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„Die Rosenheim-Cops“ „Die schwimmen wohlig in ihrer Knödelsoße“

Über die Lust am Klischee – ein Gespräch mit dem Regisseur Herbert Fritsch über die Vorabendserie „Die Rosenheim-Cops“ und über die Schauspielerexistenz im Allgemeinen.

Die Rosenheim-Cops
Die Cops Michael A. Grimm, Max Müller, Katharina Abt, Alexander Duda (v.l.n.r.). Foto: Christian A. Rieger /ZDF

Herr Fritsch, wir haben gerade gemeinsam eine Folge der „Rosenheim Cops“ gesehen. Sie kennen Alexander Duda? Den Darsteller des Rosenheimer Polizeidirektors Gert Achtziger?
Wir haben zusammen an der Otto-Falckenberg-Schule in München die Schauspielerei gelernt. Er ist ein paar Jahre jünger als ich. Er kam ein Jahr nach mir an die Schule. Wir haben damals viel zusammen geredet. Wir haben oft gemeinsam in unsere verheißungsvolle Schauspielerzukunft geguckt. Wir wollten alles ganz anders, ganz toll machen. Er ist ein guter Schauspieler. 
 
Wenn er sich so hinunterbeugt und zur Sekretärin sagt: „Ich habe noch ein wichtiges Gespräch“. Was für eine Note bekommt er dann für „schauspielerische Leistung“?
Wenn im Fernsehen Schauspielerei zelebriert wird, dann fällt das immer sofort auf. Demonstratives Atemholen bevor man etwas sagt, signalisiert: Jetzt wird’s wichtig. So etwas stört mich. Auch dieses sich so wahnsinnig Wohlfühlen in dieser demonstrativen Volkstümlichkeit. Schwer zu ertragen. Jetzt haben wir erst ein paar Meter gesehen, und mit am Auffallendsten ist die Humorlosigkeit. Dabei wird dauernd gelächelt. Und es wird alles getan, damit der Zuschauer lächelt. Aber die angestrengte Bemühung darum, ist nicht zu übersehen. Das sind alles gute Schauspieler. Aber man lässt sie nicht. Sie sind irgendwie gefangen.


 
In ihren Chargenrollen?
Es sind die Produktionsbedingungen, die sie einzwängen. Das muss alles schnell abgedreht werden. 
 
Aber sie wollen doch genau so spielen, wie Sie es tun?
Nein. So wie ich spiele, das sprengt den Bildschirm. Ich habe vor Jahren mal eine Folge der „Rosenheim-Cops“ gesehen, die war auch lustig. Ich schaue zurzeit viele Serien. Arzt-Serien zum Beispiel. Oder „Tatort“. Nächste Spielzeit mache ich in Zürich ein Stück: „Totart Tatort“. Das ist ja im Grunde eine Propagandaserie für Handyabhören und Videoüberwachung. Das interessiert mich sehr. Jahrelang hatte ich keinen Fernseher, jetzt gucke ich sehr viel. 
 
Welche Arztserien?
Jede Menge. Ich habe viel mit Ärzten zu tun. Das ist nicht so erfreulich. Krankenhäuser sind auch keine Freude. Darum schaue ich gerne Arztserien im Fernsehen. Da sind die Ärzte nett, haben Zeit für die Patienten, die Krankenhäuser sind schön, alles funktioniert, oder wenn es nicht funktioniert, dann werden die Fehler freundlich behoben. Diese Serien sollen die Realität ausgleichen. Die Realität ist einfach zu bitter. Das ist hier bei den „Rosenheim-Cops“ genauso. Die Polizei kümmert sich um die Leute, macht sich Gedanken um Gerechtigkeit. Man fühlt sich geschützt, wenn man solche Serien anschaut, man fühlt sich wohl. 

Ein Bilderbuch?
Die Welt ist doch in Ordnung. Als ich im Krankenhaus lag, habe ich wohl in die falsche Richtung geguckt. Gerade kommen sie von der Intensivstation wegen einer Herzgeschichte, da gibt es als erstes Essen: Butter und ‚ne fette Wurst. Sie denken nur: Bin ich der einzige, der etwas von Cholesterin gehört hat? Kein Mensch kümmert sich wirklich um Sie. Aus diesem Gefühl helfen Ihnen diese Serien. Das Fernsehen ist die beste Medizin. 
 
Warum reißen die dauernd die Augen so auf?
Das gibt einen gewaltigen Energieschub. Wenn man abends müde vor dem Fernseher sitzt, dann reißt einen so ein Blick sofort aus dem Halbschlaf. Für alles gibt es jeweils ganz klare, einfache Bilder. Die müssen umgehend geliefert werden. Es sind abgerufene Klischees. 
 
Schauen Sie sich mal die Landschaft an!
Das können die sehr gut. Rechts die Gänse, ganz hinten Berge, vorne grüne Büsche und Bäume, und schauen Sie sich das an: die Bluse der Bäuerin und die Buschblüten – Ton in Ton!

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