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Berichterstattung Finanzkrise Sensationell schlecht

Eine Studie wirft dpa und ARD ein Versagen in der Berichterstattung über die Finanzkrise vor. Autoren sind der einstige FR-Chefredakteur Wolfgang Storz und der Kommunikationsforscher Hans-Jürgen Arlt. Von Daniel Bouhs

09.03.2010 17:03
Daniel Bouhs

Als hätten Deutsche Presse-Agentur und "Tagesschau" nicht genug Probleme am Hals! Bei der dpa bereiten sie in Hamburg und Frankfurt gerade den Umzug nach Berlin vor. Und bei ARD-aktuell ist soeben der Versuch gescheitert, TV- und Onlineredakteure in einem Newsroom unterzubringen - weil die Kulturen nicht zusammenpassten.

Just in dieser Stimmung legt die Otto-Brenner-Stiftung nun eine Studie zur Frage vor, wie die Medien die Krise am globalen Finanzmarkt bewältigten und vor allem, ob sie das Grauen kommen sahen. Autoren sind der einstige FR-Chefredakteur Wolfgang Storz und der Kommunikationsforscher Hans-Jürgen Arlt. Sie testieren dem größten Newslieferanten und der Nachrichtensendung ein "eklatantes journalistisches Versagen".

So werfen die beiden Autoren der dpa vor, sich bei der Finanzmarktpolitik der Interpretationslinie der Regierung derart zu folgen, "wie der Autofahrer im Nebel dem weißen Mittelstreifen". Sie habe zudem "selten und wenn, dann nur unzureichend Zusammenhänge hergestellt". Bei den abklopften Ausgaben von "Tagesschau" und "Tagesthemen" sei das ähnlich.

Vorwürfe, die sich die dpa nicht gefallen lässt. Sie reagierte mit einem ganzen Dossier. Storz und Arlt hätten bloß Zusammenfassungen im Ticker ausgewertet, also aktuelle Berichte, aber Analysen der Reporter und gesendete Interviews mit Experten einfach ignoriert, heißt es darin. Dort hätten sich indes sehr wohl bereits vor dem GAU des Banken- und Kreditwesens deutliche Hinweise auf drohende Krisen und deren Folgen gefunden. Die dpa belegt das mit zahlreichen Beispielen.

"Wir haben eben das Kerngeschäft der Agentur untersucht, das die Kunden als erstes im Blick haben", sagt Storz. Ihm gehe es vor allem darum, das Material zu diskutieren, das die meiste Verbreitung in Zeitungen und auf Onlineportalen finde. "Und da hat sich ein Ausmaß an Unverständlichkeit gezeigt, dass mich überrascht hat."

Das Ergebnis solle kein Bashing sein, sondern Grundlage für eine Diskussion. Die Printmedien hätten auch lange geschlafen und das Thema "Finanzkrise" erst gesetzt, als der Prozess schon in vollem Gange war. Sie seien aber Ende 2008 aufgewacht - im Gegensatz zu dpa und ARD, die "nicht aus ihrer Routine herauskamen".

Die ARD will sich zu den Vorwürfen vorerst nicht äußern. Kai Gniffke, Chef der Redaktion ARD-aktuell, sagt, dafür müsse die Studie erst im Detail ausgewertet werden. "Ich kann heute nur sagen: Die Finanzberichterstattung vor und während der Krise war sicher für den gesamten Journalismus kein Ruhmesblatt." Er sehe da aber "keine Sonderrolle" für "Tagesschau" und "Tagesthemen". Storz bleibt dabei und spricht von "sensationell schlechten Sendungen und Berichten".

Allerdings: Bei den Zeitungen war ebenfalls nicht alles rosig. Einzige Ausnahme: die Financial Times Deutschland. Hier sei, sagt Storz, auch vor dem Kollaps des Kapitalmarktes "ein Spektrum aus unterschiedlichsten Deutungen erkennbar gewesen, das andere Blätter nicht transportierten". Nur die taz anfangs, so Storz. "Aber der ist in der Krise einfach die Kraft ausgegangen."

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