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Deutsche Welle Intendant verzweifelt gesucht

Der Auslandsrundfunk braucht schnell einen neuen Intendanten - doch der Posten ist heiß umkämpft. Mehrere Kandidaten haben sich in Stellung gebracht, obwohl die Anforderungen groß sind.

07.02.2013 16:29
Ulrike Simon
Deutschlands Stimme geht in die Welt. Foto: dw

Wer Rundfunkintendant werden will, hat derzeit die Wahl. Gesucht werden: ein Nachfolger für Monika Piel, die ihr Amt beim WDR aus persönlichen Gründen nach dem 30. April zur Verfügung stellt. Demnächst zur Wiederwahl steht der 61-jährige Willi Steul, seit 2009 beim Deutschlandradio. Am meisten umkämpft ist aber im Moment die Kandidatensuche bei der Deutschen Welle (DW).

Klar ist schon jetzt: Der Plan, dass der Rundfunkrat die Nachfolge des am 30. September scheidenden Erik Bettermann bereits im März regelt, ist nicht zu halten. Dies bestätigt Valentin Schmidt, Vorsitzender sowohl des Rundfunkrats als auch der eigens eingerichteten Findungskommission. Erst im Juni werde die Kommission dem Rundfunkrat einen Vorschlag unterbreiten. Daran anschließen werde sich die Wahl, sagte Schmidt, hielt sich aber bedeckt, wer bisher zum Kreis der Handvoll Kandidaten gehört. Noch sei die Suche nicht abgeschlossen, zudem sei abzuwarten, wie sich die zunächst externen und dann auch internen Bewerber der Kommission präsentieren.

Jahresgehalt 207.000 Euro

Seit ihrer letzten Sitzung am vorigen Donnerstag scheint sich die Tendenz durchzusetzen, den Nachfolger eher im Journalismus denn aus dem politischen Umfeld zu suchen. Ohnehin hat der frühere Regierungssprecher Thomas Steg auf Anfrage abgesagt, er bleibt lieber bei VW als zur DW zu wechseln. Nicht zuletzt wegen der anstehenden Verfassungsklage zum übergroßen Einfluss der Parteien in den Gremien öffentlich-rechtlicher Sender will der Rundfunkrat nicht den Vorwurf riskieren, den Posten nach parteipolitischen Gesichtspunkten zu vergeben.

Umso stärker treten im Rundfunkrat der DW die Kirchenvertreter auf, zumal sich Prälat Karl Jüsten anschickt, Ende des Jahres an Stelle des 72-jährigen EKD-Mannes Schmidt den Vorsitz zu übernehmen. Jüsten schickt denn auch gleich zwei Namen ins Rennen: Peter Limbourg, Berater der Bischofskonferenz und seit Urzeiten bei der schon wieder zum Verkauf stehenden Sendergruppe ProSiebenSat.1. Aktuell ist der Diplomatensohn Senior Vice President für die aus Sendersicht wenig relevanten Nachrichten. Mal co-moderiert er ein Kanzlerduell, mal steht er Stefan Raab zur Seite. Mehr Perspektive hat der in der CDU vernetzte 52-Jährige nicht. Ein enger Freund Jüstens ist Stephan-Andreas Casdorff, seit bald zehn Jahren Co-Chefredakteur beim Tagesspiegel. Fragt man den Zeitungsjournalist nach seinen Ambitionen bei der DW, rühmt er den Tagesspiegel, seinen Mitchefredakteur und seinen Verleger über alle Maßen und sagt, es sei nicht ehrenrührig, für den Posten des DW-Intendanten genannt zu werden.

Im Rundfunkrat heißt es, neben Führungsqualitäten – die DW beschäftigt inklusive Freien 3000 Mitarbeiter – müsse der Intendant, den ein Jahresgehalt von 207.000 Euro erwartet, mehrsprachig sein, sich in ausländischen Mediensystemen auskennen, international und in der Politik vernetzt sein. Gesucht sei „nicht weniger als die Eier legende Wollmilchsau“. Daher gelte es, denjenigen zu finden, „der dem Ideal am nächsten komme“ und ein mögliches Manko durch „Herzblut für die Deutsche Welle“ ausgleiche. Er oder sie müsse trotz knappem Budget „etwas bewegen wollen“.

Auch interne Bewerber

Das soll den Mitarbeitern recht sein. Auf sie wirkt die DW mit ihren Standorten Bonn und Berlin lange genug wie gelähmt. Entsprechend fürchten sie jemanden, der „wieder bei Null anfängt“. So stehen die Rechteverhandlungen mit ARD und ZDF an. Den politischen Beschluss, sich ihrer Programme bedienen zu dürfen, handelt Bettermann aktuell aus. Inhaltlich umsetzen muss es sein Nachfolger und dabei das Selbstverständnis der DW als „Visitenkarte Deutschlands“ profilieren.

Die Frage ist: durch Kleckern, um überall irgendwie präsent zu sein oder durch Klotzen, bei gleichzeitigem Verzicht auf Aktivitäten, die in der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommen werden? Welche Strategie ist in Afrika zu wählen, wie wichtig sind Brasilien oder Russland? All diese Fragen bedürfen der Antwort des künftigen DW-Intendanten.

Chancen rechnen sich daher auch interne Bewerber aus: Neben der langjährigen Auslandskorrespondentin Gerda Meuer, die als Direktorin die DW-Akademie leitet und als wenig profiliert gilt, ist das Christoph Lanz, als langjähriger Fernsehchef zuständig für das Auslandsfernsehen auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Arabisch und seit der Umstrukturierung Multimediadirektor Global.

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