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Datenschutz "taz" boykottiert die Leichtathletik-WM

Leser der "taz" werden über die Leichtathletik-WM aus ihrer Zeitung nichts erfahren: Die Tageszeitung boykottiert die Berichterstattung. Begründung: die Datensammelwut der Veranstalter.

05.08.2009 14:08
Ob die auch alle brav unterschrieben haben? Berlino, das Maskottchen der Leichtathletik-WM 2009, präsentiert sich und die Medaillen den Fotografen. Foto: afp

Leser der "taz" werden über die Leichtathletik-Weltmeisterschaft aus ihrer Zeitung nichts erfahren: Die linksalternative Tageszeitung aus Berlin boykottiert die Berichterstattung über das Sportereignis, das vom 15. bis 22. August in der Hauptstadt stattfindet: Der Grund: Die aus Sicht der "taz" inakzeptable Akkreditierungspraxis der Veranstalter. "Journalisten müssen sich für die Akkreditierung überprüfen lassen wie Schwerverbrecher", kommentiert die Zeitung auf ihrer Website.

Gemeint ist eine "Zuverlässigkeitsprüfung", die den Journalisten vom Berliner Organisations-Komitee (BOC) vorgelegt wird. Mit ihrer Unterschrift unter das Formular erklären sich Pressevertreter damit einverstanden, dass ihre persönlichen Daten umfassend geprüft werden. Dafür würden die Veranstalter Einblick bekommen in Datensätze der Polizei sowie des BND und des Verfassungsschutzes, kritisiert die taz, und nach Prüfung der Daten entscheiden, ob ein Journalist das Stadion betreten darf oder nicht. "De facto kann von das BOC, einem privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen, ein Beschäftigungsverbot für Journalisten erteilt werden", so die taz.

"Mit den Akkreditierungen sichern und organisieren wir den reibungslosen Arbeitsablauf für knapp 20.000 Beteiligte, die diese WM zu einem unvergesslichen Ereignis machen werden", zitiert die taz Heinrich Clausen, den Geschäftsführer des Organisationskomitees. Überprüfungen in dieser Form hat es auch im Vorfeld der Fußball-WM gegeben. Die Anforderungen an Journalisten im Rahmen der Leichtathletik-WM sind für die taz "ein weiterer Beleg dafür, dass unter dem Deckmäntelchen Sicherheit die Rechte von Journalisten immer weiter eingeschränkt werden". Dieses Spiel mache man nicht mit - und verzichte auf die Berichterstattung.

Die Zeitung sieht sich darin bestärkt durch den Sprecher des Bundesbeauftragten für Datenschutz, Dietmar Müller. "Solche Zuverlässigkeitsüberprüfungen greifen in das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung ein", zitiert die taz Müller - und die dürften nicht unter Umgehung gesetzlicher Vorschriften durchgeführt werden. Genau das sei aber hier der Fall, glaubt die taz.

Dagegen sagte BOC-Sprecher Stefan Thies, insgesamt hätten 3700 Medienvertreter den Überprüfungen zugestimmt. Das Verfahren sei zwischen dem Land Berlin, dem Landeskriminalamt und den Organisatoren so abgesprochen. Mit Ausnahme der "taz"-Reporter hätten alle anderen Journalisten die Kontrollen so hingenommen. (mo/dpa)

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