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Diskriminierung Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen bei BBC

Die Gehaltsliste bringt die BBC in Verlegenheit. Für vergleichbare Jobs wird unterschiedlich viel Geld bezahlt.

BBC
Der berühmteste Sender der Welt hat in den vergangenen Jahren systematisch Frauen in bisher Männern vorbehaltene Rollen gehievt. Foto: rtr

Der Brief ist deutlich: Mit einer Aufforderung, die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen „jetzt“ zu beseitigen, haben 42 bekannte BBC-Journalistinnen ihren öffentlich-rechtlichen Arbeitgeber unter Druck gesetzt. Die Veröffentlichung der Jahresbezüge von Spitzenverdienern mit mehr als 150.000 Pfund (167.000 Euro) brachten vergangene Woche enorme Diskrepanzen ans Tageslicht. Generaldirektor Tony Hall kündigte das Ende der Diskriminierung bis 2020 an.

Der berühmteste Sender der Welt hat in den vergangenen Jahren systematisch Frauen in bisher Männern vorbehaltene Rollen gehievt – als politische Chefreporterin in Westminster, als Brüsseler Büroleiterin, als Moderatorinnen der wichtigsten TV-Nachrichten und des Radio-Morgenmagazins „Today“, dem die gesamte Elite des Landes lauscht. Die Gehaltsliste fürs Finanzjahr bis April, eingeteilt in Stufen von jeweils 50.000 Pfund, macht aber deutlich: Für vergleichbare Jobs wird unterschiedlich viel Geld bezahlt. So erhält „Today“-Moderatorin Mishal Husain mindestens 200.000 Pfund, ihr Kollege Nick Robinson 50.000 Pfund mehr; hingegen ist die Kollegin Sarah Montague überhaupt nicht auf der Liste, verdient also weniger als 150.000.

Spitzenreiter im Today-Team ist Veteran John Humphrys mit mindestens 600.000 Pfund.
Montague und Husain zählen nun zu den Unterzeichnerinnen des offenen Briefes: Im Zeitalter der Gleichberechtigung müsse der Missstand unterschiedlicher Bezahlung beseitigt werden, schließlich habe die BBC „schon seit Jahren davon gewusst“. Ausdrücklich bezeichnen sich die Frauen als „glücklicherweise sehr gut bezahlt“, verweisen aber auf deutlich schlechter gestellte BBC-Mitarbeiter in Abteilungen wie Technik und Fahrdienst. Auch dort gebe es erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Die Veröffentlichung der Spitzengehälter war im Herbst von der konservativen Regierung unter Theresa May (Jahresgehalt: 150.402 Pfund) angeordnet worden. Erkennbar wollen sich die Torys die auf der Insel weitverbreitete Empörung über hohe Vergütungen in Steuerzahler-finanzierten Jobs zunutze machen.

Hingegen verweist die BBC darauf, sie räume seit Jahren mit den Exzessen des vergangenen Jahrzehnts auf; 2016 ging die Gesamtsumme der für Spitzenkräfte aufgewendeten Summe um zehn Prozent zurück. Aufwendungen für Superstars wie Radio-Discjockey Chris Evans (2,2 Millionen) oder Fußball-Moderator Gary Lineker (1,75 Millionen) seien gerechtfertigt, denn: „Wir konkurrieren mit Medienunternehmen weltweit um die besten Talente.“ Tatsächlich werden wichtige BBC-Leute immer wieder von Privatfirmen mit höherer Vergütung gelockt, wie der frühere Politik-Chefreporter und beliebte Talkshow-Moderator Andrew Marr bestätigt. Im Zuge der Einsparungen seien seine Jahreseinkünfte zuletzt binnen zwei Jahren um knapp ein Viertel gesunken, auf immer noch stolze 400.000 Pfund.

Während in der öffentlichen Diskussion viel Sympathie für das Anliegen der Frauen geäußert wird, nimmt die Kritik an der Regierung zu: Die Gehaltsliste sei ein Versuch zur Disziplinierung des Senders. Tatsächlich findet die neue BBC-Transparenz im Privatsektor keinerlei Entsprechung. Banken etwa, die teilweise noch heute vom Staat gestützt werden, müssen lediglich anonymisiert die Einkünfte ihrer Spitzenkräfte mitteilen – so hatte es auch die BBC bisher gehalten. Vor zwei Jahren zwang die Regierung der BBC eine erhebliche Einsparung auf, die im Lauf der Jahre immer größer zu werden verspricht. Künftig erhält der Sender (Jahresetat: umgerechnet rund 4,5 Milliarden Euro) keinen Ausgleich mehr dafür, dass die Regierung allen Briten über 75 Jahre die Rundfunkgebühr erlässt – und die werden auch auf der Insel immer mehr. Derzeit liegt die Rundfunkgebühr bei umgerechnet 164 Euro pro Jahr und Haushalt. 96 Prozent der Briten nutzen jede Woche mindestens ein Angebot des Senders, durchschnittlich konsumiert jeder Brite sogar fast drei Stunden täglich Öffentlich-Rechtliches online, per TV oder Radio.

Anfang des Jahres installierte Premier May den Ex-Banker David Clementi als Chairman. Jetzt hätten die Konservativen „sexistischen Kolumnisten“ konservativer Boulevardblätter günstiges Futter gegen den als linksliberal eingestuften Sender geliefert, glaubt der frühere Politikchef des „Guardian“, Michael White.

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