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Fernsehprogramm bestimmen Einfach mal im Schlamm wälzen

Wenn Sender nicht so genau wissen, wie ein Format ankommt, schieben sie die Entscheidung gerne mal dem Publikum zu. ZDFneo baut dieses Prinzip aus - und zeigt eine Woche lang neue Formate. Welches in Serie geht, entscheiden Zuschauer.

27.08.2011 20:15
Torsten Wahl
Auf der Suche nach Abenteuern: Caro Korneli in „Wie geil ist das denn?!“. Foto: tvlab

Wenn Fernsehsender nicht recht wissen, wie ein neues Format ankommt, dann lassen sie gern einen „Piloten“ vom Stapel und entscheiden anhand der Quote, ob das Projekt in Serie geht. ZDFneo baut das Prinzip weiter aus. In der Sendereihe „TVLab“ werden ab diesen Sonnabend eine Woche lang zehn neue Formate vorgestellt. Mit dem Motto „Schau doch, was du willst“ wird um Mitwirkung geworben. Jeder kann sich im Netz als Juror anmelden, alle Filme online ansehen und bei den Kriterien „Mehr“, „Neu“ und „Schön“ Punkte von eins bis zehn verteilen. Projektleiter Frank Zervos verspricht Konsequenz: Der Sieger wird als Serie produziert.

Die vorgestellten Kandidaten, die ZDFneo aus 91 eingereichten Projekten ausgesucht hat, bieten eine große Bandbreite. Die reicht von einer zotigen Puppenshow namens „Ausgekuschelt“ (Sonntag, 22.40 Uhr), in der ausrangierte Kuschelstars um ihr Comeback kämpfen, der hippeligen Kuppelsendung „Liebe auf Speed“ (Freitag, 22.50 Uhr), die mit versteckter Kamera arbeitet, bis zum szenigen Reisemagazin „neoxplorer“ (Sonnabend, 23.50 Uhr), in dem das iPad der Reporter die Hauptrolle spielt. Beim Niveau allerdings gibt es nur wenige Ausschläge nach oben. Manches wirkt wie ein Griff in die Restekiste von Vorschlägen, die anderswo schon abgelehnt wurden.

Ein gemeinsames Motto vieler Formate lautet: Ein Moderator will endlich mal tun, was er schon lange tun wollte. So will Caro Korneli verrückte Dinge ausprobieren. In ihrem Magazin „Wie geil ist das denn?!“ (Sonnabend, 23.15 Uhr) geht sie zur Blutspende, wälzt sich einfach mal, wie die aktuellen „Alm“-Kandidaten auf ProSieben, im Schlamm oder spuckt ein Lama an. Warum ihr dabei einer zugucken soll, können die ersten Szenen aber nicht erklären, und Kornelis Jugendjargon à la „Alter Verwalter“ nervt auch schnell.

Auch die Ouvertüre von „German Angst“ (Sonnabend, 22.40) sieht aus wie schon mal gesehen. Micky Beisenherz will sich mit den Vorurteilen über soziale Randgruppen auseinandersetzen: Muslime, Schwarze, Behinderte, Frauen – doch so provokativ, wie diese Aufzählung klingt, scheint das Magazin nicht zu sein. In „Moviacs“, dem „Filmmagazin mit Eiern“ (Dienstag, 22.55 Uhr), wiederum will der einstige Viva-Moderator Nilz Bokelberg mit aller Macht seine Filmleidenschaft ausleben und liefert sich mit seinem Partner Donnie O’Sullivan ein Duell mit Spielzeuggewehren.

Mehr Potenzial versprechen Formate, die nicht so stark auf ihre Selbstdarsteller fokussiert sind und traditionelle Genres mixen. So setzt das Großstadtmagazin „Bambule“ (Mittwoch, 22.40 Uhr) nicht nur auf Sarah Kuttner und deren Sprüche, sondern kommt auch in einer originellen Optik daher. Kuttner sieht „Bambule“ als „Reportage über jemanden, der ein Magazin macht, aber kein Fernsehstudio hat“.

In „Bullshit“ (Donnerstag, 22.35 Uhr) wollen Lutz van der Horst, Martin Fromme und Sven Nagel gar politische „Panorama“-Themen mit „Jackass“-Methoden aufarbeiten – das ist doch mal ein Ansatz! Sympathisch auch die Idee von „Scharfe Hunde“ (Montag, 22.45 Uhr). Thomas Heinze als geschasster Fernsehkommissar und Matthias Matschke als arbeitsloser Drehbuchautor lösen als Duo ungewöhnliche Fälle und kreuzen dabei Krimi und Comedy.

Ob das Votum der Juroren allerdings tatsächlich das beste Format herausfiltert, scheint im Moment noch fraglich. Das Niveau der bisherigen Kommentare im Netz ist schlichtweg unterirdisch. Hier lassen sich Kommentatoren, die sich zum Beispiel „TVLabber“ nennen, über Äußerlichkeiten der Moderatorinnen aus, die Einschätzungen reichen von „Pummelfee“ über „geile Sau“ bis zu nicht zitierfähigen Ausdrücken. Gewinnen wird wohl, wer am cleversten seine Fans als Juroren aktivieren kann. Gute Möglichkeiten dazu hat etwa der Youtube-Held Tedros Teclebrhan, der sich bei seinen Parodien in der „Teddy’s Show“ (Donnerstag, 23.10 Uhr) gern riesige Gebisse einsetzt – und dessen Sendung im Netz wohl besser aufgehoben bliebe.

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