewinner bei den Grimme-Preisen. Sowohl in der Fernsehdramatik als auch in der Sparte Information/Kultur gingen alle vergebenen Ehrungen an den Senderverbund.

Für Streit in der Jury Unterhaltung sorgte die Auszeichnung der ProSieben-Show „Applaus und Raus!“ mit Moderator Oliver Polak. Es war der einzige Preis für einen Privatsender. Während die Jury-Mehrheit in der Begründung lobte, Polak gelinge es, das „ausgeleierte“ Fernsehgesprächsformat „in die Sphären des Interessanten und Unerwarteten zurückzuholen“, distanzierten sich zwei Jury-Mitglieder von der Entscheidung.

Der Jury-Vorsitzende Dieter Anschlag kritisierte, der für die Show verwendete Hashtag #gastoderspast und der – später geänderte – Twitter-Account @GastoderSpast diskriminierten behinderte Menschen.

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