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„Der Minister“ Sat.1 Besser als „Schtonk“

Lange nicht mehr so gelacht: Sat.1 ist mit dem Film „Der Minister“ über die Plagiatsaffäre von Karl-Theodor zu Guttenberg eine großartige Satire auf den mediengetriebenen Politikbetrieb gelungen.

12.03.2013 16:16
Klaudia Wick
Gespür für große Gesten: Donni (Kai Schumann) mit Gattin (A. Neldel). Foto: sat.1

Wenn der Fiction-Chef von Sat.1 über den Film „Der Minister“ sagt: „Alles Fiktion!“, ist das natürlich ein guter Witz. Denn die Behauptung, dies alles habe mit der Blitzkarriere des CSU-Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg nichts zu tun, lässt sich in zwei Richtungen deuten: Um die Persönlichkeitsrechte zu wahren, musste die echte Geschichte von Karl-Theodor zu Guttenberg in dieser sehr gelungenen Politsatire als die fiktive Geschichte von Franz Ferdinand zu Donnersberg erzählt werden. Und dann war ja auch tatsächlich das glanzvolle Überflieger-Image des Barons an entscheidender Stelle vor allem gut ausgedacht gewesen.

Kleine Seitenhiebe

Zwei Jahre ist es her, dass zu Guttenberg seine Ämter niederlegen musste, weil ihm die Universität Bayreuth seinen Doktorgrad aberkannte. Es war das abrupte Ende einer steilen Karriere, die den Adeligen bis dahin auf einer Wolke der Popularität erst auf die Spitzenpositionen im Beliebtheitsranking, dann in die höchsten politischen Kreise getragen hatte.

Die Drehbuchautorin Dorothee Schön, für ernste Stoffe wie „Frau Böhm sagt nein“ oder „Der letzte schöne Tag“ branchenweit geschätzt, hatte gleich nach Guttenbergs Rücktritt die Idee zu „Der Minister“. Offensiv spielt der Sat.1-Film nun damit, dass die Details der Guttenberg-Affäre noch nicht ganz vergessen sind. Sie schäme sich öffentlich, hatte Wissenschaftsministerin Dr. Schavan zu den Plagiatsvorwürfen ihres Kabinettskollegen gesagt. Sie habe zu Guttenberg ja nicht als wissenschaftlichen Assistenten eingestellt, ließ Kanzlerin Merkel die Presse zunächst wissen. Neben solchen Statements, die im Film genüsslich als kleine Seitenhiebe zitiert werden, geht es vor allem um die großen politischen Stichworte: Die einsame Entscheidung des Wirtschaftsministers, Opel nicht retten zu wollen; die überstürzte Abberufung des „Gorch Fock“-Kapitäns, der teure Talkshow-Auftritt in Afghanistan – wann immer man sich im Nachhinein fragt: Wie konnte es dazu kommen?, leitet Dorothee Schön aus der Handlung eine Antwort ab.

Das vor allem unterscheidet „Der Minister“ vom zur Legende geronnen Kinofilm „Schtonk“. Helmut Dietl hatte 1992 selbst mit dem Abstand von neun Jahren keine komödiantische Begründung finden können, wieso die Redaktion der Zeitschrift Stern den gefälschten Hitler-Tagebüchern aufgesessen war. Dorothee Schön ist dagegen das Kunststück gelungen, für jede noch so verblüffende Entscheidung, die der echte zu Guttenberg traf, im Drehbuch eine absurde, aber in sich stimmige Erklärung zu erfinden. Denn sie umgibt den Scharlatan zu Donnersberg (Kai Schumann) nicht wie Dietl mit eitlen Typen, sondern zeigt seine Entourage als Phalanx ausgebuffter Medienprofis. Alle geben ihr Bestes, um aus dem kleinen Möchtegerngroß eine richtig große Nummer zu machen. Da ist zuallererst Donnersbergs Schulfreund Max (Johann von Bülow), der zwar schlauer ist als „Donni“, aber nicht dessen Charisma hat. „Donni gehört zu den Menschen, die hinter dir durch die Drehtür gehen und vor dir rauskommen“, lässt Dorothee Schön Max einmal sagen. Und Regisseur Uwe Johnson unterstreicht mit seiner leichtfüßigen Inszenierung, dass Max diese Eigenschaft halb bewundert, halb anwidert, aber in jedem Fall fasziniert.

Gegelte Männer unter sich

Diese Faszination ist auch der Antrieb des gegelten Blitzkurier-Chefredakteurs Jan Breitmann (Thomas Heinze), der dem echten Kai Diekmann so ähnlich sieht wie der dem gegelten Guttenberg. „Kopieren die uns?“, fragt Donnersbergs Frau (Alexandra Neldel) im Film ihren Mann. „Nein“, gibt Donni zurück, „Max hat meinen Look nur so erfunden, wie der Chefredakteur des Blitzkurier denkt, dass seriöse Menschen aussehen.“

Von Kai Schumann bis Alexandra Neldel, von Katharina Thalbach bis zu Johann von Bülow gelingt es dem gesamten Ensemble, die Vorbilder ihrer Figuren schonungslos zu karikieren, sie aber nicht für jeden Gag zu verraten. Die Situationskomik macht sich vielmehr die Logik der Mediengesellschaft zunutze: Alle Beteiligten wissen, dass in der Politik nur Symbolhandlungen Erfolgschancen haben. Deshalb tun ständig alle etwas Unsinniges, das sie zudem oft für falsch halten, nur weil es gut aussieht oder alles andere noch schlechter aussehen würde. „Unter tausend Menschen gibt es nur einen, der das Problem durchdringt“, macht Max seinem Freund Mut: „Aber von den anderen 999 gibt es neun, die den anderen glauben machen können, dass sie es verstehen. Und du bist einer davon!“

Donni und Murkel

Letztlich schaut „Der Minister“ durch einen Zerrspiegel auf den mediengetriebenen Politikbetrieb: Man muss über die lustigen Figuren lachen, obwohl man doch selbst der Hampelmann vor dem Spiegel ist. Denn so viel ist ja klar: Es waren nicht nur die Medien, sondern auch die vielen Wähler, die sich daran freuten, dass mit dem hemdsärmeligen Baron die öde Politik plötzlich so verständlich und griffig wurde. Als Donni der Kanzlerin Murkel (Katharina Thalbach) zu populär zu werden droht, trifft sie eine typische Politiker(fehl)entscheidung: „Der kriegt jetzt das Verteidigungsministerium, das ist ein politischer Friedhof“, sagt Murkel beim Frühstück zu ihrem Ehemann (Peter Prager). „Denn glaub mir, es gibt drei Dinge, da wollen die Leute wirklich nicht wissen, wie sie gemacht werden: Gesetze, Kriege und Wurst!“ Und Dissertationen. Oder etwa doch?

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