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Digitaler Journalismus Google zahlt für Journalismus

Der Internetriese zahlt 150 Millionen Euro an die Zeitungsverlage für Entwicklung digitaler Konzepte. Dies ist eine Reaktion auf die Forderung der Medienmacher nach mehr Geld für ihre Nachrichtenangebote.

Google und Verlage gehen aufeinander zu.

Der Internet-Gigant Google startet eine Charme-Offensive bei renommierten europäischen Zeitungshäusern und nimmt dafür 150 Millionen Euro in die Hand. Die Zusammenarbeit läuft unter dem Titel „Digital News Initiative“. Mit dabei sind in Deutschland die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Die Zeit“, in Großbritannien „The Guardian“ und die „Financial Times“, „El País“ in Spanien oder „Les Echos“ in Frankreich. Drei internationale Journalistenvereinigungen machen ebenfalls mit. Die 150 Millionen Euro sollen über drei Jahre verteilt eingesetzt werden, um den digitalen Journalismus zu fördern.

Hintergrund: Google und zahlreiche Verlage liegen seit Jahren miteinander im Clinch, weil die Medienhäuser verlangen, an den Werbeeinnahmen der Suchmaschinen des US-Konzerns beteiligt zu werden. Das lehnt der US-Konzern vehement ab. In Europa sind deshalb zahlreiche Rechtsstreitigkeiten anhängig.

Im Prinzip geht es dabei immer darum, dass sowohl in der Ergebnisliste der allgemeinen Suchmaschine als auch auf der Plattform Google News Überschriften und kurze Textschnipsel von Zeitungsartikeln (Snippets) angezeigt werden. Dafür wollen die Verleger Geld haben, sie berufen sich dabei auf gesetzliche Regelungen über Urheber- und Leistungsschutzrechte.

Nun plant Google in Arbeitsgruppen direkt mit den Medienmachern die strittigen Themen zu besprechen – theoretisch könnte das auch zu Modifikationen etwa bei Google News führen. Der US-Konzern ist von erheblicher Relevanz für die Nutzung von Medieninhalten im Netz. Die Suchmaschine hat hierzulande mit einem Marktanteil von rund 95 Prozent fast ein Monopol.

Die Initiative für digitale Nachrichten soll auch für weitere Medienhäuser offen sein, auch reine Online-Anbieter und Startup-Firmen könnten mitmachen, heißt es. Ziel sei einerseits, die Firmen fit zu machen und die eigenen Dienste „anzupassen“, so Google-Manager Carlo D’Asaro Biondo in einem Interview mit der „Financial Times“. Er fügte hinzu, dass es verständliche Diskussionen darüber gebe, wie hochwertiger Journalismus im digitalen Zeitalter weitergeführt werden könne. D’Asaro Biondo schlägt sehr versöhnliche Töne an: Hand in Hand werde Google mit Verlegern und Organisationen arbeiten, um „nachhaltigere Modelle für Nachrichten“ zu entwickeln.

Hierzulande wurde 2013 das sogenannte Leistungsschutzrecht eingeführt, das Google eigentlich zu Zahlungen für Snippets zwingt. Doch der US-amerikanische Konzern hat damit gedroht, Artikel in den Ergebnislisten nicht anzuzeigen, wenn die Verlage Geld verlangen. Medienhäuser willigten daraufhin zunächst einmal ein, dass Google die Inhalte weiter unentgeltlich präsentieren darf. Gleichzeitig laufen aber Verfahren, um die Zahlungen dennoch zu erzwingen.

Dies will die Verwertungsgesellschaft Media (VG Media) durchsetzen – an ihr ist nahezu die Hälfte der deutschen Verlage beteiligt. Die VG Media verlangt, dass Google sechs Prozent seiner hiesigen Suchmaschinen-Einnahmen abgibt – die Verwertungsgesellschaft geht dabei von jährlichen Umsätzen in Höhe von mindestens drei Milliarden Euro aus.

Eine erste Entscheidung der zuständigen Schiedsstelle des Patent- und Markenamts wird für Anfang Juli erwartet. Beobachter gehen davon aus, dass der Fall danach durch viele Instanzen gehen wird.

Zugleich will auch die EU-Kommission Anfang Mai Eckpunkte für ein europäisches Leistungsschutzrecht präsentieren.

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