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Familie Thalbach Kollege König Friedrich II.

Am 24. Januar wird Friedrichs 300. Geburtstag begangen. Arte feiert ihn mit einem Film von Berlins bewährtem Mutter-Tochter-Gespann: Katharina und Anna Thalbach zeigen den Preußen als großen Rollenspieler.

06.01.2012 17:32
Torsten Wahl
Katharina Thalbach als „Alter Fritz“, mit Tochter Anna (l). Foto: dapd

Für Katharina Thalbach ist der Alte Fritz ein alter Bekannter. Als Kind hatte sie sich mit ihrer Großmutter Mary oft in Potsdam-Sanssouci getroffen. „Meine Großmutter hatte Ähnlichkeiten mit dem Alten Fritz“, erinnert sie sich. „Wenn sie gute Laune hatte, hat sie ihn für mich gespielt – den finsteren Blick habe ich von ihr gelernt.“ Dazu erfuhr Katharina Thalbach viel über die Freundschaft von Friedrich II. mit Voltaire. „Den habe ich als Kind versucht zu lesen, natürlich hab’ ich nichts verstanden, aber später war Voltaire in menschlich schwierigen Situationen ein wahrer Tröster für mich.“

Das Angebot, nun den legendären Preußenkönig zusammen mit ihrer Tochter Anna zu verkörpern, provozierte bei Katharina Thalbach, die sehr erprobt in Hosenrollen ist, erst mal Nachfragen: „Ich hätte mich dagegen gewehrt, falls dieser Film nur einen weiblichen Aspekt von Friedrich herausstellen soll.“ Doch sie bekam Antworten, die Mutter und Tochter Mut machten: Sie wären zusammen einfach die beste Besetzung.

Regisseur Jan Peter geht seine Inszenierung locker an, verzichtet auf sture Chronologie und blickt aus der Perspektive des derangierten Feldherren nach der Schlacht von Kunersdorf auf das bewegte Leben zurück. Zeitgenössische Bilder und Landkarten werden eingearbeitet, auch die Historiker-Erklärungen passen sich gut ein.

Besetzung als Glücksgriff

Zwar liefert das Dokudrama „Friedrich – Ein deutscher König“, anders, als im kecken Vorspann behauptet, kein komplett neues Bild des Preußenkönigs, doch die Besetzung mit den beiden Thalbachs ist tatsächlich jener Glücksgriff, der dieses Doku-Drama heraushebt. Die Inszenierung baut nicht nur auf die immer wieder frappierende äußerliche Ähnlichkeit von Mutter und Tochter. Auch die tiefe, rauchige Stimme der beiden gibt der Figur eine besondere Kontinuität. Anna Thalbach findet sowieso, dass ihre Stimmen sich mittlerweile sehr ähneln: „Wenn ich weiter rauche, höre ich mich in 20 Jahren ganz genauso an wie Kathi.“

Anna Thalbach, die sich mit ihrer Mutter schon einige Rollen geteilt hat, aber noch nie so gleichberechtigt wie hier, schwärmt bis heute von den Dreharbeiten: „Ich hatte noch nie eine Rolle, die mich so nachhaltig beschäftigt hat, ich war noch lange ganz berauscht.“ Die Tochter, die sich hier erstmals in preußische Geschichte versenkt hatte, freute sich über die Gelegenheit, mal sehr fein zu spielen, was im Fernsehgeschäft sonst eher selten gefragt sei.

Tragikomische Seiten des Königslebens

Mutter Katharina, die in der Rolle als Alter Fritz ihren frühen Lieblingsautoren Voltaire vom Hof Sanssouci weisen muss, lobt die Autoren Jan Peter und Yuri Winterberg dafür, dass sie den Film nicht so aufgemotzt haben: „Manche Dokudramen tun ja so, als wären sie C.S.I.“ Die Komik mancher Szenen erinnerte sie sogar an Monty Python.

Das beiden Thalbachs loten die tragikomischen Seiten des Königslebens aus, lassen dabei schnell vergessen, dass hier Frauen in Männerkostüme geschlüpft sind. Anna gibt dem kunstbeflissenen Kronprinzen jene höhnische Arroganz, mit der er sich vom Vater, dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., absetzen wollte, und macht anschaulich klar, wie zuwider dem jungen Fritz der stumpfsinnige Drill und die öden Tabakrunden gewesen sein müssen.

In den Szenen, in denen sich der Kronprinz nach seinem gescheiterten Fluchtversuch dem brutalen Vater unterwerfen muss, arbeitet Anna Thalbach jenen Wesenszug heraus, mit dem der Film überhaupt seinen Helden charakterisiert. Denn das Dokudrama betont Friedrichs besondere Kunst der Verstellung und der Täuschung und zeigt ihn damit als königlichen Kollegen von Katharina und Anna Thalbach.

Friedrich – Ein deutscher König, Samstag, 20.15 Uhr, Arte.

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