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ARD und ZDF „Die Tagesschau wäre überflüssig“

Sachsen-Anhalts Medienminister Rainer Robra will eine ARD ohne Tagesschau, Hollywood-Filme und Kanzlerduell.

Tagesschau
Die umstrittene Tagesschau-App. Foto: Norbert Neetz (epd)

Herr Robra, ARD und ZDF haben Vorschläge zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vorgelegt. Sparmöglichkeiten sehen sie bei der Verwaltung, der Technik, der Altersversorgung.Wurde da jahrelang Geld aus dem Fenster geworfen?
Die Anstalten haben jedenfalls jahrelang Einsparpotenziale nicht entdeckt. Der Druck, den die Länder zuletzt entfaltet haben, ist da heilsam gewesen. Die Vorschläge, die auf dem Tisch liegen, nehmen wir erstmal. Aber jetzt ist die Politik am Zuge.

Was die Anstalten ablehnen, sind Kürzungen am Programm. Kann der Rundfunkbeitrag von 17,50 Euro so stabil bleiben?
Nein. Wenn es bei dem Vorschlag der Anstalten bliebe, wäre 2021 eine Beitragserhöhung von bis zu 1,20 Euro pro Haushalt nötig. Das haben die Beamten der Rundfunkkommission überschlägig berechnet. 2,1 Milliarden Euro würden fehlen, wenn wir nicht weitere Sparvorschläge finden. 

 Ein höherer Rundfunkbeitrag würde in Sachsen-Anhalt an der CDU scheitern. Ist das auch Ihre Einschätzung?
Das ist eine Prognose, die ich teile. Ich werde deshalb nicht müde, im Kreise der Länder deutlich zu machen, dass Beitragserhöhungen im Landtag von Sachsen-Anhalt wohl keine Mehrheit finden werden. Wir meinen: Es muss bei 17,50 Euro bleiben. Die Öffentlich-Rechtlichen sind mit rund acht Milliarden Euro auch für die nächsten Jahre auskömmlich finanziert.

Welche Sparideen steuern Sie bei?
Wir sollten das System zeitgemäß ausgestalten, indem wir das ZDF als den nationalen Player betrachten. Die Landesrundfunkanstalten sollten sich stärker regional präsentieren. Ich bin seit anderthalb Jahren auch für Kultur zuständig und sehe noch deutlicher als zuvor, was an kultureller Vielfalt in den Ländern dargeboten wird und wie wenig sich davon in den Programmen wiederfindet.

Dann müsste das Erste seinen nationalen Anspruch aufgeben.
Das Erste wäre dann mittelfristig kein nationaler Sender mehr, sondern das Schaufenster der Regionen. Es soll das Beste aus Mitteldeutschland zeigen, aus dem Norden, aus allen Ländern.
 
Also mehr Schützenfeste ins Fernsehen?
Das ist sehr verkürzt. Ich glaube, dass es in den Ländern nicht nur kulturelle, sondern auch informative Angebote gibt, die von allgemeinem Interesse sind. Uns allen bekäme es gut, wenn wir stärker als bisher wahrnehmen, was die deutschen Länder zu bieten haben. Derzeit gibt es dafür nur kleine Sendefenster. Alles andere wird zugepflastert mit zu viel vom Gleichen.
 
Ein nationales Ereignis wie das Kanzlerduell vor der Bundestagswahl gehört dann nicht mehr ins Erste?
Das wäre dann die Aufgabe des ZDF. Das Erste soll präsentieren, was in den Ländern läuft. Wenn man dafür mehr Freiraum schafft, gewinnt die Bundesrepublik Deutschland insgesamt.

Wie steht es mit Hollywood-Spielfilmen?
Die gehörten dann ins Zweite.
 
Und das Heiligtum der ARD, die Tagesschau? 
Die wäre dann in dieser Form überflüssig.

Auch ein ARD-Hauptstadtstudio bräuchte es nach Ihrem Konzept nicht.
Natürlich müssten die Länder auch in der Hauptstadt präsent sein, aber für Berlin und Brandenburg wäre der RBB zuständig. Die zentralen Einrichtungen der ARD wären im Wesentlichen nicht mehr erforderlich.

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