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Fernsehsender Pluralismus, derzeit ohne Polen

Arte will sich stärker als europäischer Kulturkanal profilieren.

Auch in Warschau könnte sich noch die Einsicht durchsetzen, dass der von der Regierung eingeschlagene Weg nach rechts in die Isolation führen dürfte. Vielleicht ist es der PiS Partei aber auch gleichgültig, wenn etwa die Verbindungen zu europäischen Medien gekappt werden. Das ist aktuell bei Arte der Fall, dem Sender, der sich wie kein anderer als gesamteuropäischer Kultursender versteht. Und der deshalb mit neun Partnern auf dem Kontinent Kooperationsverträge für Produktionen geschlossen hat und so dafür sorgen will, dass sein Programm möglichst vielfältig ist.

Doch derzeit sind es nur noch acht. Die Beziehungen zu Polen „liegen auf Eis“, wie Arte-Präsident und SWR-Intendant Peter Boudgoust jetzt am Sitz des Senders in Straßburg sagte. Denn die Rechts-Regierung um Beata Szydlo hat ein Problem mit der Gewaltenteilung und nicht nur bei der Justiz, sondern auch bei den Rundfunkanstalten missliebige, als regierungskritisch verdächtigte Geister aus dem Amt gejagt. Nun fehlen, so Boudgoust, die Ansprechpartner für Projekte. Und selbst wenn man sich in Straßburg als politisch neutral versteht, brauche man doch „Pluralismus auch bei unseren Partnern“, und derzeit seien die Auffassungen darüber eben diametral entgegengesetzt.

Aktuell bemüht sich Arte verstärkt darum, dem Anspruch noch besser gerecht zu werden, der europäische Kulturkanal zu sein, wie Claire Isambert erklärt, die Hauptabteilungsleiterin Kultur. Dem soll auch die Untertitelung von Sendungen dienen, die vor wenigen Tagen ums Italienische erweitert worden ist. Somit sind viele Sendungen im Netz jetzt für mehr als 70 Prozent der europäischen Zuschauer verständlich: Die Beiträge werden deutsch, französisch, italienisch, englisch, spanisch und auch polnisch untertitelt. Die EU finanziert die Unternehmung laut Arte mit 1,6 bis zwei Millionen Euro pro Jahr.

Das scheint sich für den Sender auszuzahlen. Man habe die Video-Views im Netz im ersten Quartal 2018 um 66 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr steigern können, berichtet Kay Meseberg, verantwortlich für die digitalen Projekte wie „Innovation 360°“. Und er verspricht sich viel von der „Dritt-Plattform-Strategie“, will sagen: von der Präsenz auf YouTube.

Dabei sind die Zuschauer jenseits des Rheins häufiger (55 Prozent) digital unterwegs als die Deutschen. In Frankreich werde die Internet-Präsenz des Senders stärker gefördert, so Boudgoust, und das will der französische Staatspräsident Emanuel Macron noch ausbauen. Der gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunk des Nachbarlandes sieht sich der Forderung nach umfassender Reform gegenüber: Er soll digitaler und jünger werden, weiß Vizepräsidentin Anne Durupty, die sich davon eine neue Legitimität des nicht privaten Rundfunks verspricht.

Arte jedenfalls scheint einigermaßen gefestigt: Laut Boudgoust hat der Sender auch im linearen Fernsehen kräftig zugelegt beim Publikum: in Deutschland von 0,6 Prozent Marktanteil im Jahre 2011 auf 1,2 Prozent aktuell, und in Frankreich von 1,4 auf 2,4 – immer noch wenig im Vergleich zu den großen Anstalten in der Bundesrepublik, aber ein weiterer Schritt auf dem Weg, „zur Annäherung der Menschen in Europa“ (Boudgoust) beizutragen.

So will man am 9. Mai kommenden Jahres, rechtzeitig vor den Europawahlen, den europäischen Gedanken mit einer den Tag ausfüllenden Sondersendung unter dem Motto „24 Stunden Europa“ fördern.

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