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Berichterstattung Presserats-Rügen wegen Bad Aibling und Paris-Attentat

Die Berichterstattung führt stets zu zahlreichen Beschwerden beim Presserat. Aktuell rügt das Kontrollorgan unter anderem "Bild online" und die "Abendzeitung".

11.03.2016 11:16
Die "Abendzeitung" wurde vom Presserat wegen eines Videos zu Bad Aibling gerügt. Foto: dpa

Die Berichterstattung über die Silvester-Übergriffe von Köln, die Attentate in Paris sowie über das Zugunglück in Bad Aibling haben zu zahlreichen Beschwerden beim Deutschen Presserat geführt. Das Selbstkontrollorgan erteilte insgesamt elf Rügen, wies aber auch zahlreiche Beschwerden zurück, wie der Presserat am Freitag mitteilte. Mehrere Zeitungen und Zeitschriften wurden wegen Schleichwerbung gerügt.

Als unangemessen sensationell bewertete der Beschwerdeausschuss die Veröffentlichung eines Augenzeugen-Videos vom Zugunglück in Bad Aibling. Die "Abendzeitung" hatte in der Online-Ausgabe ein mehrminütiges Video veröffentlicht, auf dem chaotische Szenen mit verletzten Menschen zu sehen und Schmerzensschreie zu hören sind. Dies sei mit Blick auf das Leid der Betroffenen und Hinterbliebenen nicht akzeptabel.

Gerügt wurde auch "Bild Online" für die Darstellung der Opfer der Terrorangriffe in Paris. Die Redaktion hatte Porträtbilder von Getöteten veröffentlicht, angereichert mit Details aus dem Lebenslauf. Der Ausschuss sieht darin einen schwerwiegenden Verstoß gegen den Opferschutz.

Als Dokument der Zeitgeschichte bewertete der Presserat hingegen das Foto, das die Szenerie in der Konzerthalle "Le Bataclan" nach dem Anschlag zeigt. Zu sehen sind Leichen in Blutlachen. Nach Ansicht des Presserats ist die Darstellung in "Bild" und "Bild Online" zwar schockierend; das öffentliche Interesse an dem Terroranschlag sei hier jedoch höher zu bewerten.

Keine Rüge wegen "Focus"-Cover

Als unbegründet erachtete der Beschwerdeausschuss die 14 Beschwerden zu dem "Focus"-Cover "Frauen klagen an". Zu sehen war eine nackte Frau mit schwarzen Handabdrücken auf ihrer Haut. Der Beschwerdeausschuss erkannte darin keine herabwürdigende Darstellung von Frauen und keine Diskriminierung.

Eine Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch "Bild am Sonntag" sieht der Presserat durch die Veröffentlichung von Facebook-Fotos eines Mordopfers. Fotos und Namen könnten nur veröffentlicht werden, wenn die Angehörigen zugestimmt hätten. Allein der Umstand, dass die Fotos auf Facebook verfügbar waren, rechtfertige nicht die Verwendung in der Berichterstattung.

Mehrere Rügen erteilte der Presserat wegen Schleichwerbung und mangelnder Trennung von Werbung und Redaktion. In einem Fall hatte "Focus Online" in einem Video über Technik-Sonderangebote eines einzigen großen Discounters berichtet. Dabei wurden auch die originalen Werbeanzeigen des Unternehmens eingeblendet. Auch die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hatte in ihrer Onlineausgabe über die Produkte eines einzigen Herstellers von Füllfederhaltern berichtet. Die "ausführliche und ganz überwiegend positive Besprechung der Fabrikate eines einzigen Herstellers ohne ersichtliche Alleinstellungsmerkmale" seien Schleichwerbung.

Auch die Zeitschrift "TV Hören und Sehen" hatte einen Beitrag über ein Abnehm-Präparat veröffentlicht, der als Interview mit dem Hersteller aufgemacht war. Dadurch werde eine neutrale und kritische Berichterstattung suggeriert; dieses Versprechen werde aber nicht eingehalten. (kna)

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