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Die britische "Lindenstraße" Massensterben in der Straßenbahn

In dieser Woche feiert die Mutter aller Lindenstraßen, die britische Serie „Coronation Street“, ihr fünfzigstes Jubiläum. Anfangs hatte der Fernsehsender Bedenken, die Serie über das Alltagsleben seiner Figuren könnte die Werbeeinnahmen beeinträchtigen. Das sieht er heute anders.

06.12.2010 12:11
Femke Colborne
Ein großer Tramunfall wird in der Jubiläumsausgabe der britischen TV-Serie "Coronation Street" fünf Figuren dahinraffen. Foto: itv.com

Für die Jubiläumsfolge an diesem Donnerstag haben sich die Produzenten etwas Besonderes überlegt: Glaubt man den Gerüchten, sollen gleich vier Hauptdarsteller bei einem Straßenbahnunfall den Serientod sterben. Das ist in etwa so, als wenn es in der „Lindenstraße“ Mutter Beimer und ihren Hans mitsamt dem schwulen Karsten Flöter und Penner Harry auf ein Mal hinwegrafft.


So weit hergeholt ist der Vergleich auch gar nicht, denn die Serie, in der am Donnerstag das Massensterben erwartet wird, ist so etwas wie die Mutter aller Lindenstraßen. „Coronation Street“ heißt die bekannte britische Serie, die seit nunmehr fünfzig Jahren das Leben der Bewohner einer verregneten Hintergasse im nördlichen England zeigt. Am 9. Dezember 1960 wurde „Corrie“ zum ersten Mal gesendet und ist somit die älteste Serie, die immer noch produziert wird. Die täglichen Episoden werden von bis zu zehn Millionen Zuschauern gesehen, das Format wurde auf der ganzen Welt reproduziert. Auch die deutsche Version „Lindenstraße“ feiert in dieser Woche ein Jubiläum – allerdings erst läppische 25 Jahre.

Ken Barlow war viermal verheiratet


„Coronation Street“ ist für seine anschaulichen und bodenständigen Charaktere bekannt. Da gibt es den mit Problemen belasteten Frauenheld Ken Barlow, der vier Mal verheiratet war und 27 Freundinnen hatte. Ein anderer Publikumsliebling war die feurige Vera Duckworth. Als sie nach 33 Jahren 2008 den Serientod starb, trauerte ganz Großbritannien.
Die Handlung findet größtenteils in und um Englands berühmtesten Pub, den Rovers Return Inn, statt. Der war im Laufe der Jahre Schauplatz vieler entscheidender Ereignisse, von Aufständen und zerbrochenen Gläsern bis zur aufkeimenden Liebe über einem Humpen Bier.


Eigentlich wollte der britische Fernsehsender Granada Television, der der Serienerfinder Tony Warren 1960 erstmals zwei Probefolgen zeigte, diese fast nicht senden. Man befürchtete, dass die Werbeeinnahmen darunter leiden würden. „Die Fernsehgesellschaft hatte Angst, dass eine Serie über das gewöhnliche Alltagsleben von Arbeitern die Zuschauer nicht interessieren würde“, sagt Kieran Roberts, der Produktionsleiter der Serie. „Doch das wundervolle Drehbuch von Tony Warren, die brillanten Schauspieler und das großartige Produktionsteam, die Warrens Vorstellungen auf die Leinwand brachten, belehrten sie eines Besseren.“


William Roche spielt Ken Barlow, die einzige Figur, die von Anfang an in der Serie dabei ist. Laut Roche ist das Gewöhnliche der Handlung der Schlüssel des Erfolgs. „In der ,Coronation Street’ geht es um normale Menschen, die mit den Problemen des Lebens, Liebe und Träumen, Verlusten und Verzweiflung kämpfen“, sagt er. „Die Serie ist so realistisch, wie ein Film nur sein kann. Sie steht vor der doppelten Herausforderung, mit der Zeit zu gehen, ohne dabei jedoch zu weit zu gehen. Das ist in ,Coronation Street’ so gut gelungen, dass die Serie immer noch lebendig wirkt und im Jubiläumsjahr zu den meistgesehenen Folgen im britischen Fernsehen zählt.“
Vielleicht auch noch die nächsten fünfzig Jahre.

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