Lade Inhalte...

Die Trends vergehen, der Filzstift bleibt

Auch die Öffentlich-Rechtlichen bieten gerne "Coaching": Der WDR leistet Hilfe beim Hauskauf

08.08.2008 00:08
xxhake

Wenn Wilfried Köhnemann den Faserschreiber über das Reißbrett führte, um seine patenten Einrichtungsideen zu skizzieren, dann biss das quietschende Geräusch schmerzhaft ins Trommelfell. Der Innenarchitekt Köhnemann ist ein vergessener Fernsehpionier, der schon 1958 vollführte, was heuer als "Coaching-" und "Help-TV" allerwärts fröhliche Urständ feiert. Und siehe, auch der dicke Filzstift kommt wieder zu Ehren, wenn der Finanzierungsberater Jörg Burger an die Tafel tritt, um die monetären Möglichkeiten der Familie Kronen zu berechnen.

Die Kronens haben gerade zum zweiten Mal Nachwuchs bekommen, ihre Wohnung ist zu klein geworden. Ein Hauskauf steht an, ist aber nicht so leicht zu bewerkstelligen, zumal eine gewisse Summe nicht überschritten werden kann. Guter Rat tut Not und ist nicht teuer, wofern man die Kameras des Fernsehens zuschauen lässt.

Ist der faustische Pakt einmal geschlossen, eilt Sabine Binkenstein herbei, einst Gattin von RTL-Urgestein Hans Meiser und als Bauingenieurin für die anstehenden Aufgaben profiliert. In dieser fachlichen Kompetenz liegt schon mal ein Unterschied zu vergleichbaren Unterhaltungssendungen, in denen mehr oder minder bedarfte Fernsehmoderatorinnen neben wohnungssuchenden Protagonisten einhertrippeln und kaum mehr leisten, als deren Wünsche und Erfahrungen abzufragen.

Das tun auch Binkenstein und ihr Mitarbeiter Jörg Burger, streben dabei aber die Lösung der ausgemachten Probleme an. Binkenstein analysiert, kalkuliert und weiß vor allem, worauf bei einer Hausbesichtigung zu achten ist. Für angehende Immobilienkäufer mit verwandter Problemlage ist also ein gewisser Nutzwert durchaus gegeben, wenngleich die Präsentation relevanter Hinweise - etwa auf staatliche Förderung - durch Einblendungen zwischendrin oder am Schluss verbessert werden sollte. Generell werden Informationen hier eher verhuscht dargeboten, am Rande süffiger Szenenfolgen, die nicht von ungefähr an diverse Sendungen im Nachmittagsprogramm der Privatsender erinnern - die Produktionsfirma Good Times liefert dort eifrig zu und hat sich für den öffentlich-rechtlichen Auftraggeber WDR nicht sonderlich umgestellt.

Drollig genug: Die Privatsender ahmen mit den Unterhaltungssendungen rund um Haus, Wohnung und Garten ausländische Formate nach, die dann mit einiger Verspätung von den Öffentlich-rechtlichen als Kopien der Kopien ins Feld geführt werden, obgleich man doch auch aus eigenen Traditionen schöpfen könnte.

Eines aber hätte man sich auf keinen Fall bieten lassen sollen: Der auf die RTL-Erfolgsserie "Dr. House" gemünzte Reihentitel "Frau Dr. Haus - Der Immobiliencheck" ist wirklich gar zu blöd.

"Frau Dr. Haus", WDR, 21 Uhr.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen