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Chefredakteur Tom Strohschneider Frischer Wind fürs Neue Deutschland

Frischer Wind von links: Der neue Chefredakteur Tom Strohschneider soll das Neue Deutschland modernisieren. Die Zeitung soll wieder mehr Leser gewinnen. Und auch online sieht der neue Chef Nachholbedarf für das linke Blatt.

Der Eingang zum Redaktionsgebäude. Foto: IMAGO

Jürgen Reents ist wohl zu sehr Journalist, um begeistert auf den Ruhestand zu warten. Der Wechsel an der Spitze des Neuen Deutschlands sei nicht auf seinen Wunsch hin erfolgt, sagt der Chefredakteur. Er sagt aber auch: „Die Entscheidung ist im Interesse der Weiterentwicklung der Zeitung.“

Seit ein paar Tagen jedenfalls ist klar: Reents, 62 Jahre alt und ein Wessi, wird abgelöst durch Tom Strohschneider, 38 und Ossi. Genauer: Von diesem Mittwoch an amtieren sie als Team. Und in einigen Monaten soll es der Neue dann allein machen. Klar ist ebenso: Die Wachablösung hat vor allem mit dem Alter zu tun.

1999 übernahm Reents das Ruder, nachdem er zuvor Sprecher der PDS gewesen war. Reents gilt nach innen als verträglich und hat seine Unabhängigkeit nach außen zuletzt mehrfach unter Beweis gestellt – etwa, als er sich im Frühjahr weigerte, einen Text des damaligen Linksparteichefs Klaus Ernst abzudrucken, weil etwas anderes darin stand als das, was vereinbart worden war. So viel Mut hat nicht jeder. Immerhin gehören der Linken fünfzig Prozent der Anteile.

Nun allerdings waren die Gesellschafter der Meinung, dass frischer Wind her muss. Denn das frühere SED-Parteiblatt leidet unter einem spezifischen Auflagenschwund, der etwas mit dem Alter der Ost-Genossen und dem Schwinden des dazugehörigen Milieus zu tun hat. Derzeit verkauft es knapp 36.000 Exemplare täglich. Es leidet überdies an der strukturellen Zeitungskrise und der Tatsache, dass immer mehr junge Leser ins Internet abwandern. Strohschneider soll dagegenhalten. Zum ND, das ist gewiss, passt er wie der Dutt zu Rosa Luxemburg. Kollegen tun kund: „Er ist ein netter Kerl und hier willkommen.“

Strohschneider wurde in Berlin-Friedrichshain geboren, lebt aber heute auf der anderen Seite der einstigen Mauer: in Kreuzberg. Er hat Geisteswissenschaften studiert, volontierte beim ND, wo er bis 2008 blieb. Es folgten die Wochenzeitung Freitag und die taz. Auf die Frage, ob er ein Linker sei, antwortet der Journalist angesichts seiner professionellen Vita denn auch entsprechend: „Das kann man sagen.“

Der Neue will mehr sein als ein Grüß-August

Zur gleichnamigen Partei Die Linke sei sein Verhältnis „kritisch-solidarisch-beobachtend“, betont Strohschneider, ergänzt allerdings, die Linke sei „nicht die einzige linke Partei in Deutschland“. Bei SPD, Grünen und Piraten gebe es ebenfalls interessante Debatten. Hardlinern dürfte das schon zu viel sein. Wie auch immer: Der Neue will augenscheinlich mehr werden als ein Grüß-August der Parteiführung.

Für das Blatt sieht Strohschneider vor allem online Nachholbedarf. Da hat er eine gewisse Expertise vorzuweisen. Gemeinsam mit dem stellvertretenden ND-Chefredakteur Wolfgang Hübner betreibt er seit einigen Jahren den Blog „Lafontaines Linke“. Der ist gewissermaßen fortlaufendes Abfallprodukt eines Buches, das Strohschneider und Hübner über die Fusion von WASG und PDS zur Linkspartei geschrieben haben.

Hinter vorgehaltener Hand ist die Botschaft eindeutig: Beim ND gehe es mittelfristig um die Existenz, heißt es. Es lebt schon heute nur deshalb weiter, weil die Redakteure deutlich unter Tarif bezahlt werden. Derlei prekäre Beschäftigung ist Strohschneider nicht fremd. Auch jenseits dessen ist er weit davon entfernt, seine Rolle zu überschätzen. „Eine Zeitung entsteht durch kollektive Arbeit. Wer welchen Posten hat, ist eher für andere Zeitungen von Interesse.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

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