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Dopingexperte Seppelt legt sich mit russischem TV-Team an

Das Kreml-Fernsehen befragt den deutschen Doping-Experten Hajo Seppelt. Der ärgert sich dermaßen über die unsachlichen Fragen, dass er das Team rausschmeißt. Den Sender freut's.

Dopingexperte Hajo Seppelt. Foto: imago/Eibner

Hajo Seppelt, Fernsehjournalist und Doping-Experte, ist ein selbstbewusster Interviewer. Man braucht sich nur anzuschauen, wie er Ende April den russischen Sportminister Vitali Mutko in die Zange nahm, mit genauen Fragen und forschem Ins-Wort-Fallen. Es ging um die von Seppelt recherchierten Vorwürfe, der russische Staat gehe nicht konsequent gegen Doping vor, ja fördere es. Das Gespräch wurde zu einem einstündigen Rückzugsgefecht des Ministers. Russische Spitzenbeamte sind nicht gewohnt, so befragt zu werden.

Leider ist Hajo Seppelt, wenn er in die Rolle des Interviewten wechselt, weniger professionell. Am Donnerstag zeigte der russische Staatssender Rossija in seinem Nachrichtenprogramm „Vesti“ ein Interview mit Seppelt und der Schlagzeile „Gefährliches Gespräch: Autor von Doping-Film bedroht Vesti-Korrespondentin“. Man sieht darin, wie die Reporterin Olga Skabejewa dem vielbeschäftigten Seppelt einseitige Fragen stellt („kriegen Sie Geld für Ihre Reportagen?“), wie dieser die Geduld verliert und das Interview abbrechen will. Aber es ist nicht einfach, ein ganzes Fernsehteam aus dem Hotelzimmer herauszuspedieren: Die Dame wird unsanft durch die Tür geschubst, die Mikrohülle bleibt in der Hand des Interviewten, und noch im Treppenhaus geht die Diskussion weiter, weil der Kameramann nicht aufhören will zu drehen.

Die Reporterin ist atemlos

Am Ende sieht man die erboste Skabejewa auf Kölns Straßen, atemlos berichtet sie ins mittlerweile nackte Mikrofon, sie werde von Seppelt regelrecht verfolgt. Der läuft hinter ihr her und versucht, die Polizei zu rufen.

Keine schönen Bilder – oder halt, umgekehrt, sehr schöne Bilder! Jedenfalls für das Vesti-Programm, dem es ja nicht darum ging, Seppelts Argumente ernst zu nehmen, sondern – wie es schon der Vorspann auf der Vesti-Seite sagt – „herauszufinden, woher dessen Abneigung gegen den russischen Sport stammt“. In den Augen des Kreml-Fernsehens wie auch der Regierung ist Seppelts Filmserie ja bloß der Versuch des missgünstigen Westens, mit unlauteren Methoden Russland von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro auszuschließen. Seppelts jüngster Enthüllungsfilm erschien zehn Tage vor dem Termin, da über den Ausschluss russischer Leichtathleten entschieden wird.

Seppelt hätte sich den jüngsten Ärger leicht sparen können. Wer sich mit dem russischen Staatsfernsehen trifft, der weiß ja, was ihn erwartet. Olga Skabejewa, die junge Interviewerin, ist nicht für ihre Sportkompetenz bekannt, sondern vor allem für ihre schneidend metallische Stimme, mit der sie schon 2013 giftig über Oppositionsdemos berichtete. Wer sich auf so ein Gespräch einlässt, der sollte also zumindest nicht allein im Hotelzimmer sitzen und für den Notfall ein paar buddhistische Mantras vorbereitet haben, um nicht tätlich zu werden.

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