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„Game of Thrones“ Hört doch auf, ihr verderbt alles!

„Game of Thrones“ verfällt in der letzten Folge der siebten Staffel zu plattem Mainstream, der jedem gefallen soll. Achtung, Spoilergefahr! Der zweite Teil unserer Kolumne „Nächste Folge“.

Game of Thrones
Wo wäre Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) wohl ohne ihre Drachen? Foto: dpa

In der ersten Staffel von „Game of Thrones“ gibt es eine Szene, in der sich Arya Stark und Joffrey Baratheon prügeln. Sansa Stark ruft ihnen währenddessen immer wieder zu: „Hört doch auf, ihr verderbt alles!“ Anscheinend war diese Szene eine epische Vorausdeutung auf die letzte Folge der siebten Staffel „Game of Thrones“. Auch ich saß am Montagabend vor dem Bildschirm und rief immer wieder: „Hört doch auf, ihr verderbt alles!“ 

Eine platte, vorhersehbare Geschichte wurde in der letzten Folge präsentiert. Mainstream, der ja jedem gefallen soll. Die Handlungsstränge wurden zum Wohlgefallen der Zuschauer aufgelöst, was nun wirklich nicht in der Tradition von „Game of Thrones“ ist. 

Und auch für die Allerletzten, die die Dinge immer noch nicht begriffen haben, wurde nochmal in aller Deutlichkeit nacherzählt, dass Jon Rhaegars legitimer Sohn ist. Ich hatte an der Stelle Angst, dass Samwell einen Flipchart auspackt und es nochmal aufmalt, damit auch der Seriengucker, der sich zwischendurch Popcorn holen war, versteht, was los ist. 

Arya und Sansa tricksen Littlefinger aus. Theon kriegt endlich seinen Heldenmoment (na ja, nicht alles war schlecht, das war einer der guten und organischen Momente der Folge). Und damit es wirklich keine Probleme mehr mit der Loyalität der Zuschauer gibt, ist jetzt auch Jaime, der einzige im Team Cercei, der noch Mainstream-Sympathien hatte, nicht mehr auf ihrer Seite. Endlich kann man Königin Cercei also vollständig hassen.

Die Serie hatte von Zwist und Unvorhersehbarkeit gelebt, von ihrer Komplexität, die einen auch nach der Folge nicht los lässt, weil nicht deutlich war, was genau das alles jetzt bedeuten soll. Das Besondere war auch die Menschlichkeit der Charaktere, ihre Fehler und ihre Niedertracht, die jedem Menschen zu eigen sind. Alles hatte zwei Seiten und hinterließ eine emotionale Zerrissenheit im Zuschauer. Es scheint, dass jetzt alles zu stumpfem Schwarz und Weiß verkommt.

Um den Fanservice zu vervollständigen, haben wir, ach wie schön, jetzt auch noch ein verliebtes Paar. Und wie praktisch, dass auch noch genau zwei Drachen übrig sind, auf denen Jon und Daenerys dann händchenhaltend gen Himmel fliegen können, die Weißen Wanderer besiegen und heiraten. Vielleicht stirbt sie auch während des Kampfes, dann haben wir das versprochene bittersüße Ende.

Doch zum Glück ist noch nicht alles verloren, denn ich glaube eigentlich an George R.R. Martin und seine Fähigkeit, Geschichten zu erzählen. Daenerys Targaryen ist die schlimmstmögliche Version einer Herrscherin. Sie ist verwöhnt, jähzornig, und vor allem besessen davon, Königin von Westeros zu werden. Es gibt also noch eine Chance, die Serie wieder interessant zu machen: Daenerys könnte auf die Nachricht, dass Jon der Sohn ihres großen Bruders und damit der legitime Herrscher ist, nicht mit glücklich-verliebten Inzest-Hochzeitsfantasien reagieren. Ganz im Gegenteil. Sie könnte sehr wütend darüber werden, dass sie alles, worauf sie hingearbeitet hat, nun doch nicht bekommen wird. Sie kann nie Königin von Westeros werden. Ihr Neffe und neuer Liebhaber Jon hat den rechtmäßigen Thronanspruch. Nicht, dass dann doch noch die „Mad Queen“ durchkommt, und sie ihrem Schoßdrachen Drogon ein zart gehauchtes „Dracarys“ zuflüstert.

Im Interesse einer spannenden Geschichte, die der vorangegangenen Storyline von „Game of Thrones“ würdig ist, wollen wir das alle hoffen. Sonst bin ich ab sofort im Team Night King.

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