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Der Spiegel Der letzte Arbeitstag der Chefredakteure

Der Spiegel-Verlag entlässt seine Chefredakteurs-Doppelspitze und sucht nach einem Neuanfang. Die Stellvertreter Klaus Brinkbäumer und Martin Doerry werden „bis auf Weiteres“ das Heft leiten, Rüdiger Ditz den Online-Auftritt.

10.04.2013 17:26
Ulrike Simon
Letzter Arbeitstag für Matthias Müller von Blumencron (links) und Georg Mascolo. Foto: dpa

Der Spiegel-Verlag entlässt seine Chefredakteurs-Doppelspitze und sucht nach einem Neuanfang. Die Stellvertreter Klaus Brinkbäumer und Martin Doerry werden „bis auf Weiteres“ das Heft leiten, Rüdiger Ditz den Online-Auftritt.

Der eine ging grußlos, der andere nutzte die Gelegenheit zum letzten großen Auftritt vor seiner Redaktion. So verlief der letzte Arbeitstag des Chefredakteur-Duos aus Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron an der Spitze des Nachrichtenmagazins Der Spiegel.

Das Schlimme daran ist nicht nur, dass der Spiegel damit vorerst führungslos ist. Die Stellvertreter Klaus Brinkbäumer und Martin Doerry werden „bis auf Weiteres“ das Heft leiten, Rüdiger Ditz den Online-Auftritt. Das wirklich Schlimme ist, dass der Spiegel zwei exzellente Leute verloren hat. Mit Mascolo, 48, einen ausgezeichneten Rechercheur, mit Blumencron, 52, einen ausgewiesenen Kenner der Online-Welt. Das sagte auch Geschäftsführer Ove Saffe, als er am Dienstag um 11.30 Uhr vor die Redaktion des gedruckten Spiegel trat.

Mascolo nahm an dieser Konferenz schon nicht mehr teil, er hatte das Haus bereits nach der sogenannten Morgenlage, der kleinen, täglichen Konferenz, verlassen. Anders Blumencron, der im Großraumbüro im obersten Stockwerk des Spiegel-Gebäudes in der Hamburger Hafencity vor der versammelten Mannschaft von Spiegel Online eine Abschiedsrede hielt. Bewegend sei sie gewesen, sagen Teilnehmer. Blumencron erhielt Applaus und wurde von Ditz als „Mister Spiegel Online“ tituliert.

Spiegel vorerst führungslos

So unterschiedlich Mascolo und Blumencron sind, so unterschiedlich gestalteten sie ihren Abschied. Und wie in der Tagesarbeit waren auch die Abschiede strikt getrennt in jenen für den gedruckten und jenen für den digitalen Spiegel. Und genau darin liegt der Grund für die Trennung des Verlags von Mascolo und Blumencron. Sie konnten sich einfach nicht einigen, wie sie das Gedruckte und Digitale gemeinsam führen und strategisch und journalistisch gewinnbringend zusammenführen sollen.

Saffe, der von der Redaktion auch nach Fehlern in seinem Verhalten gefragt wurde, sagte Teilnehmern zufolge, der Fehler sei gewesen, zu lange gewartet zu haben, ob die zerstrittenen Chefredakteure Mascolo und Blumencron nicht doch zu einer Einigung kommen.

Zur Frage der Nachfolge teilte der Spiegel-Verlag mit, dies werde „in Kürze“ entschieden. Eine Aussage, die wohl eher Ausdruck einer Hoffnung ist, denn noch scheint vollkommen unklar zu sein, wer neuer Chefredakteur wird. Und allein der Umstand, dass die Suche offensichtlich seit längerer Zeit betrieben wird, spricht gegen Jakob Augstein. Der Verleger der Wochenzeitung Der Freitag und anerkannte Sohn und Erbe des Spiegel-Gründers scheint sich zwar Hoffnungen auf den Posten zu machen. Stieße er jedoch auf die Zustimmung der Gesellschafter, müssten sie sich nicht auf die Suche begeben.

Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron gehörten der Spiegel-Gruppe beide mehr als zwei Jahrzehnte an. Mascolo wurde 1988 von Stefan Aust zu Spiegel TV geholt. Er war derjenige, der am 9. November 1989 an der Bornholmer Brücke stand, als dort der Schlagbaum hochging.

1992 wechselte er zum gedruckten Spiegel, leitete unter anderem das Deutschlandressort, das Berliner Büro und berichtete zwischenzeitlich aus Washington. Blumencron kam 1992 zum Spiegel, berichtete ebenfalls aus Washington, außerdem aus New York und wurde Ende 2000 Chefredakteur von Spiegel Online. Nach langer, quälender Suche der Gesellschafter wurden beide im Februar 2008 Nachfolger des zuvor geschassten Stefan Aust.

Danke und alles Gute

Saffe ruft Mascolo und Blumencron in einer schriftlichen Mitteilung hinterher: „Als Chefredakteure haben sie maßgeblich dazu beigetragen, den Spiegel als ein weltweit beachtetes kritisches Magazin und Spiegel Online als führendes journalistisches Angebot im deutschsprachigen Internet zu positionieren und weiterzuentwickeln. Ich danke beiden für ihr überaus großes Engagement und wünsche ihnen für ihre private und berufliche Zukunft alles Gute.“

Aufgabe des künftigen Chefredakteurs wird sein, den Spiegel nicht nur politisch zu profilieren und die Auflage möglichst stabil zu halten. Er oder sie muss in der Redaktion vor allem einen Strukturwandel einleiten, um die getrennten Teams unter dem gemeinsamen Spiegel-Dach zur Zusammenarbeit zu bewegen, und er muss journalistische Inhalte entwickeln, die gedruckt sowieso, aber eben auch online dem Leser Geld wert sind.

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